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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Frohe Ostern

31.03.2013 -DKB Handball-Bundesliga: 27:16 – zwei bunte Ostereier in Berlin

Was für eine Reaktion! Vier Tage nach der Niederlage in Lemgo ist die SG Flensburg-Handewitt mit dem 27:16 (12:10) bei den Füchsen Berlin in die Erfolgsspur zurückkehrt und machte damit einen wichtigen Schritt zur erneuten Champions-League-Qualifikation. „Das war eine Super-Einstellung, mental waren heute alle sehr stark", schwärmte SG-Coach Ljubomir Vranjes und lobte: „Abwehr überragend, Torwart überragend – und mit dem Angriff bin ich auch zufrieden."

Da hatte Ljubomir Vranjes mal wieder eine ganz neue Startaufstellung ins Rennen geschickt. Olafur Gustafsson, Maik Machulla und Steffen Weinhold bildeten die Rückraum-Achse, Michael Knudsen fing am Kreis an. Die ersten Akzente setzte die SG von den Halbpositionen. Bereits nach acht Minuten kam Thomas Mogensen – und kurzfristig auch Lars Kaufmann, da Olafur Gustafsson eine Zeitstrafe abbrummte. 

Wie von Ljubomir Vranjes gewünscht, arbeitete die 6:0-Abwehr unermüdlich. Mattias Andersson ging im Torhüter-Duell mit Silvio Heinevetter bald in Führung, was sich auch im Ergebnis niederschlug. Steffen Weinhold trumpfte auf und besorgte mit einem energischen Doppelschlag das 3:5. Mattias Andersson hielt, Lasse Svan Hansen konterte. 5:8! Mit einem weiteren herzhaften Abschluss packte die SG noch einen drauf.

Die Berliner nahmen ihre Auszeit und fanden besser in die Partie. Die Füchse operierten zeitweise mit zwei Kreisläufern. Gerade Evgeni Pevnov war nur schwer zu stoppen und erzielte den 8:9-Anschluss. Ljubomir Vranjes rotierte viel in der zweiten Reihe, musste dennoch den Ausgleich der Füchse befürchten. Beim 9:10 kassierte Jacob Heinl bereits seine zweite Zeitstrafe. Doch die Gastgeber konnten die Überzahl nicht nutzen und rannten in einen Gegenstoß. Lasse Svan Hansen verwandelte – trotz Bedrängnis von Bartlomiej Jaszka, der ebenfalls eine zweiminütige Zwangspause erhielt.

In der Partie war nun viel Musik und Hektik. Evgeni Pevnov brachte die Füchse wieder heran. Nur noch wenige Sekunden bis zur Halbzeit-Sirene! Die Schiedsrichter ahndeten ein Foul von Denis Spoljaric, der sich vor einem der beiden Referees aufbaute, gegen den Pfiff protestierte und mit einer Vier-Minuten-Strafe belegt wurde. Diskussionen und kleine Tumulte in der Max-Schmeling-Halle! Der inzwischen eingewechselte Holger Glandorf bewahrte die Ruhe: Der SG-Linkshänder hämmerte den Ball in Wembley-Manier zum 10:12-Pausenstand in die Maschen.

Die SG durfte mit einer vierminütigen Überzahl in den zweiten Durchgang starten – und nutzte diesen Vorteil. Die Füchse konnten Mattias Andersson im SG-Kasten nicht überwinden. Die SG antwortete mit viel Tempo. Lasse Svan Hansen und Holger Glandorf schlossen eiskalt ab und warfen damit ein 10:15 heraus. War das bereits eine Art Vorentscheidung? Ljubomir Vranjes war sich noch keineswegs sicher und entschied sich beim 12:16 für ein Team-Time-Out.

Die SG zeigte eine tolle Einstellung.

Die Verschnaufpause kam für Holger Glandorf genau zum richtigen Zeitpunkt. Er hatte das Füchse-Gehäuse als „Schießbude“ entdeckt und brachte zwei „Kracher“ unter. Als Anders Eggert einen Siebenmeter verwandelte, stand es 12:19. Die über 300 mitgereisten Schlachtenbummler tauchten bereits in eine glückselige Siegesstimmung ein.

Aber da war doch etwas? 12:19 hatte es auch im letzten April in der „Hölle Nord“ zwischen beiden Teams gestanden, bevor die SG noch eine tolle Aufholjagd auf die Platte gezaubert hatte. Doch Berlin vermochte sich nicht zu einem „Wunder“ aufzubäumen. Stattdessen begeisterte die SG. Mattias Andersson parierte unter anderem einen Siebenmeter, während seine Vorderleute in zweistellige Dimensionen vordrangen. Da hatte sich die Berliner Max-Schmeling-Halle bereits in den Schauplatz einer spontanen SG-Osterparty verwandelt. „Die Mannschaft hat uns ein schönes Ostergeschenk gemacht", freute sich SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Man hat heute gesehen, was man mit Willen, Herz und Leidenschaft erreichen kann."

Die SG-Fans waren aus dem Häuschen. Fotos: Beate Haar.

Füchse Berlin – SG Flensburg-Handewitt 16:27 (10:12)
Füchse Berlin: Heinevetter (6 Paraden), Stochl (4 Paraden; ab 42.) – Laen, Löffler (2), Spoljaric, Jaszka, Nincevic (1), Christophersen, Iker Romero, Pevnov (2), Bult (1), Lund, Igropulo (4), Sellin (6/1)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (27/2 Paraden) – Karlsson, Machulla (1), Eggert (7/2), Glandorf (5), Mogensen, Svan Hansen (5), Weinhold (6), Heinl, Gustafsson (1), Kaufmann (1), Knudsen (1)
Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweier); Zeitstrafen: 10:12 Minuten (Spoljaric 4, Laen 2, Jaszka 2, Christophersen 2 – Heinl 4, Eggert 2, Weinhold 2, Kaufmann 2, Gustafsson 2); Siebenmeter: 3/1:2/2 (Igropulo scheitert zwei Mal an Andersson, trifft aber einmal im Nachwurf); Zuschauer: 9000 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (1.), 1:2 (4.), 2:2 (8.), 3:3 (11.), 3:5 (13.), 5:6 (16.), 5:9 (19.), 8:9 (24.), 9:10 (27.), 10:11 (30.) – 10:15 (34.), 12:16 (38.), 12:23 (48.), 14:23 (51.), 14:27 (56.)

Von: ki