Stripes
Stripes
Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Bundesliga: 30:26 – SG gelingt die Überraschung

Die SG Flensburg-Handewitt hat in der TOYOTA Bundesliga für eine Überraschung gesorgt und die Rhein-Neckar Löwen mit 30:26 besiegt. Nach zuletzt drei Auswärts-Niederlagen in Folge konnte die SG erstmals bei einem Spitzenteam bestehen und ist in der Tabelle auf den sechsten Platz geklettert.
Bei den favorisierten Löwen ließ sich die Mannschaft von Trainer Per Carlén von nichts aus der Ruhe bringen und holte nach ihrer bislang besten Saisonleistung einen verdienten Sieg. Weder der zwischenzeitliche Ausfall von Michael V. Knudsen – der Däne schied nach zehn Minuten mit einer Oberschenkel-Verletzung für rund eine halbe Stunde aus – noch die Roten Karten gegen Jacob Heinl (41.) oder Thomas Mogensen (53.) beeindruckten die SG. Ganz im Gegenteil, mit jedem Rückschlag rückten die Gäste noch enger zusammen und holten den von Per Carlén so lange ersehnten Sieg gegen eine Spitzenmannschaft.
"Für uns geht es darum, ein gutes Spiel abzuliefern", hatte Ljubomir Vranjes kurz vor Spielbeginn erklärt. Der SG-Team-Manager hatte hinzugefügt: "Wir werden 60 Minuten lang kämpfen und dann sehen was dabei herauskommt." Die Löwen schienen seine Worte nicht mehr gehört zu haben, denn der kleine Schwede sollte Recht behalten. Die SG kämpfte und erbeutete zwei Punkte.
Dabei sah es zunächst nicht nach einem Auswärtssieg aus. Zwar gelang Lasse Svan Hansen der erste Treffer der Partie, doch die Hausherren erspielten sich eine 9:5-Führung (14.). Was danach folgte, war für Löwen-Coach Ola Lindgren allerdings unverständlich. "Wir hatten Ballbesitz und die Chance zum 10:5. In der Folge haben wir jedoch nicht konsequent genug agiert. Wir hatten große Probleme im Angriff und haben zu viele einfache Tore kassiert." Der Schwede schob hinterher, dass seine Farben gegen einen Gegner, der "gut gespielt" habe, verloren hätten.
Dies war die eigentliche Erkenntnis der Partie. Nach zuletzt – vor allem in fremden Hallen – wenig überzeugenden Leistungen, erwischte die SG in Mannheim einen glänzenden Tag. "Wenn wir dort gewinnen wollen, dann muss alles passen", hatte Per Carlén vor dem Anpfiff gesagt. So kam es dann auch.
Dan Beutler steigerte sich im SG-Tor von Minute zu Minute. Vor ihm stand eine Abwehr, die diesen Namen im Gegensatz zu der Löwen-Defensive auch verdiente. Zunächst mit Michael Knudsen und Jacob Heinl im Mittelblock, später mit Tobias Karlsson und am Ende sogar mit Alexander Petersson, egal welcher SG-Akteur im 6-0-Verband deckte, jeder trug seinen Anteil zum Erfolg bei. Gleiches galt für die Offensive. Ob Top-Torschütze Oscar Carlén (sieben Treffer) oder Anders Eggert, der lediglich für zwei sicher verwandelte Strafwürfe auf der Platte war, alle waren Teil des großen Ganzen.
Kurz vor dem Seitenwechsel hatte Thomas Mogensen per Konter das 14:13 (27.) erzielt. Diese Führung sollte bis zum Ende halten. In der 35. Spielminute kamen die Hausherren zwar auf 16:17 heran, doch selbst davon ließ sich die SG nicht beeindrucken. Ebenso wenig von der Schiedsrichter-Leistung in der 41. Minute als die beiden Unparteiischen SG-Kreisläufer Jacob Heinl mit seiner dritten Zwei-Minuten-Strafe und dem damit verbundenen Platzverweis bedachten. Dabei war der Neu-Nationalspieler in dieser Szene gar nicht an der Aktion beteiligt, sondern sein Team-Kollege Oscar Carlén hatte ein Foul begangen.
Für Jacob Heinl kam Michael Knudsen zurück ins Spiel und die SG legte nochmal zu. Selbst als Thomas Mogensen mit seiner dritten Hinausstellung des Feldes verwiesen wurde, gab es keinen Bruch im Spiel der Gäste. Vielmehr steckte in jeder Aktion der jungen Truppe von Per Carlén ein unglaublicher Siegeswille, der seinen Höhepunkt in einer zwischenzeitlichen 30:24 (59.)-Führung fand.
Leider fand die Partie ein unschönes Ende. Michael Knudsen und Michael Müller gerieten in der Schlussminute aneinander. Es kam zu einer heftien Rangelei zwischen beiden Teams. Am Ende wurden Knudsen, Müller sowie Oscar Carlén mit Roten Karten bedacht. Andere Spieler kamen in dieser Szenen hingegen glücklich davon. Sei es drum. Der Gegner wurde nach 16 Spielen ohne Niederlage mit dieser Heimpleite genug bestraft. Und die SG feierte einen süßen Auswärtssieg. "Ich freue mich für die Mannschaft", sagte Per Carlén nach Spielende. "Es ist eine Bestätigung für unsere Arbeit, die auf Geduld und Vertrauen für unser junges Team basiert."

Oscar Carlén jubelt. Foto: Bernhard König.

 

Rhein-Neckar Löwen – SG Flensburg-Handewitt 26:30 (13:15)
Rhein-Neckar Löwen: Fritz (7 Paraden), Szmal (3 Paraden) – Gensheimer, Roggisch, Harbok (1), Bielecki (3), Manojlovic (1), Gudjonsson (3), Stefansson (6/3), Müller, Klimovets (1), Myrhol (5), Sigurdsson (3), Groetzki (3)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (12 Paraden) – Carlén (7), Karlsson, Eggert (2/2), Fahlgren (2), Mogensen (4), Svan Hansen (3), Christiansen (4/1), Johannsen, Heinl (4), Petersson (1), Knudsen (3)
Schiedsrichter: Prang/Reichl (Bergheim/Köln); Zeitstrafen: 8:14 (Manojlovic 2, Roggisch 2, Gensheimer 2, Stefansson 2 – Heinl 6, Mogensen 6, Svan Hansen 2); Siebenmeter: 3/3:4/3 (Christiansen an den Pfosten); Rote Karten: Müller (60.) – Heinl (41. dritte Hinausstellung), Mogensen (53. dritte Hinausstellung), Carlén, Knudsen (beide 60.); Zuschauer: 9133
Spielfilm: 0:1 (1.), 3:1 (5.), 7:4 (11.), 9:6 (15.), 10:10 (21.), 12:11 (25.), 13:15 (30.) – 16:17 (35.), 17:19 (41.), 20:23 (46.), 20:24 (50.), 23:26 (55.), 26:30 (60.)

Weitere Berichte
25.11.2009 – Die Löwen gebändigt (Flensborg Avis; Volker Metzger)
25.11.2009 – SG mit 30:26-Überraschungssieg bei den Löwen (www.erlebe-flensburg.de, Jörn Saemann)
24.11.2009 – Kann die SG eine Bilanz aufbessern (Homepage, Vorschau)