Stripes
Stripes
Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Abwehr macht dicht

28.10.2012 -DKB Bundesliga: 29:18 – SG singt den Sieg

„O, wie ist das schön, so etwas hat man lange nicht gesehen, so schön“, sang die Campushalle Minuten vor dem Abpfiff. Die SG Flensburg-Handewitt strahlte im Spitzenspiel gegen die Füchse Berlin eine kaum für möglich gehaltene Dominanz aus und gewann mit 29:18 (13:11). "So etwas erlebt man nicht jeden Tag", strahlte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. "Heute ist ein sehr guter Tag für jeden SG-Fan in der Welt."

Spitzenspiele – das spürte man schon vor dem Anpfiff – sorgen in der Campushalle für noch mehr Atmosphäre als sonst. Und dann gelang der SG gleich ein prickelnder Start. Arnor Atlason, der anstelle des angeschlagenen Lars Kaufmann begann, düste durch zum ersten Tor des Tages. Zum ersten Mal hallte der Jubel durch die „Hölle Nord“. Die SG legte nach, die SG zog schnell davon. Anders Eggert zauberte einen Gegenstoß in die Maschen, Arnor Atlason blieb cool aus der zweiten Reihe. 7:3 – Riesenstimmung im Rund!

Die Berliner Bank nahm früh eine Auszeit, entschied sich für erste Wechsel. Während zunächst Mattias Andersson die ersten Bälle vor der Torlinie wegkratzte, ärgerte nun sein Gegenüber Silvio Heinevetter vermehrt den SG-Anhang – und natürlich die Schützen. Es wurde wieder knapp, die Führung musste die SG aber nicht abgeben. Daran hatte auch Lars Kaufmann seinen Anteil, der - frisch auf der Platte - mit dem 11:8 gleich für Furore sorgte. Triumphierend streckte er seinen Arm und zeigte an: So wird das gemacht! Die Bank applaudierte im Stehen, die Fans hob es aus den Sitzen. "Diese Atmosphäre war absolut eindrucksvoll", bemerkte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. "Zuschauer, Sponsoren und Mannschaft haben zusammengestanden. Jeder, der hier war, kann Werbung für die nächsten Heimspiele unserer SG machen."

Die SG (hier Lasse Svan Hansen) rannte den Füchsen davon.

Kurz vor der Pause knallte der letzte Berliner Ausgleichsversuch am Pfosten. Durchatmen – und Vorbereitung für den nächsten Jubel. Lars Kaufmann zum Dritten: Mit dem 13:11 schmeckte der Pausentee. "Die erste Hälfte war eigentlich gar nicht schlecht, nur ein oder zwei Zeitstrafen zu viel", meinte Füchse-Coach Dagur Sigurdsson. "Aber gegen die richtig gute Flensburger Abwehr und den Torwart hatten wir am Ende Angst aus dem Rückraum zu werfen."

Er sah einen "15-minütigen Blackout". Gleich der erste Angriff mündete in einen Fehlpass. Lars Kaufmann stand goldrichtig und verlängerte sofort auf den startenden Lasse Svan Hansen, der souverän zum 14:11 einlochte. Die SG gab Dampf, kam deutlich besser aus der Kabine als die Füchse. Thomas Mogensen setzte sich dynamisch zum 16:12 durch und zwang die Berliner Bank zu einem schnellen Team-Time-Out.

Lars Kaufmann hatte einen Lauf.

Doch die SG war nicht zu stoppen. Lars Kaufmann spielte wie aufgedreht, hämmerte den Ball mit Macht ins Netz. 17:12 – und mit dem nächsten Gegenstoß legte Thomas Mogensen noch einen drauf. Es lief wie am Schnürchen: die Berliner unsicher, die SG dominant. Und hinter der sehr aufmerksamen Deckung ein Mattias Andersson, der das Torhüter-Duell nun klar für sich entschied.

Und schon wieder hatte die SG den Ball. Michael Knudsen schlüpfte am Kreis durch und traf zum 19:12. 19:12 – da war doch etwas? So hatte die SG im April zurückgelegen, als sie gegen die Füchse noch zur Aufholjagd blies. Doch die SG ließ kein Zweifel an der Herrschaft in der „Hölle Nord“. Lars Kaufmann zum nächsten – 20:12, und der Halblinke hatte seinen Dienst getan. Der Rest war schöne Formsache. Stehende Ovationen und Gesänge mischten sich in den nicht erwarteten Kantersieg. "Diese Leistung und Konzentration über die gesamten 60 Minuten haben mich sehr beeindruckt", bilanzierte Ljubomir Vranjes. "Sonst habe ich immer etwas zu kritisieren, diesmal aber überhaupt nicht." Und Dierk Schmäschke ergänzte: "Das waren zwei Big Points - auch wegen der Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat."

Den Jubel gab es in der Dauerschleife. Fotos: Ki

 

SG Flensburg-Handewitt – Füchse Berlin 29:18 (13:11)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (27 Paraden), Rasmussen (bei einem 7m) – Karlsson, Machulla (1), Atlason (6), Eggert (1), Glandorf (3), Mogensen (3), Svan Hansen (4), Weinhold (1), Heinl (1), Kaufmann (5), Knudsen (4)
Füchse Berlin: Heinevetter (8 Paraden), Stochl (6 Paraden; ab 41.) – Laen, Spoljaric, Jaszka (2), Nincevic, Christophersen (7), Richwien (2), Iker Romero (1), Pevnov, Bult (2), Lund, Igropulo (4/4), Sellin
Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen/Mainz); Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Karlsson 2, Eggert 2, Weinhold 2 – Laen 2, Jaszka 2, Nincevic 2, Igropulo 2); Siebenmeter: 0:4; Zuschauer: 5717
Spielverlauf: 1:0 (1.), 3:1 (5.), 4:3 (9.), 7:3 (14.), 7:5 (16.), 8:7 (20.), 10:7 (23.), 11:8 (24.), 11:10 (26.), 12:11 (28.) – 14:12 (32.), 21:12 (41.), 22:15 (47.), 24:16 (50.), 28:17 (57.)

Von: ki