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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

GWD Minden

Die Zeiten des westfälischen Fahrstuhls scheinen vorbei: GWD Minden beschäftigt sich nicht mehr mit Auf- und Abstieg, sondern mit der Etablierung in der DKB Handball-Bundesliga. So steht derzeit ein sicherer Mittelfeldplatz zu Buche.

Marian Michalczik.

In der Vereinshistorie gibt es längere Phasen, in denen die Grün-Weißen in die Zweitklassigkeit abtauchten oder stets um den Klassenerhalt im Handball-Oberhaus besorgt waren. Die Ballwerfer aus Ostwestfalen vertreten aber definitiv einen der ganz großen Traditionsvereine der Republik. Die Chronik verrät so manchen Husarenstreich. 1970 etwa musste GW Dankersen – so die ursprüngliche Firmierung – mit Herbert Lübking den besten Mann abgeben, wurde in der kommenden Spielzeit trotz eines Fehlstarts erstmals deutscher Meister. 1977 glückte im letzten Meisterschafts-Finale vor der Einführung der eingleisigen Bundesliga eine Wiederholung.

Um die Jahrtausendwende steuerte GWD letztmals die oberen Platzierungen an. Talant Dujshebaew oder Frank von Behren zählten zur damaligen Profi-Generation – und auch Frank Carstens. Er ist seit dreieinhalb Jahren einer der wenigen Vertreter der Trainer-Zunft, die über eine Spieler-Vergangenheit im selben Verein verfügen. Der 47-Jährige machte im Sommer Verbesserungspotenzial aus, um vom zuletzt erreichten zwölften Platz in einstellige Dimensionen zu springen. „Der Spieler-Etat ist zwar gleichgeblieben“, erklärt Frank von Behren, der Sportliche Leiter, „dennoch glauben wir, dass wir uns qualitativ verstärkt haben.“

Luka Zvizej.

Die GWD-Verantwortlichen trennten sich am Ende der letzten Spielzeit von Akteuren, die den Zenit erreicht hatten und verpflichteten dafür junge Spieler mit Zukunft. Zum Beispiel den 22-jährigen Rechtsaußen Kevin Gulliksen, der als vierter Norweger im Kader steht und sein Talent bereits mit 45 Saisontoren unterstrich. „Es ist ein gutes Zeichen für unsere Attraktivität, dass wir einen Perspektivspieler seiner Klasse nach Minden locken konnten“, freute sich Frank von Behren.

Mit Aliaksandr Padshyvalau ging ein ebenso junger weißrussischer Spielmacher ins Netz, der über eine ungeheure Dynamik verfügt, sich aber noch an die Bundesliga-Luft gewöhnen muss. Der griechische Halblinke Savvas Savvas, frisch aus Hildesheim verpflichtet, hatte Pech in der Vorbereitung. Wegen einer Knie-Blessur feierte er erst im November sein GWD-Debüt. Linkshänder-Eigengewächs Maximilian Nowatzki erzielte beim Kantersieg über Gummersbach seine ersten beiden Erstliga-Treffer.

Andreas Cederholm.

GWD verfügt über eine erste Sieben mit starker skandinavischer Ausrichtung. Der schwedische Regisseur Dalibor Doder, der Norweger Christoffer Rambo und der deutsche Jung-Nationalspieler Marian Michalczik geben im Rückraum den Ton an. Der Serbe Miljan Pusica sowie die skandinavischen Kreisläufer Anton Mansson und Magnus Gullerud bilden den Mittelblock der 6:0-Abwehr. Der Däne Kim Sonne und der Norweger Espen Christensen sind ein starkes Torhüter-Gespann. Linksaußen Luka Zvizej gewann einst die Champions League mit dem FC Barcelona. Dieses starke Gerüst wird auch weiterhin von Frank Carstens betreut. Der Verein zog Anfang des Monats die Option auf die Verlängerung des bestehenden Vertrages bis zum 30. Juni 2020. „Ich glaube, dass wir auf einem richtig guten Weg sind“, erklärt Frank von Behren. „Es ist für mich nur logisch, diesen gemeinsam weiter zu gehen.“