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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Alles oder nichts

(sh:z; Jannik Schappert) „Es tut uns allen weh“, sagte Maik Machulla. Der Trainer des deutschen Handball-Meisters SG Flensburg-Handewitt war nach  dem Aus seiner Mannschaft im DHB-Pokal-Achtelfinale gegen den SC Magdeburg, der dem Tabellenführer der Bundesliga beim 31:28-Erfolg in der Flens-Arena  einen schmerzhaften Hieb verpasst hatte, abgekämpft. Nach 60 packenden, emotionalen und phasenweise spielerisch hochklassigen Minuten stand Flensburg mit leeren Händen da – und das Final Four in Hamburg steigt zum zweiten Mal in Folge ohne den einstigen Endspiel-Stammgast. 

Die emotionale Achterbahn, in der sich die SG-Spieler während des Spiels befunden hatten, spiegelte sich auch nach dem Pokalfight wider. In die Enttäuschung mischte sich Stolz, nach dem 22:26-Rückstand in der 45. Minute noch einmal den Ausgleich geschafft zu haben. Der Stolz wich dem Frust darüber, kurz vor Schluss die Chance zur Führung weggeworfen zu haben. Und dann war da auch noch die Wut über einige Pfiffe der Schiedsrichter Hanspeter Brodbeck und Simon Reich. „Wir mussten eine zusätzliche Hürde überwinden“, meinte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke mit Blick auf die Unparteiischen, die schon beim Flensburger 29:28-Erfolg im Bundesliga-Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf keine glückliche Figur gemacht hatten. 

Vor drei Wochen war es die Auslegung des Zeitspiels, die für Kopfschütteln im SG-Lager gesorgt hatte, diesmal sorgten  unterschiedliche Maßstäbe bei den Entscheidungen auf Stürmerfoul, Zeitstrafe oder Siebenmeter sowie zwei nicht gegebene Treffer von Jim Gottfridsson und Holger Glandorf in den Schlussminuten für Unmut. „Es war schwer, eine Linie zu erkennen“, befand Lasse Svan. 

Trotz des Ärgers waren sich aber alle einig, dass der Sieg nach der zwischenzeitlichen Aufholjagd in den eigenen Händen lag. „Da  war die SG mental klar im Vorteil“, meinte auch SCM-Coach Bennet Wiegert. Doch sein Team zog den Kopf noch einmal aus der Schlinge. Warum hat es nicht gereicht? „Kleinigkeiten, überall Kleinigkeiten“, sagte Lasse Svan. „Die machen ein Tor, wir nicht. Die haben eine Parade, wir nicht. So ist es, wenn das Spiel eng ist.“ 

Ein wichtiger Faktor war die Magdeburger Rückraum-Achse Marko Bezjak und Albin Lagergren, die von der SG-Deckung im zweiten Durchgang nicht zu bändigen war. „Mit Bezjak hatten wir Probleme“, gestand Simon Hald, der den Slowenen im Mittelblock gemeinsam mit Tobias Karlsson bekämpfte – vergeblich. Bezjak und Lagergren gelang im Zusammenspiel immer wieder der Durchbruch. „Wir müssen uns genau anschauen, warum da so viel Raum war“, meinte Karlsson in Hinblick auf das Bundesliga-Gipfeltreffen mit dem SCM in zwei Wochen. Das Problem: „Wenn du Bezjak im Griff hast, hat jemand anderes Platz“, so Karlsson. Der SG-Kapitän, der über sein Karriereende nach der Saison nachdenkt, war nach dem Pokal-Aus gleich doppelt geknickt. „Ich bin immer traurig, wenn wir verlieren. Und wenn ich weiß, dass ich höchstwahrscheinlich nie wieder das Final Four in Hamburg spiele, ist das extra traurig.“ 

Zeit, sich der Trauer hinzugeben, haben Karlsson und seine Teamkollegen nicht. Schon am Sonntag steht beim DHfK Leipzig das bereits 19. Pflichtspiel der Saison an. „Das Pokal-Aus darf und wird uns nicht zurückwerfen“, ist Schmäschke von der mentalen Stabilität des Tabellenführers überzeugt.