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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Alle sind stolz

02.12.2012 -VELUX EHF Champions League: 27:25 – der Coup von Montpellier

Wer hätte das gedacht? Die SG Flensburg-Handewitt gewann im fünften Anlauf erstmals bei Montpellier HB, und zwar mit 27:25 (12:14). Damit sicherte sich der Bundesligist vorzeitig das Achtelfinal-Ticket der VELUX EHF Champions League. In den letzten drei Spielen im Februar geht es nun um den Gesamtsieg in der Gruppe A. „Wir sind mit dem Ziel hergekommen, eine Überraschung zu schaffen", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Das ist dank einer tollen Mannschaftsleistung gelungen." Und SG-Coach Ljubomir Vranjes rang um Worte: „Ich kann noch gar nichts sagen, so stolz bin ich."

Am Mittelmeer schien die Sonne, wenn auch Jacken-Wetter war. Doch beim Betreten der „Park & Suites Arena“ war das nur noch nebensächlich, Ljubomir Vranjes fokussierte sich voll auf seine Taktik. Mit seiner Startaufstellung überraschte er angesichts des knappen Personals niemanden: Thomas Mogensen, Steffen Weinhold und Holger Glandorf bildeten die Rückraum-Achse und operierten gegen eine 5:1-Defensive. Und das zunächst sehr ordentlich: Die drei Protagonisten trafen alle in der Anfangsphase. Die SG führte überraschend mit 3:5. Montpellier war zunächst nur durch Dragan Gajic über Rechtsaußen gefährlich. Den Rest hatte die 6:0-Abwehr, in der Morten Dibbert anfangs auf der Halbposition stand, gut im Griff. „Unsere Deckung sowie Mattias Andersson waren 60 Minuten lang überragend", lobte Ljubomir Vranjes.

Holger Glandorf erspäht die Lücke.
Fotos: Beate Haar (3), MAHB (2)

Montpellier verteidigte nun noch offensiver und provozierte mehrere Ballverluste der SG. Und dann ging die Post ab, eine Konter-Welle sauste über die SG hinweg. Ein 7:5 notierten die Beobachter für die Franzosen. Diesen Schock verdaute die SG schnell. Vor allem dank der Hintermannschaft. Vorne fand Thomas Mogensen die Lücke und glich zum 7:7 aus. Die SG fiel immer wieder zurück, zeigte aber eine tolle Moral. Der eingewechselte Malte Voigt lochte einen Gegenstoß zum 11:10 ein. In der Abwehr bildete der Youngster nun eine Doppelspitze mit dem nächsten Newcomer, mit Thies-Jakob Volquardsen. Allerdings fingen sich beide in kurzer Folge ihre Zeitstrafen ein. Doch trotz einer 4:6-Unterzahl sah es für die SG zur Pause passabel aus. „Wir fahren immer zu einem Spiel, um zu gewinnen." Der Satz von Ljubomir Vranjes hallte nach.

Thomas Mogensen legte sich voll ins Zeug.

Und die Worte überstanden auch eine „kleine Eiszeit" nach dem Pausentee. Das MHB-Gehäuse verschloss sich minutenlang. Nikola Karabatic erhöhte auf 16:12. Wenn Mattias Andersson nun nicht einige Bälle pariert hätte, wären die Lichter am Mittelmeer für den Bundesligisten frühzeitig ausgegangen. Nach gut sieben Minuten schoss Lasse Svan Hansen über den rechten Flügel. Thies-Jakob Volquardsen verkürzte mit seinem ersten Königsklassen-Treffer auf 17:15. Jacob Heinl ergatterte einen Abpraller und vollendete zum 17:16. Plötzlich sah es wieder gut aus, zumal sich Mattias Andersson als Siebenmeter-Schreck entpuppte.

Als nächstes düste Thomas Mogensen durch. 18:18 – in dieser Partie steckte für die SG unerwartet viel Musik. Thies-Jakob Volquardsen tanzte die Gegenspieler aus und brachte seine Farben mit 18:19 in Führung. Kaum vorstellbar, was möglich gewesen wäre, wenn die SG etwas mehr Glück mit den Pfiffen der Schiedsrichter gehabt hätte. Aber auch so war es eine packende Angelegenheit: Die SG lag mehrfach mit einem Treffer in Front, Montpellier glich immer wieder aus. Dann eroberte Issem Tej einen Rückraum-Pass und startete zum 24:23 durch. Sechs Minuten vor Schluss nahm Ljubomir Vranjes seine Auszeit. Den Gäste gelang es, noch einmal alles in die Waagschale zu werfen. Jacob Heinl warf den 25:25-Ausgleich, Lasse Svan Hansen kam anderthalb Minuten vor Schluss von Rechtsaußen frei zum Wurf. 25:26!

Blieb cool in der Schlussphase: Steffen Weinhold.

Als die Franzosen im Gegenzug den Ball verloren hatten, roch bereits alles nach der Entscheidung. Doch 16 Sekunden vor Schluss scheiterte Jacob Heinl an MHB-Keeper Mickael Robin. Die Hausherren hatten noch einmal die Chance, brachten einen siebten Feldspieler. Dann die letzten Sequenzen: Nikola Karabatic fand seinen Meister in Mattias Andersson. Tobias Karlsson trottete auf das verwaiste Gehäuse zu und machte seinen Treffer, während die Teamkameraden bereits in Jubel ausbrachen. „Wir haben es geschafft", staunte Ljubomir Vranjes an der Seitenlinie und ließ sich von Michael Knudsen auf die Schulter klopfen.

Die mitgereisten SG-Fans waren aus dem Häuschen.

 

Montpellier HB – SG Flensburg-Handewitt  25:27 (14:12)
Montpellier HB: Robin (13 Paraden) – Arvin-Berod, Tej (4), Malmagro (1), Guigou (4), Metlicic, Karabatic (2), Gajic (12/1), Hmam, Kavticnik (2)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (18/2 Paraden) – Karlsson (1), Eggert (3/2), Glandorf (4), Mogensen (6), Svan Hansen (2), Weinhold (5), Volquardsen (2), Dibbert, Heinl (3), Voigt (1), Knudsen
Schiedsrichter: Eliasson/Gudjonsson (Island); Zeitstrafen: 4:6 Minuten (Karabatic 2, Kavticnik 2 – Svan Hansen 2, Voigt 2, Volquardsen 2); Siebenmeter: 4/1:2/2 (Gajic und Kavticnik scheitern an Andersson, Gajic tritt über); Zuschauer: 8000
Spielverlauf: 1:0 (2.), 2:1 (5.), 2:4 (7.), 3:5 (9.), 7:5 (12.), 7:7 (17.), 10:7 (21.), 10:9 (22.), 11:10 (24.), 12:11 (27.), 13:12 (30.) – 16:12 (36.), 16:14 (39.), 17:15 (40.), 18:16 (42.), 18:19 (45.), 20:20 (48.), 21:22 (50.), 22:23 (53.), 24:23 (54.), 25:24 (58.)

Von: ki