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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

SG auf Kurs

11.05.2013 -DKB HBL: 25:20 – noch vier Hürden bis zu den europäischen Sternen

Die SG Flensburg-Handewitt ließ nichts anbrennen. Nach dem 25:20 (12:8) über den VfL Gummersbach liegt sie in der DKB Handball-Bundesliga weiterhin auf Champions-League-Kurs. Das ganz große Feuerwerk fand aber nicht statt. „Man hat heute gemerkt, dass wir unser 50. Pflichtspiel in dieser Saison bestritten haben", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Und man hat auch gemerkt, dass unter der Woche im Training Gas gegeben wurde. Das wird uns beim Restprogramm helfen."

Mattias Andersson hatte die VfL-Schützen von Beginn an auf dem Kieker. Gleich die ersten drei Angriffe zerschellten am SG-Torwart. „Die SG spielte eine starke Abwehr und hatte einen überragenden Torwart", stellte VfL-Trainer Emir Kurtagic fest. „Es hat uns viel Kraft gekostet, um überhaupt zu Gelegenheiten zu kommen." So war es die SG, die den Torreigen eröffnete. Holger Glandorf lochte ein, und Lasse Svan Hansen schloss wieselflink einen Gegenstoß ab. 2:0 – was für ein munterer Auftakt in der „Hölle Nord“!

Thomas Mogensen agierte zunächst im linken Rückraum, Linkshänder Steffen Weinhold auf der Schaltzentrale. Die Chancen spielte sich die SG heraus, mit der Effizienz sah es nicht ganz so gut aus. Mehrmals stand VfL-Schlussmann Aljosa Rezar im Weg, Michael Knudsen kam völlig frei zum Zug, traf aber nur den Pfosten. „Wir haben insgesamt etwas viel verworfen", meinte Ljubomir Vranjes später. „Gummersbach hat allerdings auch – wie schon in den letzten Wochen – nicht schlecht gedeckt." Und das diesmal mit einem doppelten Handicap: Mit Michal Kopco und Dennis Krause fielen beide etatmäßigen Mittelblock-Strategen verletzungsbedingt aus. „Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft trotz dieser Schwächung hier präsentiert hat, macht Mut", konstatierte VfL-Manager Frank Flatten.

Auch auf die SG-Defensive war Verlass. Nach zehn Minuten hieß es gerade einmal 3:1. Der zweite Gäste-Treffer glückte Adrian Pfahl mit einem Distanzwurf, der über den zu weit vor dem Gehäuse stehenden Mattias Andersson in die Maschen flog. Der Schwede ließ sich davon aber nicht beeindrucken und hielt weiterhin stark. Seine Vorderleute konnten sich deshalb schnell absetzen. Nach einer Viertelstunde donnerte Holger Glandorf den Ball zum 6:2 über die Linie.

Ljubomir Vranjes benutzte die volle Klaviatur seines Kaders. Arnor Atlason tauchte nun auf halblinks auf, um kurze Zeit später gen Mitte weiterzuwandern, da Petar Djordjic das Spielfeld betrat. Der Isländer war es aber, der nach 21 Minuten kraftvoll über das Parkett bretterte und zum 9:5 abschloss. „Arnor hat es heute wirklich gut gemacht", lobte Ljubomir Vranjes. „Es ist wirklich ein Vorteil, dass er wieder dabei ist."

Als Gummersbach auf 9:7 heranrückte, zückte der SG-Coach seine grüne Karte. Nur keinen Schlendrian aufkommen lassen! Sofort stellten Arnor Atlason und Jacob Heinl den passablen Vier-Tore-Vorsprung wieder her. Mit einem Kempa-Trick beendete Lasse Svan Hansen den ersten Abschnitt. Das war noch einmal ein richtiges Gute-Laune-Häppchen!

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Holger Glandorf gleich auf 13:8. Zum ersten Mal lag die SG mit fünf Treffern vorne. Die Gäste waren aber noch nicht geschlagen, sie hielten sich tapfer im Dunstkreis. Jörg Lützelberger vollendete im Nachfassen zum 15:12. Mehr wollte die SG den Westdeutschen aber nicht gönnen. Wenige Momente später rannte Anders Eggert gen VfL-Gehäuse und ließ den Ball von Innenpfosten zum 17:12 ins Tor klatschen.

Anders Eggert flog zu acht Toren.

Die SG zog das Tempo kurzfristig merklich an. Holger Glandorf war kaum zu stoppen. Fünf Tore in zehn Minuten – und es hieß 19:12. Emir Kurtagic beantragte ein Team-Time-Out, doch die Niederlage war nicht mehr zu verhindern. „Die SG ist aus der Kabine mit einer deutlich erhöhten Aggressivität gekommen", sagte der VfL-Coach. „Aber nur wenigen Teams dürfte es in dieser Saison gelungen sein, mit nur 25 Gegentoren aus Flensburg zurückzukehren." Für einen richtig klaren Erfolg fehlte der SG an diesem Abend die Konstanz. Oder anders ausgedrückt: Auch die VfL-Akteure zeigten ihre individuelle Klasse. „Gummersbach ist besser, als es die Tabelle aussagt", lobte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke den Kontrahenten und ergänzte: „Unsere Mannschaft hat die Aufgabe über weite Strecken gut gelöst."

In der Schlussphase schnupperten Florian von Gruchalla und Olafur Gustafsson in die Partie. Letzterer durfte sich gleich über ein Billard-Tor freuen. 22:16! Stehende Ovationen gab es zum Finale. Die Fans fragten sich: Wo mag die SG in exakt vier Wochen stehen? Dann verabschieden Mannschaft und Anhang die Saison 2012/13. Die Chancen stehen gut, dass die SG es als frischgebackener Königsklassen-Teilnehmer tun wird. Zunächst geht es aber am Freitag nach Neuhausen. „Bis dahin werde ich etwas weniger trainieren", schmunzelte Ljubomir Vranjes. „Aus Neuhausen wollen wir unbedingt zwei Punkte holen."

Ein Dank an die Fans. Fotos: N. Kirschner


SG Flensburg-Handewitt – VfL Gummersbach  25:20 (12:8)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (21 Paraden) – Karlsson, Atlason (2), Eggert (8/5), Glandorf (9), Mogensen, Svan Hansen (4), Weinhold, Djordjic, Heinl (1), Gustafsson (1), von Gruchalla, Knudsen
VfL Gummersbach: Ristovski (bei zwei 7m), Rezar (12 Paraden) – Mladenovic (2), Schindler (2), Lützelberger (2), Heyme (1), Pfahl (6/1), Santos (3), Zrnic (1), Gaubatz, Larsson, Mahé (3)
Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Magdeburg/Barleben); Zeitstrafen: 2:4 Minuten (Mogensen 2 – Schindler 2, Larsson 2); Siebenmeter: 5/5:1/1; Zuschauer: 5909
Spielverlauf: 2:0 (4.), 2:1 (5.), 3:2 (12.), 6:2 (15.), 7:4 (18.), 9:5 (22.), 9:7 (25.), 11:7 (28.) – 13:8 (31.), 13:10 (33.), 15:11 (35.), 19:12 (42.), 19:15 (45.), 21:15 (50.), 23:16 (51.), 23:18 (56.), 25:18 (58.)

Von: ki