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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Champions League: 30:30 – Schade!

Spannung pur, aber die SG Flensburg-Handewitt hatte in der Schlussphase kein glückliches Händchen! Mit dem 30:30 (17:15) verpasste die SG die Aufholjagd in der Champions League und besitzt nur noch minimalste theoretische Chancen auf den Einzug ins Halbfinale. „Das war wie eine Niederlage“, meinte SG-Trainer Kent-Harry Andersson. „Wir hätten gewinnen müssen, um noch eine Möglichkeit auf das Halbfinale zu haben.“
Der Königsklassen-Teppich glänzte herrlich blau, auf den Rängen herrschte große Erwartungshaltung – alles war angerichtet für einen großen Sonntag in der Champions League. Und die SG begann prächtig. Bei den ersten fünf Angriffen der SG zappelte der Ball im Netz. Es lief sehr gut an, die Fans bejubelten ein 5:3. Mit einem Fehlwurf von Michael Knudsen, der völlig freistehend am Gehäuse vorbei warf, begab sich die SG jedoch in ein Tief. Satte acht Minuten wartete die „Hölle Nord“ auf einen erlösenden Treffer, San Antonio drehte das Blatt. 5:8!
Es sah durchaus amüsant aus, wie der spanische Top-Klub zwischen Angriff und Abwehr gleich drei Akteure auswechselten. Bis zu zwölf Beine tippelten gleichzeitig vor der Portland-Bank. Doch das Ergebnis war aller Ehren wert. Ein riesiger Mittelblock und ein Rückraum zum Zungenschnalzen. Ivano Balic, Kristian Kjelling und der spanische Shooting-Star Christian Malmagro zogen die Strippen. „Wir hatten in der ersten Halbzeit Probleme in der Abwehr“, analysierte Kent-Harry Andersson. „Vor allem Ivano Balic machte uns Probleme.“

Lars Christiansen traf zum Pausenstand. Fotos: Living Sports.

Für die SG war es so Schwerstarbeit, ins Match zurückzukehren. Zwar glich Alexander Petersson mit einem Gegenstoß zum 8:8 aus, doch die SG lief bis kurz vor dem Seitenwechsel ein bis zwei Treffern hinterher. Thomas Mogensen im linken Rückraum, Johnny Jensen in den Mittelblock – Kent-Harry Andersson wurde aktiv und hatte durchaus ein gutes Händchen. Nach dem 13:15 (27.) platzte der Knoten. Dane Sijan parierte einen Siebenmeter von Christian Malmagro, Lars Christiansen machte es auf der anderen Seite besser. 15:15! Für die letzte Minute des ersten Durchgangs behielten einige SG-Fans ihren „Danebrog“ gleich in der Höhe. Lars Christiansen markierte per Gegenstoß das 16:15. Und nachdem Ratko Nikolic völlig frei an SG-Schlussmann Dane Sijan gescheitert war, startete Lars Christiansen erneut und feierte drei Sekunden vor dem Halbzeit-Pfiff das 17:15. Da schmeckte das Pausenbier.
Die Torhüter, Dane Sijan und Tomas Svensson, gerieten nun mehr in den Mittelpunkt. Es dauerte gut zwei Minuten, bis man für die Schützen das erste Erfolgserlebnis registrierte. Alexander Petersson schloss einen Gegenstoß zum 18:15 ab. Die erste Drei-Tore-Führung der SG! Doch Portland hatte nun einen „Edel-Joker“ im Aufgebot. Der slowenische Linkshänder Renato Vugrinec kam, erzielte die nächsten vier spanischen Tore und hielt sein Team im Match. „Die Mannschaft hat nie aufgegeben und immer gekämpft“, lobte Portland-Coach Javier Cabanas seine Truppe. „Das war der Schlüssel zum Erfolg.“
Ivano Balic schaute sich das Treiben zwischenzeitlich von der Bank an. „Nach den anstrengenden Wochen brauchte er eine Pause“, meinte Javier Cabanas, um ihn dann wieder ins Rennen zu schicken. Die spanischen Gäste glichen beim 27:27 (51.) erstmals im zweiten Abschnitt aus und ließen sich auch von der roten Karte gegen Davor Dominikovic nicht aus der Bahn werfen. Ivano Balic fing einen Ball ab und schleuderte ihn zum 27:28 in die Maschen.
Im Gegenzug landete das runde Utensil mit etwas Glück bei Lars Christiansen. 28:28! Dan Beutler parierte nun gegen Renato Vugrinec und Carlos Ruesga, Tomas Svensson wehrte den zweiten Siebenmeter von Lars Christiansen ab. Besser machte es Blazenko Lackovic. 29:28! Postwendend bediente Ivano Balic seinen Kreisläufer Ratko Nikolic. 29:29! Dann war es Michael Knudsen, der nur Kosten eines Strafwurfs gestoppt werden konnte. Anders Eggert kam unter donnernden Applaus auf die Spielfläche und beendete seine einzige Aktion erfolgreich. 30:29!
Die letzten beiden Minuten zitterten die Zuschauer im Stehen. Und es roch nach einem Sieg. Fernando Hernandez fiel der Ball auf die Füße. Die SG im Angriff, doch exakt 60 Sekunden vor dem Abpfiff scheiterte Torge Johannsen aus dem Rückraum an Tomas Svensson. „Auf ihn haben wir in der zweiten Hälfte zu viel geworfen“, stöhnte Kent-Harry Andersson. Ivano Balic erzielte das 30:30, die SG-Bank bestellte 23 Sekunden vor Ultimo ihre Auszeit.
Marcin Lijewski betrat in Gelb als siebter Feldspieler das Parkett. Johnny Jensen und Michael Knudsen schlichen an den Kreis. Drei Sekunden vor dem Abpfiff musste Lars Christiansen aus spitzem Winkel die Verantwortung tragen und scheiterte an Tomas Svensson. „Kurz zuvor hätten wir auf der rechten Seite eine bessere Chance haben können“, ärgerte sich Kent-Harry Andersson. Und SG-Rechtsaußen Torge Johannsen ergänzte: „Wir haben heute nur 70 bis 80 Prozent unserer Leistungsfähigkeit erreicht. Hätten wir nur fünf Minuten lang 100 Prozent geschafft, hätten wir gewonnen.“

Die Szenen direkt nach dem Abpfiff.


Mehr Fotos (Jan & Natalia Kirschner)

 

SG Flensburg-Handewitt – Portland San Antonio 30:30 (17:15)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (6 Paraden), Sijan (7/1 Paraden, 17.-45.) – Lackovic (2), Nielsen, Eggert (1/1), Mogensen (2), Jensen, Christiansen (9/4), Vranjes, Johannsen (1), Lijewski (6), Petersson (5), Knudsen (4)
Portland San Antonio: Svensson (10/2 Paraden; ab 31.), Matosevic (4 Paraden) – Carvajal, Dominikovic, Ruesga (1), Hernandez (3), Kjelling (6/1), Ortigosa (1), Malmagro (4/1), Perez, Jörgensen, Nikolic (5), Balic (5), Vugrinec (5)
Schiedsrichter: Leifsson/Palsson (Island); Zeitstrafen: 4:14 Minuten (Petersson 2, Knudsen 2 – Dominikovic 6, Vugrinec 2, Ortigosa 2, Perez 2, Nikolic 2); Rote Karte: Dominikovic (52.; dritte Hinausstellung); Siebenmeter: 7/5:3/2 (Christiansen scheitert zwei Mal an Svensson – Sijan pariert gegen Malmagro); Zuschauer: 5801
Spielverlauf: 2:1 (3.), 4:2 (5.), 5:3 (6.), 5:8 (13.), 8:8 (15.), 9:10 (17.), 11:11 (20.), 11:13 (23.), 13:13 (26.), 13:15 (27.) – 18:15 (33.), 20:17 (36.), 21:20 (40.), 23:21 (42.), 24:23 (45.), 26:24 (47.), 27:25 (48.), 27:28 (52.), 29:28 (56.), 30:29 (58.)


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