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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Champions League: 33:33 – Punktverlust in letzter Sekunde

Drei Sekunden vor Schluss zerbröselte der Auftakt nach Maß! Die SG Flensburg-Handewitt kassierte das 33:33 (17:13) gegen den HSV Hamburg. Damit startete die SG mit nur einem Zähler in die „Monstergruppe“ der Champions League. „Man sollte enttäuscht sein, wenn man kurz vor Schluss mit sechs Toren führt und nicht gewinnt“, meinte SG-Coach Kent-Harry Andersson. „Richtig enttäuscht bin ich aber nicht, weil wir 50 Minuten tollen Handball gezeigt haben.“ Diese Worte ergänzte Spielmacher Ljubomir Vranjes. „Auf die 50 Minuten wollen wir aufbauen“, blickte der Schwede nach vorne. „Noch ist nicht entschieden, was in Zukunft passieren wird.“
Es war eine denkwürdige Partie. Schon vor dem Spiel schwappte die Welle der Begeisterung durch die Campushalle. Thomas Mogensen wurde offiziell als „Spieler des Jahres 2007 Dänemarks“ vorgestellt, die Ehrung der EM-Medaillen-Gewinner brachte ein klares Übergewicht für die SG – die „Hölle Nord“ köchelte genüsslich vor sich hin. Eine trügerische „Hölle“. Nach nur drei Minuten ein Schock: Nachdem Johnny Jensen schon vor der Partie vom Spielberichtsbogen genommen werden musste, schied mit Michael Knudsen auch der zweite Kreisläufer aus. Zugleich war der Stamm-Mittelblock aufgelöst.
Kasper Nielsen hatte nun die Aufgabe, als Abwehrchef zu fungieren. Neben ihm tauchten Blazenko Lackovic und vor allem Jacob Heinl auf. Das 21-jährige Eigengewächs, das schon immer ein SG-Trikot trug, erlebte seine erste große Bewährungsprobe. Zur vollen Zufriedenheit von Kent-Harry Andersson. „Ein Lob an ihn“, sagte der Schwede. „Es ist nicht einfach statt gegen einen Regionalligisten gegen ein europäisches Spitzenteam agieren zu müssen.“
Trotz der prominenten Ausfälle blieb die SG fast durchgängig voll im Film. Lediglich beim 6:8 drohten den Hausherren die Felle davonzuschwimmen. Dann traf Marcin Lijewski, und Kasper Nielsen vollendete einen Gegenstoß – in Unterzahl. „Es war etwas naiv, diese Tore zu kassieren“, ärgerte sich HSV-Coach Martin Schwalb. „Diese Phase hat uns aus dem Tritt gebracht.“ In der Tat: Die SG bekam immer mehr Oberwasser.

Feststimmung in der "Hölle Nord".

Wieder war es „Konter-Kasper“, der genüsslich zum 11:10 einwarf. Danach entschied der eingewechselte Dane Sijan das „Viborger Siebenmeter-Duell“ gegen seinen Ex-Teamkollegen Hans Lindberg. Marcin Lijewski markierte das 12:10. Alexander Petersson lief von Rechtsaußen gekonnt ein und erhöhte auf 16:13. Den Schlusspunkt der ersten 30 Minuten setzte einmal mehr Kasper Nielsen, der einen Tempo-Gegenstoß in Basketballer-Manier abschloss. Die „Hölle Nord“ stand Kopf.
Die zwei Auftaktzähler winkten nicht nur beim Pausentee, sondern auch über weite Strecken der zweiten Hälfte. Die offensive Abwehr der Hamburger war für Ljubomir Vranjes, Thomas Mogensen und die anderen keine große Hürde. Die SG verteidigte ihre Führung konsequent und zwang Martin Schwalb beim 29:24 (49.) zu einer Auszeit. Gleich danach spitzelte Torge Johannsen dem HSV-Nationalspieler Torsten Jansen den Ball weg und leitete dadurch eine sensationelle Konter-Stafette ein, die schließlich Lars Christiansen krönte. 30:24 – in der Halle gab es kein Halten mehr.
Doch der HSV war noch nicht am Boden. Technische Fehler im Angriff und Probleme in der Abwehr summierten sich zu einem kurzfristigen SG-Blackout. „Man merkte, dass wir noch nie in dieser Deckungsformation gespielt haben“, analysierte Kent-Harry Andersson. „Am Ende stimmte die Abstimmung zwischen den einzelnen Spielern nicht mehr.“ Als Stefan Schröder einen Gegenstoß zum 30:29 verwandelte, knisterte es wieder vor Spannung.
Die letzten fünf Minuten waren ein Wechselbad der Gefühle. Der SG glückte es stets, auf zwei Treffer davonzuziehen, doch die Hanseaten schlossen postwendend auf. Die letzte Minute begann, wie Lillehammer für Deutschland zum Albtraum wurde. Lars Christiansen trat an die Siebenmeter-Linie – und überwand in Person von Johannes Bitter einen deutschen Nationalkeeper. Das 33:31 war aber diesmal kein Auslöser einer Jubel-Party. Kyung-Shin Yoon verkürzte 35 Sekunden vor dem Abpfiff. Dann verlor die SG den Ball, Stefan Schröder wurde auf Kosten eines Siebenmeters gefoult. Kyung-Shin Yoon hatte gute Nerven. „Ein Spiel dauert 60 Minuten“, sagte SG-Geschäftsführer Fynn Holpert. „Die ersten 50 Minuten, in denen wir den HSV an die Wand gespielt haben, machen uns zuversichtlich für das Rückspiel.“

Die letzte Aktion. Fotos: Living Sports

Mehr Fotos (Jan & Natalia Kirschner)

SG Flensburg-Handewitt – HSV Hamburg 33:33 (17:13)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (6 Paraden), Sijan (2/1 Paraden; 19.-38.) – Lackovic (6), Nielsen (6), Mogensen (3), Christiansen (3/1), Vranjes (4), Johannsen, Heinl (1), Lijewski (6), Petersson (4), Knudsen
HSV Hamburg: Bitter (7 Paraden), Sandström (5 Paraden; 22.-46.) – Schröder (5), Ursic, Jansen (4), Flohr (1), B. Gille (5), G. Gille (6), Lindberg, Lijewski, Hens (6), Yoon (6/1), Grimm
Schiedsrichter: Hakansson/Nilsson (Schweden); Zeitstrafen: 4:4 Minuten (Heinl 4 – B. Gille 4); Siebenmeter: 1/1:2/1 (Sijan pariert gegen Lindberg); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (1.), 2:1 (4.), 4:3 (7.), 6:5 (13.), 6:8 (17.), 8:8 (18.), 9:10 (19.), 12:10 (22.), 13:11 (24.), 14:13 (26.) – 17:15 (32.), 18:16 (33.), 20:16 (35.), 22:18 (38.), 24:20 (40.), 26:22 (45.), 28:24 (48.), 30:24 (50.), 30:29 (55.), 33:31 (60.)



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