Stripes
Stripes
Karlsson
Grenzenlose Leidenschaft

MOL-Pick Szeged

1996 und 2007 lag MOL-Pick Szeged in der ungarischen Meisterschaft bereits ganz vorne, doch der dritte Streich im Mai dieses Jahres hatte einen ganz besonderen Charakter. Das Hinspiel um den nationalen Titel hatten die Ballwerfer von der Südkante des Landes mit 32:28 gewonnen, mussten in der zweiten Partie aber in der „Höhle des Löwen“ antreten: beim großen Favoriten Telekom Veszprém. Der Außenseiter überraschte mit einem Blitzstart, zehrte davon lange und rettete ein 26:29. Das reichte um ausgerechnet in der Veszprém-Arena die dritte Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu feiern.

Ein alter Bekannter aus der Bundesliga: Stefan Sigurmannsson.

Zwar stand man meist im Schatten des potenten Rivalen, im ungarischen Szeged, ganz in der Nähe des Drei-Länderecks mit Rumänien und Serbien, ging es beim Handball dennoch schon länger um die Wurst. Der international bekannte Salami-Produzent „Pick“ ist in der viertgrößten Stadt Ungarns (160.000 Einwohner) nicht nur Förderer der Kultur, sondern auch des Sports. Davon profitieren vor allem die Handballer: Das Unternehmen fungiert seit 1993 als Namenspatron – und seit 2011 auch als Mehrheitsgesellschafter. Ein klares Signal dafür, dass „Pick“ seine Ballwerfer so schnell nicht in Stich lassen würde. Denn damals hatten sich die finanziellen Hiobsbotschaften gehäuft, manch einer befürchtete gar eine Insolvenz. Um das wirtschaftliche Fundament zu stärken, wurde ab 2014 mit „MOL“, einem Öl- und Gaskonzern, ein weiterer Sponsor in Vereinsnamen und Vereinsstruktur integriert.

Kurz nach dem Coup von Veszprém verkündete Vereinsvorstand Ernö Peter Szücs eine wichtige Personalie. Der spanische Handball-Doktor Juan Carlos Pastor und sein Assistent Marko Krivokapic verlängerten ihre Verträge bis 2021. Ein klares Zeichen, dass der ungarische Klub weiter angreifen möchte. Bislang lief es in dieser Saison sehr gut. In der ungarischen Liga endeten alle elf Spiele mit einem Sieg, darunter ein 32:27 in Veszprém. In der VELUX EHF Champions League riecht es nach einem zweiten Platz in der Staffel B. Lediglich Paris Saint-Germain HB konnte sich bislang gegen MOL-Pick Szeged behaupten. Das nährt in der Salami-Stadt die Träume von Köln. Bislang gelangte der EHF-Cup-Sieger von 2014 nur bis ins Viertelfinale der europäischen Königsklasse. Das aber immerhin vier Mal: 1997, 2004, 2015 und 2017.

Kam aus Skopje: Jorge Maqueda.

Die Magyaren profitierten auf dem Spielerfermarkt von der Schwäche eines Kontrahenten. Da Vardar Skopje abspecken musste, konnte sich Szeged zwei Spanier angeln: den Linkshänder Jorge Maqueda und Regisseur Joan Cañellas. Mirko Alilovic wurde in Veszprém ausgemustert und bildet nun mit Marin Sego ein kroatisches Torhüter-Gespann. Als Königstransfer gilt aber die Rückkehr von Dean Bombac, der schon von 2014 bis 2016 im Süden Ungarns spielte. Dann schloss der 29-jährige Slowene zwar einen lukrativen Sechs-Jahres-Kontrakt mit Kielce, fühlte sich in Polen aber nicht wirklich wohl.

Insgesamt stehen Akteure aus neun Nationen im Kader. Die skandinavischen Farben hält allein der Zwei-Meter-Linksaußen Jonas Källman hoch. Der 37-jährige Schwede verlängerte vor wenigen Wochen – ähnlich wie Holger Glandorf bei der SG Flensburg-Handewitt – seinen Kontrakt nochmals um eine Spielzeit bis 2020. „Meine Familie war einverstanden“, sagte er. „Ich strebe immer nach dem Besten und ich liebe Handball – deshalb mache ich weiter.“ Ganz zur Freude der Fans, die die „Városi Sportcsarnok“ zu eine der lautesten Hallen Europas machen.