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Karlsson
Grenzenlose Leidenschaft

Tolle Moral der SG

08.10.2017 -VELUX EHF Champions League: 25:25 – Ausgleich in letzter Sekunde

Die SG Flensburg-Handewitt erkämpfte sich in der Gruppe B der VELUX EHF Champions League den ersten Auswärtspunkt. Beim polnischen Meister PGE Vive Kielce erreichte sie ein 25:25 (10:10). „Wir sind zufrieden mit diesem Punkt, beim letzten Treffer hatten wir Glück“, bilanzierte SG Coach Maik Machulla. „Es verdient aber Respekt, wie diese Mannschaft vor dieser heißen Kulisse trotz eines Sechs-Tore-Rückstands in die Partie zurückgekehrt ist.“

Es ging gut los. Mattias Andersson entschärfte die ersten beiden Würfe von Kielce. Marius Steinhauser konterte, Kentin Mahé zog mit Schwung aus der zweiten Reihe ab – und es hieß 0:2. Dann schlichen sich aber erste Ungenauigkeiten im Angriff ein, die die Hausherren zum Teil nutzen konnten. Der Rückraum musste ohne Rasmus Lauge auskommen. Der Haupttorschütze der letzten Wochen war wegen der Geburt seines ersten Kindes vorzeitig zurück in den Norden gereist.

Die 6:0-Defensive mit Tobias Karlsson und Henrik Toft Hansen im Mittelblock arbeitete gut. Die SG hatte auf der anderen Seite aber Probleme mit der 5:1-Abwehr. Deshalb ließ Maik Machulla verstärkt mit sieben Feldspielern, darunter zwei Kreisläufern, operieren. Aus der zweiten Reihe traf Simon Jeppsson zum 4:5. Anders Zachariassen profitierte von einer Lücke am Kreis und traf zum 5:6. Es war vorerst die letzte Führung. Eine zu kritisierende Chancen-Verwertung vermasselte der SG die Tour. 10:7 hieß es kurz vor der Pause. Die Zuschauer stimmten immer wieder lautstarke Kielce-Gesänge an, die dann kurzzeitig abebbten. Die SG konnte doch noch mit einem Remis in die Kabine marschieren. Mattias Andersson hielt, Marius Steinhauser konnte im Nachsetzen den folgenden Gegenstoß verwerten. „Es wäre mehr als ein Unentschieden drin gewesen“, merkte Maik Machulla an. „Mit der 7:6-Variante im Angriff fanden wir gute Lösungen, aber vor dem Tor ließen wir zu viele beste Chancen aus.“

Maik Machulla sah ein merkwürdiges Spiel.

Den Wiederbeginn versüßte Magnus Rød mit der ersten Führung seit Langem. Marius Steinhauser hatte sogar ein Zwei-Tore-Polster in der Hand, zielte aber genau gegen den Pfosten. Urplötzlich befand sich Kielce wieder im Vorwärtsdrang. Es war zum Haareraufen: Anders Zachariassen blieb völlig freistehend an Keeper Slawomir Szmal hängen, im Gegenzug legen die Hausherren für Alex Dujshebaev einen Kempa-Trick auf. 15:12! Es kam noch schlimmer, sodass Maik Machulla beim 18:13 ein Team-Timeout nahm. „Fünf Tore sind gar nichts, es sind noch 20 Minuten“, munterte der Coach seine Jungs auf.

Allerdings liefen die Nordlichter weiterhin einem klaren Rückstand hinter. Der Kielce-Rückraum kam nun besser zur Geltung: Michal Jurecki erhöhte auf 21:15. Die Moral der SG war aber intakt. Die Abwehr stabilisierte sich wieder, während die Hausherren unaufmerksamer wurden. Die letzten fünf Minuten gehörten total dem Gast. Jacob Heinl vom Kreis, Simon Jeppsson aus der zweiten Reihe und schließlich Anders Zachariassen per Gegenstoß – 70 Sekunden vor Ultimo hieß es 25:24. Kielce ließ sich Zeit, dann musste Michal Jurecki abziehen und scheiterte an Mattias Andersson.

Maik Machulla nahm für die letzten 13 Sekunden eine Auszeit. Holger Glandorf bekam einen Kempa-Trick aufgelegt. Slawomir Szmal parierte, doch der Abpraller landete bei Marius Steinhauser. Ausgleich, Punkt und Jubel der SG! Ein Finale, das völlig unterschiedliche Reaktionen auslöste. „Wir können es besser“, meinte Kielce-Akteur Marko Mamic. „Wie verloren zum Schluss zu viele Bälle und letztendlich einen Punkt.“ Dagegen strahlte Simon Jeppsson: „Das war ein verrücktes Spiel. Wir kämpften aber immer mit Herz und dürfen nun mit einem sehr guten Gefühl zurück nach Flensburg reisen.“

Die Abwehr stand weitgehend gut.

 

PGE Vive Kielce – SG Flensburg-Handewitt 25:25 (10:10)
PGE Vive Kielce: Szmal (15 Paraden) – Jurecki (3), Bis, Dujshebaev (3), Kus, Aguinagalde, Bielecki (6/6), Jachlewski (1), Strlek (1), Janc (4), Lijewski (3), Jurkiewicz, Zorman (1), Mamic (1), Djukic (2/1)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (11 Paraden), Lind (bei drei 7m) – Karlsson, Glandorf (3), Mogensen (2), Wanne (3), Jeppsson (3/1), Steinhauser (5), Heinl (1), Zachariassen (3), Toft Hansen (1), Mahé (3/2), Rød (1)
Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien); Zeitstrafen: 4:8 Minuten (Jurkiewicz 2, Mamic 2 – Rød 4, Karlsson 2, Mogensen 2); Siebenmeter: 7/7:3/3; Zuschauer: 4018
Spielverlauf: 0:2 (2.), 2:2 (5.), 2:3 (9.), 3:4 (11.), 4:5 (14.), 5:6 (18.), 8:6 (21.), 8:7 (22.), 10:7 (27.) – 10:11 (31.), 11:12 (33.), 16:12 (38.), 16:13 (39.), 19:13 (43.), 20:15 (45.), 22:16 (47.), 22:18 (49.), 23:20 (53.), 25:21 (56.)

 

Von: ki