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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Ein besonderes Spiel

(sh:z; Jannik Schappert) Der TBV Lemgo schaffte es in der Saison 2002/03, der THW Kiel in der Saison 2011/12 – und nun kann es auch die SG Flensburg-Handewitt schaffen: eine perfekte Hinrunde in der Handball-Bundesliga. Um sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern zu sichern, braucht der Tabellenführer morgen im Heimspiel gegen Neuling Bergischer HC (13.30 Uhr) einen Sieg. Doch dieser ist für Maik Machulla keine Selbstverständlichkeit. „Der BHC ist alles andere als ein normaler Aufsteiger“, sagt der SG-Coach. Die Tabelle untermauert seine Aussage. 18:14 Punkte, Platz sieben – mit dem Abstieg haben die Gäste aus Solingen schon lange nichts mehr zu tun. „Sie sind stabil und gefestigt. Das ist eine Mannschaft, die wir sehr ernst nehmen müssen“, fordert Machulla von seinen Spielern.

Diese haben nach dem 24:18-Erfolg bei der MT Melsungen am vergangenen Donnerstag ungewöhnliche Tage erlebt: kein Training, kein Spiel, keine Reise – sondern einfach mal ein freies Wochenende. „Das gab es seit der Vorbereitung nicht mehr“, sagt Machulla.

Die kurze Verschnaufpause nach der Terminhatz mit elf Spielen in 36 Tagen habe ihm und der Mannschaft gut getan. „Mein Eindruck ist, dass die Zeit mit der Familie die Lust auf Handball wieder erhöht hat“, so der 41-Jährige. Seit Mittwoch bereitet Machulla sein Team auf den BHC vor, die Ziele sind klar definiert: der 17. Saisonsieg, die perfekte Hinrunde und nicht zu vergessen der saisonübergreifend 25. Erfolg (!) in Serie. Die letzte Niederlage gab es am 22. März beim 23:29 in Magdeburg. Für Machulla ist dieser Lauf ein Stück weit unwirklich: „Wenn ich ehrlich bin, gab es nach der Vorbereitung wenig bis gar keinen Grund zur Euphorie.“

Bis auf Göran Johannessen (Daumenfraktur) sind bei der SG alle Spieler fit. Auch Keeper Torbjörn Bergerud ist dabei, er hatte nach einem Kopftreffer im Training gegen Melsungen pausiert. Das volle Vertrauen des Trainers genießt weiterhin Lasse Svan. Der Rechtsaußen, der jahrelang als Mr. Zuverlässig galt, hatte zuletzt Probleme mit der Chancenverwertung. „So eine Phase gestehe ich Lasse mal zu. Ich will ihm zeigen, dass ich ihn unterstütze“, sagt Machulla, der also weiter auf Svan setzt. Im Umkehrschluss heißt das: Marius Steinhauser wird wohl weiter von der Bank kommen.

Das Heimspiel gegen den Bergischen HC hat für den deutschen Meister aber nicht nur sportliche Bedeutung. Die SG hat die Partie zum Diversity-Spieltag erklärt und will mit mehreren Aktionen ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung setzen. Angelehnt an die „Grün.Weiß.Bunt!“-Initiative des TV Grundhof soll es in der Flens-Arena blau, rot und bunt werden. Vor dem Anpfiff gibt es eine Regenbogen-Choreografie, einige Sponsoren haben ihre Bandenwerbung bunt umgestaltet, auch die Spieler beider Mannschaften bringen mit Regenbogen-Schweißbändern Farbe ins Spiel.

Zudem hat die SG unter dem Hashtag #MachDichbunt eine Kampagne in den sozialen Medien organisiert, an der sich bereits die Zweitliga-Fußballer des FC St. Pauli beteiligt haben. Darüber hinaus ruft die SG gemeinsam mit der Kinderhilfsorganisation Plan International dazu auf, Geld für einen Sonderprojekt-Fonds zu spenden.