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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Bundesliga: 35:24 – SG überrennt Magdeburg

Das Osterfeuer hat wild gelodert. Die SG Flensburg-Handewitt schlug den SC Magdeburg deutlich mit 35:24 (16:6). Damit ist die SG im Kampf um einen Europapokal-Platz auf einen Zähler an den Sechsten aus Sachsen-Anhalt herangerückt. „Das war nach dem Spiel in Dormagen genau die richtige Antwort“, freute sich SG-Coach Per Carlén. „Nun können wir die freien Tage mit Ostereiern genießen.“
Der Spielberichtsbogen war gut gefüllt, die Mannschaft, als sie unter stehenden Ovationen in die „Hölle Nord“ einlief, durchaus vielköpfig. Die bange Frage schwebte aber im Raum: Wer kann wirklich spielen? Die Startaufstellung gab die ersten Antworten. Michael Knudsen stand auf der Platte. „Das war so etwas wie ein Schlüssel für uns“, sagte Per Carlén. „Diese Änderung war ganz wichtig für unser Spiel, Michael Knudsen ist unser Mannschaftskapitän.“
Dagegen blieb Lasse Boesen auf der Bank. Thomas Mogensen begann im linken Rückraum, während Jakob Thoustrup die Schaltzentrale bekleidete. „Mit ihm haben wir mehr Ruhe im Angriff“, urteilte Per Carlén. „Thomas Mogensen stand damit nicht so sehr in der Verantwortung, die ihn in Dormagen gestresst hatte.“ Dagegen verschob sich das Comeback von Alexander Petersson: Der Isländer saß hinter dem Tor – als aufmerksamer Zuschauer.
Er sah einen blendenden Auftakt seiner Mannschaftskollegen. Das SG-Rückraum-Trio dazu Lars Christiansen per Strafwurf – die SG führte schnell mit 4:0. Die Hausherren bewiesen schnell, dass die Dormagen-Pleite vom Mittwoch nur ein ärgerlicher Ausrutscher war. SCM-Coach Michael Biegler nahm schon nach rekordverdächtigen 4:16 Minuten seine Auszeit. Gleich danach parierte Dan Beutler einen Siebenmeter. „Heute sind zwei Teams aufeinander gestoßen, bei einer hatte der Zug zum Tor einfach gefehlt“, meinte SCM-Trainer Michael Biegler. „Wir mussten ohne die vier wichtigsten Rückraumspieler auskommen“, sagte SCM-Sportdirektor Stefan Kretzschmar. „Das konnten wir nicht kompensieren.“

Die "Hölle Nord" stand Kopf. Fotos: Kirschner

Die SG sollte an diesem Nachmittag nicht ernsthaft in Verlegenheit geraten. Zu gut stand die 6:0-Abwehr, an der der SCM-Rückraum immer wieder wie ein laues Lüftchen abprallte. Und dann gab es natürlich auch noch SG-Schlussmann Dan Beutler, der seinen Gegenüber Silvio Heinevetter ganz klar ausstach. Nachdem Oscar Carlén mit einem „Kracher“ auf 12:5 erhöht hatte, brach der Magdeburger Nachwuchsspieler Fabian Böhm durch und erzielte das 12:6. Es blieb der letzte SCM-Treffer vor dem Seitenwechsel. Unter stehenden Ovationen legte die SG noch vier Tore drauf.
„Da war wieder ein neuer Geist in der Mannschaft“, schwärmte SG-Geschäftsführer Fynn Holpert. „Die SG hat förmlich gebrannt, vor dieser Kulisse zu spielen.“ Auch Per Carlén freute sich über die Stimmung: „Die Zuschauer waren unser achter, neunter und zehnter Mann.“ Im zweiten Durchgang hielt die SG den Vorsprung. Ein Kräfteverschleiß war nicht zu spüren. Im Gegenteil: Mitte der zweiten Hälfte loderte das Osterfeuer noch einmal kräftig. Ein 23:14 hatte sich in ein 29:15 verwandelt, als Jacob Heinl am Kreis völlig frei zum Wurf gekommen war. Die „Hölle Nord“ stand Kopf. Wer hätte vor der Partie mit einer so klare Angelegenheit gerechnet? Handball ist bisweilen ein „verrückter“ Sport.
Zu diesem Urteil kam auch Patrik Fahlgren. Der schwedische Neuzugang war in der „Hölle Nord“ und begeistert von der „fantastischen Atmosphäre, ganz anders als in Schweden“. In den nächsten beiden (oder mehr) Jahren möchte er möglichst viel mit der SG gewinnen. „Er hat eine Super-Spielintelligenz, er wird keine Probleme haben, sich zu integrieren“, glaubt Per Carlén. „Wir haben jetzt die beiden Spieler zusammen, die wir für ein varaibales Spiel brauchen“, urteilt Fynn Holpert. Die SG darf hoffen, sich in Schweden wieder so ein Talent geangelt zu haben wie zuletzt mit Oscar Carlén. „Wir haben heute den kommenden besten Linkshänder der Welt gesehen“, warf Stefan Kretzschmar ein. „Oscar Carlén hat sich in den letzten Wochen unheimlich nach vorne gespielt.“

Patrik Fahlgren war in der Pressekonferenz.

SG Flensburg-Handewitt – SC Magdeburg 35:24 (16:6)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (15/1 Paraden), Meyer (ab 47.; 2 Paraden) – Molsen, Thoustrup (1), Carlén (7), Mogensen (4), Svan Hansen (1), Christiansen (12/7), Johannsen (4), Schneider (1), Heinl (2), Knudsen (3)
SC Magdeburg: Heinevetter (4 Paraden), Müller (bei einem 7m, ab 31.; 5 Paraden) – von Olphen (1), Sprenger (3), Stiebler (1), Grafenhorst (1), Tönnesen, Vasilakis (2), Jurecki, Theuerkauf (2/2), Böhm (1), Coßbau (1), Steinert (4), Wiegert (8)
Schiedsrichter: Methe/Methe (Vellmar); Zeitstrafen: 8:10 Minuten (Carlén 2, Heinl 2, Knudsen 2, Mogensen 2 – Stiebler 4, Jurecki 2, Grafenhorst 2, Böhm 2); Siebenmeter: 7/7:3/2 (Beutler hält gegen Sprenger); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 4:0 (6.), 6:3 (13.), 9:3 (16.), 12:5 (23.), 12:6 (24.) – 16:7 (31.), 19:9 (36.), 21:12 (38.), 23:12 (40.), 23:14 (41.), 26:14 (44.), 29:15 (46.), 29:17 (48.), 31:20 (53.), 33:20 (55.), 34:23 (58.)


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12.4.2009 – Hürdenlauf in den Europacup (Flensborg Avis; Volker Metzger)
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9.4.2009 – Osterfeuer in der „Hölle Nord“ (Homepage, Vorschau)