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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

TOYOTA Handball-Bundesliga: 36:27 – SG löscht Heimnimbus

Das war ein echtes Ausrufezeichen! Die SG Flensburg-Handewitt stürmte das Euregium, gewann mit 36:27 (18:14) gegen die HSG Nordhorn und übernahm vom spielfreien THW Kiel die Tabellenführung. Die SG trat dabei so souverän auf, wie Lars Christiansen vor dem Anpfiff philosophiert hatte. „Man kann vielleicht daran denken“, sagte der SG-Linksaußen, „gegen Nordhorn drei Mal in einer Saison zu verlieren, es wird aber nicht passieren. Dazu sind wir zu gut vorbereitet.“
SG-Trainer Kent-Harry Andersson musste seinen ursprünglichen Plan allerdings modifizieren. Ljubomir Vranjes, in den letzten Tagen erkältet, blieb vorerst auf der Bank. Ohne in kam die SG etwas schwer in Tritt. Alexander Pettersson, Thomas Mogensen und Blazenko Lackovic verfehlten zunächst das Ziel. Erst nach fast fünf Minuten eröffnete Marcin Lijewski für die SG die Jagd auf das Nordhorner Tor, in dem überraschend Nikolas Katsigiannis und nicht Peter Gentzel stand.
Schon in der Anfangsphase lüftete die SG einige taktische Raffinessen. So setzte Kent-Harry Andersson – wie gegen Gummersbach – gerne mal auf eine schnelle Mitte mit zwei Kreisläufern. Das erste Musterexemplar schloss Johnny Jensen nach Anspiel von Marcin Lijewski zum 2:2 ab. Und wenn der „Handballgott“ von der Bank einmal nicht schnell genug zurückkehren konnte, deckte die SG offensiv. Thomas Mogensen und Michael Knudsen rückten dann dem Nordhorner Rückraum auf die Pelle.
Erst mit dem 6:7 durch Alexander Petersson markierten die Gäste ihre erste Führung. Nun gelang es immer häufiger, die so gefürchteten Gegenstöße zu starten. Egal ob Johnny Jensen, Thomas Mogensen oder Alexander Petersson – jeder durfte Mal. HSG-Coach Ola Lindgren, der munter durchgewechselt hatte, um seine Leistungsträger zu schonen, nahm seine Auszeit. Doch die SG ließ sich nicht aus dem Rhythmus bringen. Thomas Mogensen traf in Unterzahl zum 9:12, Lars Christiansen erhöhte sogar auf 12:16.
Die Hausherren, bei denen Keeper Nikolas Katsigiannis immerhin neun SG-Chancen vereitelt hatte, operierten nun mit einer 5:1-Abwehr. Der SG unterliefen zwar zwei Ballverluste, Nordhorn schnupperte dadurch eine Minute vor dem Pausentee am Anschluss. Doch die SG konterte eiskalt. Marcin Lijewski und Alexander Petersson besorgten wieder den alten Abstand. „Wir haben wirklich optimal gespielt“, meinte Johnny Jensen. „Wir haben immer an unsere Stärke geglaubt.“
Die SG erwischte einen Start nach Maß, arbeitete sich eine passable 21:14-Führung heraus. Dann kassierte Marcin Lijewski eine überflüssige Zeitstrafe, die die SG mit 0:3 verlor. Vorübergehend sah es so aus, als ob die SG noch einmal in Gefahr geraten könnte. In dieser Phase blieb der Gast nicht ohne Fehl und Tadel. Doch dichter als auf vier Treffer kamen die Handballer aus der Grafschaft Bentheim nicht heran.
Altmeister Peter Gentzel trat zwischen die Nordhorner Pfosten. Glück für Lars Christiansen, dass sein Siebenmeter, den der schwedische Schlussmann abgefälscht hatte, zum 20:25 über die Linie trudelte. Der Knackpunkt der Partie schließlich beim 23:27. Alexander Petersson musste für zwei Minuten vom Feld. Würde die Unterzahl sich wieder in einen klaren Nordhorner Vorteil verwandeln?
In dieser Situation betrat erstmals an diesem Abend Ljubomir Vranjes das Parkett. Ein goldenes Näschen von Kent-Harry Andersson! Der kleine Schwede tanzte zunächst die gegnerische Abwehr aus. 23:28! Dann brach er erneut durch und konnte von Holger Glandorf nur auf Kosten einer Zeitstrafe und eines Siebenmeters gestoppt werden. Lars Christiansen verwandelte zum 23:29. Die Entscheidung! Damit verlor die HSG Nordhorn erstmals seit Dezember 2006 wieder ein Heimspiel. „Ich hoffe, auf der Rückfahrt teilen wir die Flasche Rotwein, die Kent-Harry vor der Partie geschenkt bekommen hat“, meinte ein ebenso erschöpfter wie fröhlicher Johnny Jensen. „Schließlich haben wir ein freies Wochenende vor uns.“

Alexander Petersson erzielte sieben Treffer.


HSG Nordhorn – SG Flensburg-Handewitt 27:36 (14:18)
HSG Nordhorn: Gentzel (3 Paraden; ab 42), Katsigiannis (10 Paraden) – Glandorf (2), Mickal (4), Filip (5/4), Kubes, Sprem, Stojkovic (6), Machulla (1), Mamelund (4), Verjans (2), Weinhold (1), Kuckucka (2)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (15 Paraden), Sijan (bei einem 7m) – Lackovic (5), Mogensen (2), Jensen (2), Christiansen (9/5), Vranjes (1), Johannsen (2), Lijewski (6), Petersson (7), Knudsen (2)
Schiedsrichter: Fleisch/Rieber (Ostfildern/Nürtingen); Zeitstrafen: 4:10 Minuten (Glandorf 2, Kubes 2 – Lijewski 4, Knudsen 2, Jensen 2, Petersson); Siebenmeter: 4/4:5/5; Zuschauer: 4000 (ausverkauft)
Spielfilm: 1:0 (1.), 2:1 (7.), 4:3 (9.), 6:5 (14.), 6:7 (14.), 8:7 (16.), 8:10 (20.), 9:12 (22.), 11:13 (24.), 12:14 (26.), 12:16 (28.), 14:16 (29.) – 14:21 (34.), 17:21 (37.), 19:23 (40.), 20:25 (44.), 22:26 (48.)


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