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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Champions League: Durchatmen – 30:28 gegen Drammen

Nach Punkten ist die SG Flensburg-Handewitt beim Projekt „Königsklasse“ wieder in der Spur. „Nun haben wir es selbst in der Hand, die Hauptrunde zu erreichen“, sagte SG-Trainer Kent-Harry Andersson nach dem 30:28 (14:16) gegen Drammen HK. „Die Möglichkeiten für eine Revanche in Lubin stehen gut.“ Allerdings durchlebte die Campushalle einen wahren Krimi, bis das Happyend besiegelt war.
Natürlich gab es warmen Applaus, als Glenn Solberg an der Spitze von Drammen HK in die Campushalle einlief. Die zwei Jahre mit dem genialen Spielmacher hatte niemand vergessen. Er selbst auch nicht. „Es war etwas komisch, im falschen Trikot zu spielen und in die falsche Kabine zu gehen“, meinte Glenn Solberg. „Es war schön in der Halle und auch im Strandhotel in Glücksburg.“
Geschenke wollte dem Norweger bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte aber niemand machen. Aber schon beim Zelebrieren der SG-Aufstellung war klar, dass die „Hölle Nord“ heiß auf zwei Punkte war. Im SG-Team brannte einer ganz besonders: Johnny Jensen. Er zeigte von Anfang an, dass er gegen seine norwegischen Landsleute auf keinen Fall verlieren wollte, enteilte dem DHK-Mittelblock mit Glenn Solberg, Die ersten vier Tore gingen allein auf seine Kappe. Glenn Solberg und Joakim Hykkerud waren bereits nach sieben Minuten mit jeweils einer Zeitstrafe belastet.
Für die SG lief es zunächst wie am Schnürchen. 9:3 hieß es nach nur zehn Minuten. DHK-Trainer Ole Gustav trat die „Notbremse“. Mathias Holm hütete nun das Tor, in einer Auszeit wurde die Abwehr auf ein offenes System umgestellt. Bei der SG hingegen häuften sich nun die Missverständnisse. Kent-Harry Andersson ließ mit einer zweiten Rückraum-Formation operieren. Blazenko Lackovic, Thomas Mogensen und Einar Holmgeirsson genossen das Vertrauen.
Die Norweger starteten ihrerseits die ersten Gegenstöße, fanden immer mehr Sicherheit und verkürzten kontinuierlich. „Drammen spielte wirklich einen überragenden Kollektiv-Handball“, meinte Kent-Harry Andersson. „Vielleicht haben wir zu gut angefangen.“ Glenn Solberg stibitzte einen Ball, marschierte seelenruhig über das Spielfeld und schloss zum 12:11 ab. Eine Szene mit Symbolcharakter: Die Gäste spielten souverän ihren Stiefel runter, die SG war völlig aus dem Tritt. Auch die wieder eingewechselten Ljubomir Vranjes und Marcin Lijewski konnten den Hebel zunächst nicht umlegen. Glenn Solberg markierte vier Sekunden vor der Pause den Halbzeitstand.
Nach der Halbzeit hatte sich die SG etwas gefangen. Zwar sorgte Drammen mit einem Kempa-Trick sofort für einen Paukenschlag, die Hausherren mischten nun aber wieder mit. Kasper Nielsen verwandelte einen Konter, Alexander Petersson zauberte einen Dreher ins Gehäuse – die SG führte 19:18.
Es blieb aber bis in die Schlussphase zittrig. Drammen führte noch mehrfach, die SG kam nach dem 22:20 nicht mehr spürbar weg. Rund zwei Minuten vor dem Schluss tanzte Ljubomir Vranjes durch die Abwehr und erzielte das 29:28. Schließlich war es Marcin Lijeweski, der 45 Sekunden vor Schluss die „Hölle Nord“ mit dem letzten Treffer der Partie erlöste. Die Spannung hatte ein Happyend. Nur die Norweger waren traurig. „Ich bin mit unserer Leistung sehr zufrieden“, sagte DHK-Trainer Ole Gustav Gjekstad. „Mit dem Ergebnis natürlich nicht.“

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SG Flensburg-Handewitt – Drammen HK 30:28 (14:16)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (13 Paraden), Sijan (2/2 Paraden; bei drei 7m) – von Behren, Lackovic (2), Nielsen (3), Mogensen, Holmgeirsson, Jensen (8), Christiansen (7/3), Vranjes (1), Johannsen, Lijewski (3), Petersson (4), Knudsen (2)
Drammen HK: Holm (10 Paraden; ab 9.), S. Hansen – Solberg (4), Hagen (4), Spanne (1), Hovind (1), J.-R. Hansen (9/2), Strand, Nordhagen (2), Hykkerud (3), Osterhus, Andersen (1), Hajdarevic (3)
Schiedsrichter: Rosskamp/ Rothkranz (Belgien); Zeitstrafen: 10:6 Minuten (von Behren 4, Christiansen 2, Lijewski 2, Petersson 2 – Solberg 2, Hykkerud 2, Andersen 2); Siebenmeter: 3/3:5/2 (Hansen und Hagen scheitern an Sijan, Solberg an die Latte); Zuschauer: 6214
Spielverlauf: 3:0 (3.), 5:1 (7.), 6:3 (9.), 9:3 (10.), 10:4 (14.), 10:6 (16.), 12:7 (19.), 12:11 (23.), 13:13 (24.), 14:15 (29.) – 16:18 (34.), 19:18 (36.), 20:20 (40.), 22:20 (42.), 22:22 (44.), 24:23 (49.), 24:25 (51.), 26:27 (53.), 28:27 (56.), 28:28 (58.), 29:28 (58.)

 

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