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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Bundesliga: Nach 45 Minuten freigeschwommen

Spielerische Eleganz sieht anders aus. Wie schon zuletzt in der Champions League musste die SG Flensburg-Handewitt ein paar „Körner“ nachlegen, um als Sieger von der Platte zu gehen. Erst nach guten Steher-Qualitäten in der Schlussviertelstunde war das 31:24 (15:14) gegen FA Göppingen und damit der 34. Bundesliga-Heimsieg in Serie im Sack. „Am Ende hat die Abwehr mehr zugepackt“, atmete SG-Manager Thorsten Storm nach der Zitterpartie durch. „Auch solche Spiele sind wichtig für Körper, Geist und Seele.“
Als die 6300 Zuschauer ihre Mannschaft begrüßt hatten, legte sich rekordverdächtiger Glanz über die Campushalle. Jan Holpert betrat zum 561. Mal die Bundesliga-Bühne. Eine Flasche Wein aus der Hand eines Cheerleaders, Blumen von Göppingens Aleksandar Knezevic – der Rekord-Mann wurde tüchtig mit Überraschungen bedacht. Mit Geschenken revanchieren wollte er sich aber nicht. Jan Holpert startete glänzend, gab als Rückhalt einer schnellen 8:3-Führung kräftig Nahrung.
Doch wer glaubte, die SG würde wie ein „Orkan“ über die Schwaben herfallen, sah sich bald getäuscht. Das Glück verließ Jan Holpert in gleicher Weise, wie in den Offensiv-Motor immer mehr Sand geriet. Auf der anderen Seite trumpften nun Volker Michel und Nikola Manojlovic auf – und vor allem Martin Galia. Der Tscheche „verhexte“ die SG-Spieler gleich drei Mal vor einem Siebenmeter-Wurf.
11:12 und 12:13 hieß es urplötzlich. Lediglich eine 6:4-Überzahl brachte die Förde-Handballer in dieser Phase zurück ins Geschehen. Doch Ruhe und Entspannung wollten auf den Rängen auch nach dem Pausentee nicht allzu schnell einkehren. 15:17 – die SG wackelte bedächtig. Kent-Harry Andersson behielt aber die Ruhe und fiel nicht in blinden Aktionismus. „Ich hatte eine Alternative für die Abwehr im Kopf“, verriet der Schwede. „Die brauchte ich aber nicht zu verwenden, da wir die Partie aus der Deckung heraus gewonnen haben.“ In dieses Kompliment mit einbezogen war auch Torwart Dan Beutler, der zur Halbzeit zwischen die Pfosten trat.
Vorne machte sich die SG das Leben schwer. Zum Glück hatte aber Marcin Lijewski einen starken Lauf. „Als Blazenko Lackovic in Manndeckung genommen wurde, hat er sehr viel Verantwortung übernommen“, freute sich Kent-Harry Andersson über die Leistung des Polen. Zugleich war er dankbar über die Hilfe von Kasper Nielsen, der Marcin Lijewski in der Abwehr entlastete.
Es sollte aber bis zur 46. Minute dauern, dass diese Faktoren die Waagschale zugunsten der SG drückten. Der Göppinger Jaliesky Garcia schied beim Stand von 21:21 mit der dritten Zeitstrafe aus. „Zwei Mal musste er für einen anderen Verteidiger auf die Bank“, ärgerte sich Frischauf-Coach Velimir Petkovic über das „Zeitstrafen-Pech“. Nach dem verletzten Lars-Henrik Walther (Nasen- und Jochbeinbruch) fehlte ihm nun die zweite wichtige Defensiv-Kraft.
Die SG nutzte diese Schwächung gnadenlos und machte mit einem „Fünfer-Paket“ alles klar. Als Kent-Harry Andersson 90 Sekunden vor Ultimo noch einmal eine Auszeit nahm, herrschte unter den Zuschauern bereits die kollektive Erleichterung. Nur bei einem stieg in diesem Moment der Adrenalin-Spiegel – bei Lars Bastian. Der 19-Jährige feierte sein Bundesliga-Debüt. Thorsten Storm blickte derweil schon nach vorne: „Das war kein Tag für Zauberei. Vielleicht können wir gegen Kaunas zu einem flüssigeren Angriffsspiel zurückfinden.“

Beim Rekordspiel lief es nur anfangs für Jan Holpert nach Plan.

SG Flensburg-Handewitt – FA Göppingen 31:24 (15:14)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (ab 31., 9 Paraden), Holpert (8 Paraden) - Solberg (1), Lackovic (4/1), Nielsen (1), Jensen (1), Christiansen (8/4), Lijewski (8), Boldsen (4), Kos (2), Knudsen (2), Bastian
FA Göppingen: Galia (15/3 Paraden) – Kraus (2), Schweikardt, Oprea (2), Blecic, Schöne (2), Manojlovic (5), Stelmokas (4), Garcia (2), Michel (7/1), Knezevic
Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg/Hagen); Zeitstrafen: 4:10 Minuten (Lackovic 2, Knudsen 2 – Garcia 6, Stelmokas 2, Michel 2); Rote Karte: Garcia (46., dritte Hinausstellung); Siebenmeter: 8/5:1/1 (Christiansen scheitert zweimal, Lackovic einmal an Galia); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 1:2 (4.), 5:2 (7.), 8:3 (11.), 8:6 (14.), 11:8 (19.), 11:12 (23.), 12:13 (25.), 15:13 (29.) – 15:17 (34.), 18:17 (38.), 20:18 (42.), 20:20 (44.), 21:21 (45.), 26:21 (51.), 30:23 (58.)

 

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