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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

THW Kiel erobert die "Hölle Nord" im Sturm

Der THW Kiel hat erneut die "Hölle Nord" gestürmt. In einem rasanten Landesderby besiegte der deutsche Meister die SG Flensburg-Handewitt mit 41:33 (21:17).
In der Handball-Bundesliga spielen der THW Kiel und der HSV Hamburg in einer eigenen Liga. Das verdeutlichte der aktuelle Spieltag: Während Hamburg das eine Spitzenspiel in Lemgo mit 34:25 gewann, fügte der Titelverteidiger der SG Flensburg-Handewitt eine empfindliche 33:41 (17:21)-Derbypleite zu und führte den Erzrivalen teilweise nach allen Regeln der hohen Handballkunst vor - nach einer meisterlichen Vorstellung.
Das am Ende einseitige Duell offenbarte deutlich: Die Lücke zwischen der SG und dem THW ist auch in dieser Saison groß. "Dieser Sieg fühlt sich schön an", meinte ein glücklicher THW-Manager Uli Derad. "Es war ein sehr attraktives Spiel. Wir sind wieder einen Schritt voran gekommen." Flensburgs Trainer Per Carlén gratulierte nach dem Schlusspfiff artig: "Der THW war heute bärenstark und hat vielleicht eines seiner besten Spiele überhaupt gezeigt."
Vom Anpfiff an legten beide Mannschaften ein teuflisches Tempo in der Hölle Nord vor. Langsames Hochschalten der Gänge? Fehlanzeige! Stattdessen Vollgas - und Bremsen verboten. Lange Angriffe? So gut wie keine! Den Spielern und Fans blieb kaum Zeit zum Luftholen. Hochgeschwindigkeits-Handball par excellence. Die Flensburger agierten ebenso wie die Kieler mit offenem Visier und konnten zunächst mit dem Meister Schritt halten. Auf dem Spielfeld ging es hart, aber ungewöhnlich fair zu. Ein Derby der Marke temporeich, intensiv, hochklassig - und spannend. Zumindest die ersten 20 Minuten. Dann verlor die SG im Angriff den Faden und somit den Anschluss an die Kieler. Da auch die Abwehr der Gastgeber teilweise zu defensiv und ihre Torhüter zu glücklos agierten, bekam der THW Oberwasser. 11:9 (18.), 15:12 (22.) und 18:14 (27.) - der Titelverteidiger mit seinem wurfstarken Rückraum und seinen schnellen Außen brillierte und war nun Herr im Haus.
Die Flensburger, deren zweite Reihe zu geringe Durchschlagskraft besaß, hätten Tempogegenstöße gebraucht, um das Blatt zu wenden. Was allerdings nur schwer möglich ist, wenn der Gegner sich (fast) keine Fehler erlaubt - so wie der THW gestern Abend. Fast jeder Kieler Angriff war ein Treffer: Kurze Auftakthandlung, bei Neunmeter hoch - und Tor. Schneller Konter, Wurf - und Tor.
Es war beeindruckend, wie die "Zebras" auftrumpften. Ihnen war nichts anzumerken von den Strapazen der Vortage mit dem Spiel gegen Lemgo und in Barcelona. Allen voran Momir Ilic sprühte nur so vor Energie, der Serbe avancierte mit 13 Treffern zum Matchwinner. Über 25:19 (36.) und 27:22 (42.) steuerte das Team von Trainer Alfred Gislason einem ungefährdeten Derbysieg entgegen.