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Rasmus Lauge
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03.03.2013 -DKB Handball-Bundesliga: 26:20 – SG dreht nach der Pause auf

Ein Selbstgänger war das gewiss nicht. Letztendlich behauptete sich die SG Flensburg-Handewitt aber mit 26:20 (10:10) über den TV Großwallstadt und bleibt an der dritten Stelle der DKB Handball-Bundesliga. „Mein Respekt an die Mannschaft, wie sie trotz Müdigkeit bis zum Ende des Spiels gekämpft hat", meinte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Das war spielerisch sicherlich keine Glanzleistung", urteilte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Aber der Kampf und der Wille, Spiele zu gewinnen, waren vorhanden."

Die ersten fünf Minuten waren trügerisch. Da traf Lars Kaufmann aus dem Rückraum und Anders Eggert lochte einen Gegenstoß ein, während die Gäste aus Franken vorne nichts zu Wege brachten. Fahrkarte, Fehlwürfe und versandeter Gegenstoß. Doch nach dem 2:0 drückte der TVG sein Konzept durch. Zwischen Angriff und Abwehr wurde zwei Mal gewechselt, das Tempo gedrosselt und die Angriffe ruhig ausgespielt. „Es war klar", sagte TVG-Coach Peter David, „dass sich Flensburg nach einem harten Programm schwer tun würde, sich für die Pflichtaufgabe gegen uns zu motivieren."

Zudem warf die SG den immer stärker werdenden Schlussmann Andreas Wolff warm. Den Zuschauer stockte der Atem. Plötzlich führte der Vorletzte mit 2:5. Nach gut zehn Minuten parierte Mattias Andersson den ersten Ball, seine Vorderleute agierten nun wieder etwas sicherer. Der glatte Rückstand war schnell wettgemacht, und dann war es Sören Rasmussen, der die ersten stehenden Ovationen des Nachmittags provozierte. Für einen Siebenmeter zwischen die Pfosten gekommen, parierte er Straf- und Nachwurf von Maximilian Holst.

Den Schwung nahm die SG kurzfristig mit. Anders Eggert erzielte das 7:6. Doch Großwallstadt hielt konsequent an seiner Marschroute fest und machte der SG das Leben schwer. Bei der SG fehlte der gewisse Druck, auf der anderen Seite entpuppte sich der Gegner keineswegs als potenzieller Absteiger. Der TVG hätte mit der Pausensirene sogar wieder in Führung gehen können. Doch Mattias Andersson wehrte einen Rückraum-Versuch von Chen Pomeranz ab.

Es war kein rauschender Auftritt der SG. Man musste aber auch Verständnis haben. „Es gab doch ein paar Kleinigkeiten, die uns in den letzten Tagen daran gehindert haben, konzentriert zu trainieren", verriet SG-Coach Ljubomir Vranjes. So manche Krankheit torpedierte die Übungspläne. So konnte Holger Glandorf diesmal aufgrund eines Magen-Darm-Infekts nur sporadisch mitwirken. Und Michael Knudsen pausierte weiterhin wegen Knie-Problemen. „Das tut weh, er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft", stöhnte Ljubomir Vranjes. „Jacob Heinl vertritt ihn zwar hervorragend, aber er braucht auch Pausen."

Anders Eggert war einmal mehr bester SG-Schütze.

In der Kabine hatte der Schwede der Mannschaft ein paar Worte gesagt, die er in der Pressekonferenz nicht wiederholen wollte. Der TVG erwischte den besseren Start in den zweiten Durchgang: Cornelius Maas markierte das 10:11. Doch so allmählich wusste sich die SG aus der Umklammerung des Außenseiters zu lösen. In einem Wurf von Thomas Mogensen steckte viel Wut. Der Ball klatschte an den Innenpfosten und zappelte dann im Netz. 14:12! Lasse Svan Hansen bog nach innen ab und schloss energisch ab. 15:12! Und Lars Kaufmann schraubte sich besonders hoch. 16:12!  

Die TVG-Schützen verzweifelten immer mehr an Mattias Andersson. Die 6:0-Abwehr türmte sich immer stärker als uneinnehmbares Bollwerk auf. Die Folge: Die SG lief mehr Konter als noch im ersten Durchgang. Zudem saßen die Würfe aus der zweiten Reihe nun besser. Lars Kaufmann traf zum 22:13. „Als die Flensburger ins Rollen kamen, sind wir doch sehr schnell auseinandergefallen", ärgerte sich Peter David.

Wer hätte zur Pause gedacht, dass die Partie bereits eine Viertelstunde vor dem Anpfiff entschieden sein würde? Ljubomir Vranjes bediente sich seiner Bank: Florian von Gruchalla, Maik Machulla und Olafur Gustafsson erlebten die Schlussphase auf dem Parkett. „Nun ist es mir wichtig, dass wir zehn Tage Pause haben bis zum nächsten Spiel", sagte Ljubomir Vranjes abschließend. Dann kommt die HSG Wetzlar. „Hoffentlich haben wir dann eine genauso volle Halle wie heute", bedankte sich Dierk Schmäschke für die Unterstützung von den Rängen.

Höllen-Stimmung. Fotos: Ki

SG Flensburg-Handewitt – TV Großwallstadt   26:20 (10:10)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (24/1 Paraden), Rasmussen (bei zwei 7m; 2/1 Paraden) – Karlsson, Machulla, Eggert (8/2), Glandorf, Mogensen (5), Svan Hansen (4), Weinhold (2), Heinl (1), Gustafsson (1), von Gruchalla (1), Kaufmann (4)
TV Großwallstadt: Wolff (20 Paraden) – Spatz (7/2), Bühler (1), Graubner (2), Eisenkrätzer (2), Holst (2/2), Larsson (1), Jakobsson, Kaufmann (2), Maas (1), Pomeranz (2), Karason
Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg/Hagen); Zeitstrafen: 2:4 Minuten (Heinl 2 – Eisenkrätzer 2, Jakobsson 2); Siebenmeter: 2/2:6/4 (Rasmussen hält gegen Holst und den Nachwurf, Andersson pariert gegen Holst); Zuschauer: 5846
Spielverlauf: 2:0 (5.), 2:5 (10.), 5:5 (15.), 7:6 (18.), 8:8 (21.), 10:9 (24.) – 10:11 (33.), 13:11 (35.), 18:12 (43.), 22:13 (49.), 23:14 (50.), 23:18 (55.), 25:19 (60.)

Von: ki