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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Das Gespür des Achten Mannes

(sh:z; Jannik Schappert) Nach der perfekten Hinrunde in der Handball-Bundesliga und saisonübergreifend 25 Siegen in Folge kann die SG Flensburg-Handewitt heute (19 Uhr) gegen GWD Minden den nächsten Meilenstein erreichen: ein Kalenderjahr ohne Bundesliga-Punktverlust in der Flens-Arena. Zuletzt gab der Tabellenführer zu Hause am 26. Dezember 2017 gegen die TSV Hannover-Burgdorf (27:27) einen Punkt ab, die letzte Heimniederlage datiert vom 10. Dezember – gegen den THW Kiel.

Dass der deutsche Meister in der „Hölle Nord“ so effektiv ist, kommt für Maik Machulla nicht von ungefähr. „Die Zuschauer haben ein Gespür für unseren Rhythmus und unsere Belastung entwickelt. Sie schaffen es, uns in den richtigen Momenten zu pushen“, sagt der SG-Trainer. Den besten Beweis lieferte der Achte Mann am vergangenen Sonntag, als Flensburg nach 18 Minuten 2:7 gegen den Bergischen HC zurücklag. Statt die eigene Mannschaft auszupfeifen, erhob sich die gesamte Halle und peitschte die SG zu einem 25:23-Erfolg.

Trotz der herausragenden Bilanz von 34:0 Punkten weigert sich Machulla weiterhin, in Euphorie zu verfallen – zu schwer wiegen die Auswärtsaufgaben in Magdeburg, Mannheim und Kiel im Saisonendspurt. „Wir müssen weiter von Spiel zu Spiel gucken. Das mag langweilig klingen, aber dann bin ich halt langweilig“, sagt der 41-Jährige. Der Realismus hindert ihn und die Spieler jedoch nicht daran, die Situation zu genießen. „Das sollten wir auch tun, denn sie ist alles andere als selbstverständlich“, meint Machulla.

Das Video vom mühseligen Hinspiel Ende August in Minden (31:28) führte ihm das vor Augen. „Es ist beeindruckend, wie sich die Mannschaft seitdem entwickelt hat“, sagt Machulla. Jim Gottfridsson avancierte zu einem unbestrittenen Anführer, alle sechs Neuzugänge stellten sich als echte Verstärkungen heraus und die jungen Spieler machten einen Sprung nach vorne. „Ich kann wechseln, ohne dass das Niveau abfällt“, freut sich der SG-Coach.

Er zieht in Erwägung, die erste Sieben gegen Minden zu verändern. So könnte Magnus Röd, der gegen den Bergischen HC eine starke zweite Halbzeit spielte, für Holger Glandorf starten. Auf Linksaußen wird wohl Magnus Jöndal reinkommen, bei der Besetzung des rechten Flügels zögert Machulla noch – obwohl sich Lasse Svan in einem Tief befindet und Marius Steinhauser am Sonntag nach einigen Wochen mit wenig Spielanteilen auf sich aufmerksam machte. „Ich gebe jeden Tag im Training Gas und versuche, mich anzubieten. Ich kann nur hoffen, dass der Trainer das sieht“, sagte der Rechtsaußen am Sonntag nach dem Spiel gegen den BHC.

Machulla stehen bis auf Göran Johannessen (Daumenfraktur), der von Norwegens Nationaltrainer Christian Berge trotz der Verletzung in das WM-Aufgebot berufen wurde, alle Spieler zur Verfügung. Der freie 16. Kaderplatz bleibt erneut leer und wird nicht mit einem Nachwuchs-Spieler besetzt.

GWD Minden kommt heute als Bundesliga-Neunter in die Flens-Arena. Die Mannschaft von Frank Carstens (16:18 Punkte) hat sich in dieser Saison in der oberen Tabellenhälfte etabliert – und rechnet sich beim Tabellenführer durchaus etwas aus. „Wir wären gern diejenigen, die Flensburg die ersten Punktverluste beibringen. Wir hatten sie schon im Hinspiel am Rande einer Niederlage“, wird Carstens auf Mindens Homepage zitiert.