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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Viele I-Tüpfelchen

25.08.2012 -DKB Bundesliga: 40:20 – Neuling Essen überrannt

Die SG Flensburg-Handewitt erwischte einen Start nach Maß in die neue Saison der DKB Bundesliga. Das 40:20 (21:6) über TUSEM Essen bedeutet – wenn am Sonntag nichts Unerwartetes passiert – die Tabellen-Führung nach dem ersten Spieltag. „Wir sind froh über die beiden Punkte, aber freuen uns noch mehr, wieder in der Campushalle spielen zu dürfen", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Zufrieden bin ich auch, weil fast alle getroffen und alle gespielt haben." Sein Gegenüber Maik Handschke war entsprechend geknickt: „Dass wir hier verlieren, war eigentlich zu erwarten. Die Höhe ist aber ein bitteres Lehrgeld."

Im Mittelpunkt der ersten Minuten stand ganz eindeutig Mattias Andersson. Zunächst wurde er gemeinsam mit Tobias Karlsson für die Olympische Silbermedaille geehrt, dann wurde nochmals seine bis 2015 erfolgte Vertragsverlängerung gefeiert, und dann zeigte der Schwede, dass er ein Klasse-Keeper ist. Gleich in den ersten Minuten folgte Parade auf Parade, darunter auch ein Siebenmeter von David Breuer und der Nachwurf. Vorne erwischte Lars Kaufmann einen Start nach Maß, Anders Eggert verwandelte die Siebenmeter traumhaft sicher, sein erster war das erste SG-Saison-Tor. Nach zwölf Minuten drückte sich Lasse Svan Hansen in die Eggert-Kaufmann-Zeremonie. 7:3!

Der SG-Motor hatte schnell seinen Rhythmus gefunden. Die Abwehr erwies sich als fast unüberwindbares Bollwerk für die unerfahrene Essener Bundesliga-Mannschaft. Es raunte und staunte in der „Hölle Nord“ angesichts der SG-Dominanz. „Wisst ihr noch? Dreißig-elf“, skandierte die Nordtribüne einen aus 1999 stammenden Evergreen. Und Mattias Andersson hatte diese Bestmarke offenbar fest im Visier. Einem Ball des Kreisläufers Felix Handschke hechtete der Keeper hinterher – und erwischte ihn vor der Linie. Ein akustischer Orkan tobte durch Flensburg. Essens sportlicher Leiter Stephan Krebietke: „Das war eine Kulisse, bei der unsere Spieler gleich erfahren haben, wo sie gelandet sind – in der Bundesliga."

Ljubomir Vranjes variierte viel. Auf Linksaußen kam Malte Voigt, im Rückraum durfte Maik Machulla ran und manchmal auch zwei Linkshänder. Holger Glandorf machte munter da weiter, wo er in München aufgehört hatte. Erst erkämpfte er sich zwei Strafwürfe, dann netzte er bis zur Halbzeit ein halbes Dutzend Mal ein. Ein „Nachholbedarf“ aufgrund seiner langen Verletzungspause war unübersehbar. „Es hätte niemand für möglich gehalten, dass Holger so schnell wieder bei 100 Prozent sein würde", gratulierte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.
Die SG konterte sich in einen Rausch, die TUSEM-Bank suchte die Rettung in einer Regeländerung und nahm bereits zwei Minuten vor der Halbzeit das zweite Team-Time-Out. Es half nichts: Mattias Andersson verabschiedete sich zur Pause mit einer legendären 70-Prozent-Quote. „Alle waren nervös, haben den Glauben an sich verloren und in der Abwehr die nötige Aggressivität vermissen lassen", bilanzierte Maik Handschke.

Lars Kaufmann war nicht zu halten. Fotos: Ki

Er und seine Essener ließen sich für ihre Kabinen-Besprechung viel Zeit. Die fruchtete durchaus. Die junge Truppe hatte Selbstvertrauen getankt, zog nun erfolgreicher aus dem Rückraum ab, was den mitgereisten TUSEM-Anhang vermehrt in Verzückung versetzte. Die Gäste verkürzten auf 23:13. „Wir hatten allerdings auch eine andere Konstellation auf dem Spielfeld", erklärte Ljubomir Vranjes. „Wir haben eine Zeit lang mit zwei Kreisläufern gespielt – und da brauchen wir noch etwas mehr Spielpraxis."

Fackeln von Lars Kaufmann, auf Anders Eggert zulaufende Kombinationen oder Durchbrüche von Steffen Weinhold brachten die SG wieder auf ihren dominanten Kurs. Anders Eggert von der Siebenmeter-Linie – und es hieß 31:16. Der Pausen-Vorsprung war damit zurückerobert. Sören Rasmussen, seit der Halbzeit im Kasten, gewann zunehmend an Sicherheit

Und noch waren gut zehn Minuten zu spielen. Und die brachten so manches Erwähnenswertes aus SG-Sicht: Ein Wackler von Thomas Mogensen, ein Heber von Lars Kaufmann, Einsatzzeiten für die Youngster Morten Dibbert und Malte Voigt sowie das erste Tor im SG-Dress für Neuzugang Maik Machulla zum 38:20. Für seinen zweiter Treffer bekam er noch mehr Applaus und stehende Ovationen von der Reservebank: Die 40 war voll, das I-Tüpfelchen für einen tollen Saison-Einstand der SG gesetzt. „Wir sehen uns in zehn Tagen wieder", lächelte Ljubomir Vranjes den Fans nach dem Abpfiff zu.

Maik Machulla erfährt: 40. Tor = Kiste Bier.

 

SG Flensburg-Handewitt – TUSEM Essen  40:20 (21:6)
SG Flensburg-Handewitt: Rasmussen (10 Paraden; ab 31.), Andersson (14 Paraden) – Karlsson, Machulla (2), Eggert (10/7), Glandorf (8), Mogensen (2), Svan Hansen (3), Weinhold (3), Dibbert, Heinl (1), Voigt, Kaufmann (9), Knudsen (2)
TUSEM Essen: Kulhanek (2 Paraden), Vukas  (6 Paraden; bei zwei 7m, ab 24.) – Böhm (3), Kühn (1), Leenders (4), Pöter (1), Pieczkowski, Seidel (1), Breuer (2/1), Lindt (3), Handschke (1), Rahmel (4/2)
Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Zweidorf); Zeitstrafen: 0:12 Minuten (Leenders 4, Böhm 2, Kühn 2, Pöter 2, Pieczkowski 2); Siebenmeter: 7/7:5/3 (Breuer und Handschke scheitern an Andersson); Zuschauer: 5106
Spielverlauf: 4:0 (6.), 6:1 (9.), 6:3 (10.), 11:3 (16.), 13:4 (19.), 17:5 (24.), 17:6 (26.) – 21:9 (34.), 23:10 (36.), 23:13 (38.), 25:13 (39.), 26:16 (42.), 30:16 (47.), 34:17 (51.), 36:18 (53.), 37:20 (55.) 

Von: ki