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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Bundesliga: 34:25 – Champions League so nah

Es wird immer wahrscheinlicher, dass die SG Flensburg-Handewitt in der nächsten Saison wieder in der Champions League spielt. Am Abend bezwang sie den VfL Gummersbach mit 34:25 (17:13) und rangiert drei Spieltage vor Schluss weiterhin drei Zähler vor dem Vierten auf Platz drei der TOYOTA Bundesliga. „Ich hoffe, dass die Zuschauer mit der Mannschaft zufrieden sind", schmunzelte SG-Trainer Per Carlén. „Ich bin es zu 100 Prozent."
So viel Zeit hat sich wohl noch nie ein Gast genommen, um in die Halle einzulaufen. Die „Hölle Nord“ stimmte schon „Auf in den Kampf“ an, als die Gummersbacher endlich das Parkett betraten. Diese Verspätung schien der Gegner mit in die Partie zu schleppen. Er mühte sich redlich, war gegen eine zunächst glänzend eingestellte 6:0-Defensive aber immer ein Schritt zu spät. Nach 89 Sekunden war der erste VfL-Angriff verstrichen – ohne Wurfversuch. Auf der Gegenseite traf Thomas Mogensen nach wenigen Momenten.
Die SG erwischte einen guten Start. Die SG schien den Löwen-Lauf aufzunehmen. Bereits nach 7:36 Minuten nahm die Gummersbacher Bank ihre Auszeit; der SG-Esprit war zunächst aber nicht zu stoppen. Dan Beutler hielt, Oscar Carlén nutzte den folgenden Gegenstoß zum 6:1. Noch waren keine zehn Minuten gespielt – und manch einer wähnte die SG bereits in sicheren Gefilden. „Das war eine Machtdemonstration von Abwehr, Torwart und Gegenstoß – wie gegen die Löwen", sagte Per Carlén.
Gummersbach, nun mit Viktor Szilagyi und Kreisläufer Robert Gunnarsson, ließ sich vom Fehlstart nicht schocken und kämpfte sich in die Partie. Die SG dagegen hatte die Leichtigkeit der Anfangsphase eingebüßt. Lasse Boesen versuchte es, erzielte auch ein Sonntagstor, musste aber bald auf der Bank Platz nehmen. Mehr als Kurzeinsätze in beiden Halbzeiten war nicht möglich. Beim Stande von 7:5 hatte Vedran Zrnic die Gelegenheit, den Anschlusstreffer zu erzielen, donnerte seinen Siebenmeter aber an den Pfosten. Besser machte es Adrian Wagner, der den VfL auf 10:11 heranbrachte. „Auch Gummersbach hat eine Super-Mannschaft", erklärte Per Carlén. „Und einen Goran Stojanovic im Tor – das hat für uns die Sache etwas gefährlich gemacht."
Am Ausgleich ließ die SG den Kontrahenten aber nur schnuppern. Die Gegenstoß-Lawine kam wieder ins Rollen. Der eingewechselte Alexander Pettersson traf zum 14:10. Kurz vor der Pause wurde es noch einmal eng. 16:13 – und zwei Minuten gegen Alexander Pettersson. Dan Beutler glänzte mit seiner neunten Parade. Während die „Hölle Nord“ diese Tat noch feierte, stampfte Oscar Carlén bereits mit mächtigen Schritten gen VfL-Wurfkreis – und erreichte trotz Bedrängnis kurz vor der Halbzeit-Sirene das Ziel. 16:13 – mit emotionalen Gesten ging es in die Kabine.

Tobias Karlsson fliegt in den Kreis. Fotos: N. Kirschner

Nach dem Seitenwechsel überstand die SG auch den Rest der Unterzahl – um dann den Vorsprung wieder zu erhöhen. Oscar Carlén hämmerte den Ball zum 20:14 in die Maschen. In Unterzahl kassierte die SG das 20:16. Oscar Carlén sah sich nun permanent „Wachhund“ Jörg Lützelberger gegenüber. Aber das störte ihn nicht. Er wackelte seinen Gegenspieler aus und marschierte zum 22:17. Als Lasse Svan Hansen und Thomas Mogensen mit einem Konter-Doppelschlag das Resultat auf 24:17 schraubten, gab es die ersten Siegesgesänge auf den Rängen. „Wir hatten im Vorfeld einige Probleme mit Verletzungen und Erkrankungen", sagte VfL-Coach Sead Hasanefendic. „Unter dem Strich haben wir uns nicht so präsentiert wie in den letzten Wochen."
Immerhin: VfL-Keeper Goran Stojanovic bewahrte seine Vorderleute vor Schlimmeren. Die Gummersbacher bewegten sich weiterhin im Dunstkreis der SG, auf Nahdistanz kamen sie aber nicht. Den wichtigen Sieg ließ sich die SG nicht mehr nehmen. Nach einem Anspiel von Thomas Mogensen markierte Petar Djordjic per Kempa-Trick unter dem Jubel der Zuschauer den Endstand. Die Atmosphäre rief Team-Manager Ljubomir Vranjes auf den Plan. „Was wir mit den Fans erleben, das gibt es an nicht so vielen Plätzen dieser Handball-Welt."
Ein Urteil, dass ein erfahrener Coach wie Sead Hasanefendic nur unterstreichen konnte. „Immer wenn ich nach Flensburg komme, staune ich über diese schöne Halle und die Leidenschaft der Zuschauer", sagte er. „Zuletzt staunte ich aber auch über das Spiel der SG. Das ist ein spielstarker Handball mit Emotionen. Die erste Halbzeit gegen die Rhein-Neckar Löwen war das Beste, was ich seit Langem gesehen habe." Worte mit einem märchenhaften Klang. Ljubomir Vranjes drückte aus Vorsicht etwas auf die Euphoriebremse: „Wir haben noch drei Spiele, noch ist nichts fertig."

Thomas Mogensen war einer der Angriffsmotoren.



SG Flensburg-Handewitt – VfL Gummersbach 34:25 (17:13)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (18 Paraden), Sjöstrand (bei einem 7m) – Karlsson (5), Carlén (7), Fahlgren, Mogensen (5), Svan Hansen (4), Christiansen (6/5), Djordjic (1), Heinl (3), Pettersson (2), Boesen (1)
VfL Gummersbach: Stojanovic (12 Paraden), Hammerschmidt (bei einem 7m) – Krantz, Wagner (4), Vukovic (2), Lützelberger (1), Gunnarsson (2), Szilagyi (6), Pfahl (8/5), Zrnic (2/1), Schindler, Rahmel
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg); Zeitstrafen: 10:10 Minuten (Petterson 4, Heinl 2, Carlén 2, Mogensen 2 – Lützelberger 4, Krantz 2, Schindler 2, Vukovic 2); Siebenmeter: 5/5:7/6 (Zrnic an den Pfosten); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 2:0 (3.), 6:1 (10.), 6:4 (14.), 8:5 (16.), 9:7 (18.), 11:8 (21.), 11:10 (22.), 14:10 (26.), 15:13 (29.) – 19:13 (34.), 20:16 (37.), 21:17 (38.), 24:17 (40.), 25:20 (44.), 27:21 (48.), 27:23 (49.), 29:23 (52.), 33:24 (59.)


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