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Karlsson
Grenzenlose Leidenschaft

Vlado Sola: Rückkehr in die Heimat

Oktober 2005: Vlado Sola lachte. Der Torwart des kroatischen Handball-Nationalteams saß auf einem Podium in einem Raum in der Bremer Stadthalle, gerade hatte sein Team die deutsche Auswahl zum Auftakt des Supercups besiegt. Bundestrainer Heiner Brand erläuterte zwei Meter weiter, was aus seiner Sicht während des Spiels passiert war, aber man hörte ihn nicht. Das lag daran, dass neben dem Raum eine Gruppe kroatischer Fans stand. Man konnte sie sehen, denn eine Raumwand war aus Glas, und man konnte sie hören, sie sangen: „Sola, Sola“, immer wieder. Der Gefeierte grinste. Der Torwart ist ein Publikum-Liebling.
Nach gut zehn Jahren ist der fast 38-Jährige in die kroatische Heimat zurückgekehrt – zum RK Zagreb. In dieser Dekade stand er im Aufgebot von vier Vereinen in drei Nationen. Seine Bundesliga-Zeit begann in der Serie 1995/1996 mit einem „Politikum“. Damals sorgte das „Bosman-Urteil“ für Aufsehen in der Sportwelt, doch die deutschen Handball-Klubs einigten sich darauf, die Serie mit nur einem Ausländer zu Ende zu spielen. Nur GWD Minden tanzte aus der Reihe und verpflichte neben Robert Hedin einen international renommierten Torwart – eben Vlado Sola. Die Fans von GWD Minden hatten einen neuen Publikums-Liebling, es gründete sich sogar ein „inoffizieller“ Vlado-Sola-Fan-Klub.
Im Sommer 1998 wechselte der Kroate vom Westfälischen zur SG Willstätt-Schutterwald. Vier Jahre verbrachte Vlado Sola in Südbaden, stieg mit dem Klub 1999 in die Bundesliga auf. Als der 1,96 Meter große Schlussmann 2002 weiterzog, hinterließ er ein großes Loch. Im Jahr eins nach Vlado Sola stiegen die Willstätter ab. In Süddeutschland hat er aber noch heute viele Freunde. Als in der Vorbereitung der RK Zagreb beim Zweitligisten auftauchte, strömten viele nur wegen dem kroatischen Keeper in die Halle. Das Problem: Wegen einer Schulter-Verletzung war Vlado Sola zu Hause geblieben.

Vlado Sola: Liebling der kroatischen Fans.

2002 lockten die Sterne der Königsklasse. Vlado Sola ging nach Frankreich zum SO Chambery, der in der Saison 2003/2004 in der Champions League mitmischte. Das galt auch für MKB Veszprém, die zweijährige Ungarn-Station von Vlado Sola. Im letzten April schnupperte sein Team gegen Portland San Antonio sogar am Einzug ins Finale. Parallel zu den Europapokal-Einsätzen geriet Vlado Sola wieder verstärkt ins Blickfeld von Nationaltrainer Lino Cervar. Weltmeisterschaft 2003, Olympiasieg 2004, Vize-Weltmeister 2005 – ohne Vlado Sola im kroatischen Tor wären diese Erfolge kaum möglich gewesen.
In Deutschland redete man spätestens seit dem verlorenen WM-Endspiel 2003 respektvoll vom „Pumuckl“. Vlado Sola hatte sich die Haare rostrot eingefärbt, erzeugte aber auch ein „magisches Moment“. Im Vorfeld der jüngsten Europameisterschaft in der Schweiz schrieb ein eidgenössischer Journalist: „Wenn er mit etwas hängenden Schultern im Tor steht, sieht man ihm die Klasse nicht an. Das erinnert an Mirko Basic, Jugoslawiens Klasse-Torhüter der 80er Jahre. Beim Einwerfen und im Training hielt der kaum einen Ball und wer ihn nicht kannte, ahnte fürs Spiel Schlimmes. Auch Vlado Sola hat die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten unglaublich präsent zu sein. Scheinbar seelenruhig macht er seine Abwehr-Bewegung, und der Ball kommt meist dorthin, wo er schon steht. Ist er einmal eingeschossen, ist er kaum mehr zu bezwingen.“