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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Handball-Bundesliga: 33:32 – die SG bleibt Spitze

Na, bitte! Die SG Flensburg-Handewitt setzte nach dem Durchhänger am Donnerstag wieder ihr bestes Gesicht auf und stürmte erstmals in einem Bundesliga-Match die Color-Line-Arena. Nach einer dramatischen Schlussphase gewann die SG mit 33:32 (15:13) beim HSV Hamburg, bleibt Tabellenführer und ist nunmehr als einziges Team der TOYOTA Handball-Bundesliga ungeschlagen.
Die Hanseaten signalisierten im Vorfeld der Partie großen Respekt. „Die SG hat gegen Kiel und in der ersten Hälfte gegen Ciudad Real auf einem sehr hohen Level gespielt“, meinte HSV-Coach Martin Schwalb. Er zog seine Konsequenzen: Er setzte auf eine offensive Abwehr, in der überraschend auch der angeschlagene Guillaume Gille mitmischte. Vorne agierten die Hamburger zunächst allerdings mit zwei Linkshändern – Kyung-Shin Yoon und Krzysztof Lijewski – und erwischte den besseren Start. Pascal Hens und Torsten Jansen legten ein 2:0 vor.
Der „Mann des Tages“ stand allerdings im SG-Gehäuse. Dan Beutler, immer wieder Dan Beutler, machte den Hamburgern das Leben schwer. Schnell summierten sich seine Paraden, Kyung-Shin Yoon und Torsten Jansen fanden in ihm sogar ihren Meister von der Siebenmeter-Linie. „Die 6:0-Abwehr hat sehr gut gearbeitet“, lobte der schwedische Torwart seine Vorderleute. „Sie haben dem Gegner nur schwierige Situationen gegönnt.“
Mit einem „Doppelschlag“ kühlte Michael Knudsen die Stimmung in der Color-Line-Arena ab. 3:7 – Martin Schwalb nahm eine Auszeit und beorderte Guillaume Gille nun auch in den Angriff. Und der ebenfalls als verletzt registrierte Rechtsaußen Hans Lindberg wurde auf dem Spielberichtsbogen nachgetragen und kurz darauf ins Rennen geschickt. Die Hamburger mussten gegen die SG ihre gesamten Trümpfe ausspielen, um wieder auf Tuchfühlung zu kommen.
Die SG verhinderte aber einen Ausgleich und träumte sogar von einer Drei-Tore-Führung zur Pause, als Lars Christiansen acht Sekunden vor der Sirene das 15:12 markierte. Mit dem Mute der Verzweiflung zauberte Guillaume Gille jedoch im Gegeneinzug einen Unterhandwurf hervor, den Dan Beutler zu spät sah und ihm deshalb durch die Beine rutschte. „Den hätte ich halten müssen“, ärgerte sich der Keeper. „Ich bin etwas böse auf mich.“ Die gute Laune von SG-Geschäftsführer Fynn Holpert hatte er allerdings nicht verdorben: „Wir spielen zum dritten Mal in einer Woche gegen absolute Weltklasse und können erneut mithalten.“
Die Hamburger probierten es zu Beginn der zweiten Hälfte mit einer 6:0-Abwehr und schienen Oberwasser zu gewinnen. In Überzahl glichen die Hausherren zum 16:16 aus und wähnten sich auf dem Weg zum Führungstreffer. Doch die HSV-Angreifer verstolperten – und die SG konterte kühl. Ljubomir Vranjes markierte mit einem satten Wurf aus dem Rückraum das 19:16, Marcin Lijewski war kaum zu halten und traf zum 23:19. Und auch das Glück war der SG hold. Michael Knudsen präsentierte seine „Magnet-Hand“ und verwandelte einen Nachwurf zum 27:21. Da waren nur noch etwas mehr als zehn Minuten zu spielen.
Die Hanseaten setzten noch einmal alles auf eine Karte, wurden in der Deckung immer offensiver. Tore von Michael Knudsen, Lars Christiansen und Thomas Mogensen wirkten zwar als kleine Beruhigungspillen, doch bei „33“ blieb die Anzeigetafel auf der rechten Seite stehen. 74 Sekunden vor Schluss erzielte Hans Lindberg das 31:33, 22 Sekunden vor Ultimo verwandelte Bertrand Gille einen Siebenmeter zum 32:33. Ljubomir Vranjes unterlief ein Schrittfehler, Johnny Jensen holte Bertrand Gille auf Kosten eines Strafwurfs von den Beinen. In die Rolle des „Retters in der Not“ schlüpfte abermals Dan Beutler, der im Duell mit Bertrand Gille Sieger blieb und von seinen Mannschaftskollegen – fast so wie in Valladolid – gefeiert wurde.
Auch Fynn Holpert strahlte nach dem Wechselbad der Gefühle. „Das war ein Beweis dafür, dass man als Mannschaft Berge versetzen kann“, strahlte der Geschäftsführer. „Dan Beutler hat über 60 Minuten überragend gehalten und seine Leistung mit dem Matchpoint gekrönt.“ Der „Held des Tages“ äußerte sich bescheiden. Dan Beutler: „Die ganze Mannschaft hat gekämpft, und wir hatten zum richtigen Zeitpunkt ein bisschen Glück.“

Dan Beutler war in bester Form.
 

HSV Hamburg – SG Flensburg-Handewitt 32:33 (13:15)
HSV Hamburg: Bitter (6 Paraden), Sandström (ab 41., 6 Paraden) – Schröder, Jansen (4), Flohr, Souza, Torgowanow, B. Gille (6/3), G. Gille (4), Lindberg (4), Lijewski (2), Hens (6), Yoon (6/1)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (19/4 Paraden), Sijan (bei einem 7m) – Nielsen (1), Mogensen (5), Jensen, Christiansen (6/2), Vranjes (1), Johannsen (1), Lijewski (8), Petersson (5), Knudsen (6)
Schiedsrichter: Lemme/ Ullrich (Magdeburg); Zeitstrafen: 6:14 Minuten (B. Gille 4, Jansen 2 – Jensen 4, Knudsen 4, Lijewski 2, Nielsen 2, Petersson 2); Siebenmeter: 8/4:2/2 (Yoon, Jansen, Lindberg und B. Gille verzweifeln an Beutler); Zuschauer: 11098
Spielverlauf: 2:0 (3.), 2:4 (7.), 3:4 (9.), 3:7 (14.), 5:7 (15.), 6:9 (21.), 8:9 (22.), 8:11 (23.), 11:12 (27.), 12:15 (30.) – 13:16 (32.), 16:16 (34.), 16:19 (40.), 17:21 (44.), 19:23 (46.), 20:25 (48.), 21:27 (50.), 23:27 (51.), 24:29 (52.), 26:29 (54.), 27:31 (56.), 29:33 (58.)


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