Stripes
Stripes
Karlsson
Grenzenlose Leidenschaft

„Glanz-Handball gegen Szeged“

(sh:z; Jan Wrege) Maik Machulla warb um Verständnis, gab ein Versprechen und erläuterte taktische  Besonderheiten. Manchmal, so der Trainer der SG Flensburg-Handewitt, sei er zu Kompromissen gezwungen. Etwa, wenn er in der Champions League schon an die Aufgabe in der Handball-Bundesliga zwei oder drei Tage später denken und mit dem Personal haushalten  muss. „Da ist nicht immer Glanz-Handball möglich. Aber gegen Szeged wollen wir Glanz-Handball spielen“, sagte Machulla vor dem Duell mit dem ungarischen Meister heute (19 Uhr) in der Flens-Arena.

Das wird nötig sein, um „zwei immens wichtige und tolle Punkte zu holen“, so der SG-Coach, der sich heute eine Atmosphäre wie in der Bundesliga wünscht: „Es hilft ungemein, wenn uns das Publikum trägt.“ Paris St. Germain und Pick Szeged seien in der Gruppe B durch, von Platz drei bis acht sei alles möglich – selbst das Ausscheiden des derzeit viertplatzierten  deutschen Meisters aus einer immer stärker werdenden Champions League, in der ungleiche Voraussetzungen herrschen. Für Vereine wie Szeged ist die nationale Meisterschaft nur ein Nebengeschäft, alle Intensität gilt der europäischen Königsklasse. Die SG hingegen fährt mehrgleisig und kann für ein Gruppenspiel bisweilen nur so viel investieren, dass der Erfolg auf nationaler Bühne nicht gefährdet wird.

So auch im Hinspiel in Szeged, in dem Rasmus Lauge wegen eines Infekts fehlte und Tobias Karlsson früh einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte. Der Abwehrchef hätte wohl durchgehalten, bekam vorsichtshalber eine halbe Stunde Erholung gewährt. Machulla musste improvisieren, Simon Hald und Johannes Golla zahlten im Abwehrzentrum Lehrgeld. Der clevere Szeged-Spielmacher Dean Bombac ging gezielt auf Stellen, an denen bei den Flensburgern noch nicht alles harmonierte. Zeitweise zogen die Ungarn mit sechs Toren davon. Am Ende kam die SG mit einer 28:30-Niederlage davon, was zeigt, dass auch gegen ein Top-Team wie Pick Szeged Mittel zu finden sind.

Zudem wird die SG heute besser aufgestellt sein. Anders Zachariassen muss sich mit einer Wadenzerrung weiterhin gedulden, doch alle anderen sind fit. Erfreut registrierte Machulla zudem beim Sieg in Skjern, dass die neu installierte 5:1-Deckung immer besser funktioniert. Gestern erläuterte der SG-Trainer, warum er Rasmus Lauge in die Spitze stellt, was manchen Beobachter verwundert. Der Grund ist, dass er die 5:1 anders interpretiert als Modelle, in denen vorn ein „Indianer“ hauptsächlich Unruhe stiftet. Machulla will mehr. Lauge habe die Größe und Reichweite, um Passwege zu versperren. „Er ist  mit seinem Spielverständnis in der Lage, zu entscheiden, wann er wegbleibt, wann er einen Spieler attackiert und wann er nur den Pass verhindert. Und die Leute hinter ihm müssen natürlich genau wissen, was er macht“, erklärte Machulla. 

Er ist auch einer der wenigen, der die 5:1 gegen den siebten Feldspieler einsetzt, auch so eine Besonderheit. „Man muss den Gegner vor Aufgaben stellen, mit denen sie nicht planen“, sagt der SG-Coach, der sich aber keine Illusionen macht, dass die Konkurrenz schläft: „Die werden sich auch wieder etwas einfallen lassen.“

Ungarns neuer Champion
Pick Szeged hat in der vergangenen Saison dem Erzrivalen Veszprem erstmals seit zehn Jahren den ungarischen Titelt abgeluchst. Nun nimmt die Mannschaft des spanischen Trainers Juan Carlos Pastor die Trophäe der Champions League ins Visier. Dafür wurde kräftig aufgerüstet. Der brillante Spielmacher Dean Bombac kam aus Kielce zurück, Torhüter Mirko Alilovic von Veszprem, der Ex-THWer Joan Canellas und Linkshänder Jorge Maqueda aus Vardar. Auch sonst hat Pastor reichlich Routine auf allen Positionen zur Verfügung. In Flensburg wird ihm allerdings Abwehrroutinier Jonas Källman fehlen. Szeged spielt auf hohem Niveau, aber nicht immer konstant, wie viele knappe Resultate zeigen. Paris wurde zu Hause besiegt, gegen Skjern spielten die Ungarn 33:33.