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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Handball-Bundesliga: 30:28 – zwischen Souveränität und Spannung

Es ist kein Karneval am Rhein. Das Wechselbad der Gefühle, das die Kölnarena am Nachmittag erlebte, hätte aber gut in die „fünfte Jahreszeit“ gepasst. Am Ende jubelte die SG Flensburg-Handewitt. Mit dem 30:28 (17:11)-Erfolg stürmte die SG erstmals die Kölnarena und siegte erstmals seit über acht Jahren (24. Februar 1999, 29:24) wieder bei den Oberbergischen. „Dieser Sieg ist die richtige Motivation für die nächsten Wochen“, freute sich SG-Keeper Dan Beutler.
„Die Mannschaft wird mit 100 Prozent in die Partie gehen“, versprach Trainer Kent-Harry Andersson – und musste nur kurz an seinen Worten zweifeln. Nach einem soliden 4:2-Start leisten sich Ljubomir Vranjes ein Abspielfehler, Lars Christiansen glitt ein Ball durch die Hände. Der flinke Isländer Gudjon Valur Sigurdsson bestrafte dies mit zwei Gegenstoß-Treffern. Das 5:4 (6.) war allerdings lange Zeit das einzige Ausrufezeichen der Hausherren.
Die 6:0-Abwehr mit Michael Knudsen und Johnny Jensen im Mittelblock stand in der ersten Hälfte sehr solide. Den Gummersbachern gelang es nicht, dieses Bollwerk auszuhebeln. „Die Abwehrarbeit“, schnalzte SG-Geschäftsführer Fynn Holpert mit der Zunge, „war in der ersten Halbzeit nahezu perfekt.“ Die Konsequenz: Der Gastgeber begab sich in eine rund 20-minütige Torarmut. Dan Beutler brillierte nun mit einigen Paraden, darunter einen Siebenmeter gegen Momir Ilic. Die SG zog auf 10:5 (12.) davon und erstickte danach jede zarte Aufholjagd des VfL mit einem trockenen Gegenstoß. Als Kasper Nielsen einen Sprint mit dem 17:8 (26.) abschloss, sah es nach einem Spaziergang am Rhein aus.
Fast unscheinbar streute VfL-Coach Alfred Gislason ein paar taktische Änderungen ein. Vor allem in Person von Gudjon Valur Sigurdsson. Der Isländer fungierte nun als Spitze einer 5:1-Abwehr und wenig später auch als Regisseur eines bis dahin konzeptlosen Rückraums. Zudem schritt nun Goran Stojanovic zwischen die Pfosten. Die Gummersbacher erzielten die drei letzten Tore des ersten Durchgangs, doch Unruhe stifteten sie im SG-Lager nicht.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Ab dem 13:20 glitt der SG ihr Komfortpolster aus den Händen. „Wir haben uns irgendwie unter Stress gesetzt und leisteten uns zu viele Fehler“, rätselte Dan Beutler. „Auch die Abwehr stand nicht mehr so gut wie vorher.“ Mit fünf Treffern in Folge weckten die Hausherren ihr Publikum auf, beim 20:21 glaubte jeder in der Kölnarena an die Wende.
In dieser Phase bewahrten nur die besseren Nerven von der Siebenmeter-Linie der SG vor dem Ausgleich. Während Lars Christiansen sicher verwandelte, scheiterte Gudjon Valur Sigurdsson an Dan Beutler. Roman Pungartnik setzte einen Aufsetzer über das Gehäuse. Mit der dritten Hinausstellung gegen Kreisläufer und Abwehr-Strategen Robert Gunnarsson mussten die Gummersbacher den nächsten Wermutstropfen verkraften. Dennoch glückte dem VfL der 24:24-Gleichstand.
Die Partie stand nun auf der Kippe. Immerhin vereitelte die SG eine gegnerische Führung. Nur einmal – beim 27:27 – drohte ein Rückstand. Momir Ilic leistete sich in dieser Situation ein Stürmerfoul. Den folgenden Gegenstoß schloss Kasper Nielsen erfolgreich gegen den herauseilenden Keeper Goran Stojanovic ab. Johnny Jensen ließ gleich danach das 27:29 folgen. In Unterzahl markierte Kasper Nielsen 80 Sekunden vor Schluss das 30:28. Die letzten Zweifel am Sieg beseitigte „Außenschreck“ Dane Sijan, als er VfL-Linksaußen Adrian Wagner den Winkel zustellte. „Wir haben die kritischen Situationen gut überstanden“, atmete Fynn Holpert durch. „Das Team ist intakt, und der zweite Anzug passt, wie die Einwechslungen von Torge Johannsen und Dane Sijan gezeigt haben.“

Michael Knudsen setzte sich mehrfach am Kreis ab.

 

VfL Gummersbach – SG Flensburg-Handewitt 28:30 (11:17)
VfL Gummersbach: Fazekas (4/1 Paraden), Stojanovic (10 Paraden, ab 23., bei einem 7m) – Krantz (1), Wagner (3), Jahn, Klev, Pungartnik (1), Ilic (3), Jakobsson, Gunnarsson (4), Kuleschow, Alvanos (6), Sigurdsson (10/2)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (12/1 Paraden), Sijan (3 Paraden, ab 55.) – Nielsen (7), Eggert, Mogensen, Holmgeirsson, Jensen (2), Christiansen (7/3), Vranjes (2), Johannsen (2), Lijewski (1), Petersson (2), Knudsen (7)
Schiedsrichter: Methe/ Methe (Vellmar); Zeitstrafen: 10:10 Minuten (Gunnarsson 6, Jakobsson 4 – Lijewski 4, Jensen 4, Knudsen 2); Rote Karte: Gunnarsson (48., dritte Hinausstellung); Siebenmeter: 5/2:4/3 (Beutler hält gegen Ilic und Sigurdsson, Pungartnik über das Tor – Christiansen scheitert an Fazekas); Zuschauer: 8197
Spielfilm: 0:2 (2.), 2:4 (5.), 5:4 (6.), 5:10 (12.), 7:11 (17.), 8.12 (19.), 8:17 (26.) – 11:18 (31.), 13:20 (33.), 18:20 (39.), 20:21 (45.), 22:24 (49.), 24:24 (51.), 26:26 (53.), 27:27 (55.), 27:29 (57.), 28:29 (58.), 28:30 (59.)


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