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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

DHB-Pokal: 26:31 – der Favorit wackelte

Nach einer starken Leistung ist die SG Flensburg-Handewitt im Achtelfinale des DHB-Pokals ausgeschieden. Sie unterlag dem Titelverteidiger THW Kiel mit 26:31 (12:12), hatte dem großen Favoriten aber lange Zeit Paroli geboten. Dementsprechend feierten die Fans ihre Mannschaft trotz der Niederlage. „Das war ein Super-Spiel“, bilanzierte SG-Trainer Per Carlén. „Taktisch war es 45 Minuten lang eine sehr gute Vorstellung. Wir sind diesmal nicht mit dem THW gelaufen, sondern haben alles etwas ruhiger gestaltet.“
Vor der Campushalle war es duster. Es lag Schnee. Auch in der Campushalle prägten schwarz und weiß die Gespräche. Die fast ausverkaufte „Hölle Nord“ hatte zur Zebra-Jagd geblasen. Dan Beutler setzte im Spitzenspiel dieser Pokalrunde auch gleich ein „Signal“, indem er einen Siebenmeter von Momir Ilic parierte. Lars Christiansen auf der anderen Seite hatte ein besseres Händchen.
Das 1:0 blieb vorerst die einzige Führung für die SG. Thierry Omeyer machte mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass er der „Welthandballer des Jahres“ ist, nervte die SG-Schützen ein ums andere Mal. Auf der anderen Seite schien der THW seine gewohnte Fahrt aufzunehmen. Nach knapp zwölf Minuten erhöhte Christian Sprenger auf 4:7, Thierry Omeyer parierte gegen Lasse Svan Hansen. Es droht aus der Partie frühzeitig die berühmte Luft zu entweichen.
Doch dagegen hatte Dan Beutler etwas. Der SG-Keeper kaufte Filip Jicha den Schneid ab und rüttelte – so schien es – seine Vorderleute wach. Die 6:0-Abwehr agierte ab nun äußerst aggressiv, machte dem THW-Rückraum merklich zu schaffen. Filip Jicha etwa leistete sich in den ersten 25 Minuten – ganz ungewöhnlich – sechs Fehlversuche. „Er hatte vorher nur einmal mit uns trainiert“, erklärte THW-Trainer Alfred Gislason. „Insgesamt hat er dennoch bewiesen, wie wichtig er für diese Mannschaft ist.“ Der Tscheche hatte an einem Grippevirus laboriert.

In der Campushalle herrschte gute Stimmung. Fotos: Ki

Per Carlén variierte in seinem Mittelblock munter durch, bot dort auch Oscar Carlén auf, um Michael Knudsen eine Verschnaufpause zu bieten. Der SG-Kreisläufer war im Angriff ein absoluter Aktivposten, holte allein im ersten Durchgang drei Siebenmeter heraus und traf selbst vier Mal. So auch zum 9:10-Anschluss. Kurz darauf glich Lars Christiansen aus. Und der eingewechselte Alexander Pettersson warf die SG sogar zur vielumjubelten Führung. Der SG-Motor lief auf Hochtouren. Ein paar Zeitstrafen machten der SG aber nun zu schaffen. Dan Beutler hielt das Unentschieden. Stehende Ovationen begleiteten die letzten Aktionen der SG vor der Pause. Die Fans waren hellauf begeistert.
Nach dem Seitenwechsel drehte Oscar Carlén auf. Mit zwei Toren brachte er seine Farben mit 15:13 in Front. Dieser Zwei-Tore-Vorsprung hielt bis zum 17:15. Dann erlebte das SG-Spiel sieben „verflixte“ Minuten. Vorne unterliefen der SG zum Teil haarsträubende Fehler gegen eine nun umgestellte THW-Deckung. So rannte sie ins offene Messer. Oder Thierry Omeyer hielt einfach gut. Wobei: Dan Beutler bot auch eine überdurchschnittliche Leistung.
Beim 17:20 nahm Per Carlén seine Auszeit. Aber auch nach der Unterbrechung dauerte es noch drei quälende Minuten, ehe SG-Kapitän Torge Johannsen zum 18:21 einwarf. Der THW schien aber enteilt, bis zu fünf Treffern lag der Favorit in Front. „Es ist schwer, gegen eine solche Fülle von Weltklassen-Leuten so eine aggressive Abwehr zu spielen“, erkannte Per Carlén. „Irgendwo tun sich immer Lücken auf.“ Diese nutzte unter anderem Marcus Ahlm am THW-Kreis. „Das war sein bestes Spiel in dieser Saison“, lobte Alfred Gislason. „Wenn wir die nicht gehabt hätten und Thierry Omeyer nicht so gut gehalten hätte, wären wir gegen diese starke Flensburger Mannschaft ausgeschieden.“
In der Schlussphase spielte Per Carlén „Torwart-Poker“, brachte Johan Sjöstrand. Der Neue leitete mit zwei sehenswerten Aktionen zwei Gegenstöße ein, die jeweils Torge Johannsen abschloss. Fünf Minuten vor Schluss hieß es nur noch 23:26. Per Carlén öffnete nun seine Deckung völlig. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Zwei Minuten vor Schluss, nach einer schönen Einzelleistung von Patrik Fahlgren, trennten der SG nur noch zwei Treffer zur Verlängerung. Die „Zebras“ schwankten, Alfred Gislason warf die grüne Karte – und rettete damit seine Mannschaft.
In den letzten Sequenzen der Partie lief der THW bereits seine Ehrenrunde. Dominik Klein setzte den Schlusspunkt und schüttelte nach dem Abpfiff mehr gratulierende Hände als alle anderen. Der Nationalspieler feierte seinen 26. Geburtstag. Derweil zeigte sich SG-Teamchef Ljubomir Vranjes zufrieden. „Wir spielen immer besser“, stellte er fest. „Wenn ich etwas zu kritisieren habe, ist es, dass wir nicht gewonnen haben. Ich verliere nämlich nicht so gerne.“

Thomas Mogensen wird eng gedeckt.
 

SG Flensburg-Handewitt – THW Kiel  26:31 (12:12)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (14/1 Paraden), Sjöstrand (3 Paraden; ab 52.) – Karlsson, Carlén (3), Eggert, Fahlgren (4), Mogensen (1), Svan Hansen, Christiansen (4/3), Johannsen (4), Heinl, Pettersson (3), Knudsen (7)
THW Kiel: Omeyer (17/1 Paraden) – Lund, Andersson (6), Sprenger (1), Ahlm (4), Zeitz, Ilic (6), Klein (4), Jicha (10/3), Palmarsson
Schiedsrichter: Schaller/Wutzler (Leipzig/Frankenberg); Zeitstrafen: 10:6 Minuten (Karlsson 2, Carlén 2, Johannsen 2, Pettersson 2, Knudsen 2 – Lund 4, Andersson 2); Siebenmeter: 5/3: 4/3 (Christiansen scheitert an Omeyer, Eggert wirft vorbei – Ilic scheitert an Beutler); Zuschauer: 6251
Spielfilm: 1:0 (3.), 1:3 (6.), 2:4 (8.), 3:6 (11.), 4:7 (12.), 6:7 (16.), 8:10 (22.), 11:10 (26.), 12:11 (29.) – 13:12 (31.), 15:13 (33.), 16:14 (35.), 17:15 (38.), 17:21 (47.), 18:22 (49.), 20:23 (51.), 20:25 (52.), 21:26 (54.), 23:26 (55.), 24:28 (57.), 26:28 (58.)


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