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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Bundesliga: 25:30 – Verletzungspech schlägt SG

Spätestens jetzt müssen auch die letzten Optimisten unter den Fans der SG Flensburg-Handewitt dem THW Kiel zur Deutschen Meisterschaft gratulieren. Beim TBV Lemgo verlor ihre arg dezimierte Truppe mit 25:30 (13:18). Gleich nach dem Schlusspfiff gab Joachim Boldsen die Losung für die letzten vier Saison-Spiele aus: „Wir wollen unbedingt Zweiter werden.“
Glenn Solberg stand wirklich auf dem Parkett der Lipperlandhalle und wärmte sich mit seinen Team-Kollegen auf. Die Grippe war zumindest halbwegs überwunden. Dennoch wollte sich die Miene von SG-Trainer Kent-Harry Andersson nicht aufhellen. „Ich wünsche mir nur, dass die Jungs spielen können“, schien so etwas wie ein Stoßgebot von seinen Lippen zukommen. Denn die furiose Partie gegen den HSV Hamburg hatte ihre Spuren hinterlassen. Christian Berge, Kasper Nielsen, Sören Stryger und Marcin Lijewski (Pferdekuss) – sie alle konnten nicht mitwirken.
Besonders prekär war die Situation unter der Linkshänder-Fraktion. Jan Thomas Lauritzen fühlte sich wie der „letzte“ Mohikaner. Während er sich im rechten Rückraum redlich schlug, versuchten sich neben ihm Regionalliga-Spieler Kasper Heilmann oder Linksaußen Goran Sprem. Sicherlich ein Handicap, aber dank einer entschlossenen Leistung im Angriff und in der Abwehr blieb die SG bis zum 8:8 (18.) im Spiel.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der „Mann des Tages“ allerdings schon den Kasten des TBV Lemgo betreten: Nationaltorwart Carsten Lichtlein. „Die Euphorie des Europapokal-Gewinns und die Stimmung in der ausverkauften Halle haben mich beflügelt“, sagte der Keeper. Mit Paraden in Serie raubte er den SG-Schützen den Nerv. 8:11, 11:15, 12:17 – kontinuierlich wuchs der Rückstand. Zudem häuften sich die Ballverluste. „Wir müssen nach neuen Lösungen suchen“, trabte Co-Trainer Bogdan Wenta in die Kabine.
Die präsentierte die SG beim Wiederanpfiff. Während Jan Holpert sich im SG-Gehäuse noch streckte, hatte Michael Knudsen seine Farben mit einem Doppelschlag bereits auf 15:18 herangebracht. Neben ihm tauchte ab und an Johnny Jensen als zweiter Kreisläufer auf, um die fehlenden Alternativen auf der rechten Angriffsseite zu kompensieren. Teilweise spielte der „Handballgott“ auch auf der Linkshänder-Position.
Tatsächlich bekam die SG nach dem 18:23 noch einmal so etwas wie einen „zweiten Frühling“. Elf Minuten vor Schluss verkürzte Blazenko Lackovic auf 23:24. Lemgo schien immer nervöser zu werden. Im Gegenangriff verwarf Markus Baur einen Siebenmeter gegen Jan Holpert. Urplötzlich hatte Blazenko Lackovic den Ausgleich auf der Hand. Doch auch sein Strafwurf verfehlte das Ziel, Carsten Lichtlein hieß der Sieger. In den letzten Minuten war der „SG-Akku“ aufgebraucht. „Uns fehlten die Alternativen“, meinte ein erschöpfter Joachim Boldsen.

Johnny Jensen: am Kreis und im rechten Rückraum einsetzbar.

TBV Lemgo – SG Flensburg-Handewitt 30:25 (18:13)
TBV Lemgo: Zereike (bis 11., 3 Paraden), Lichtlein (22/1 Paraden) – Christophersen, Stephan (4), Preiß (3), Schwarzer (1), Hallgrimsson, Binder, Baur (5/3), Jicha (5), Zerbe (6), Geirsson (6/2)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (bis 30., 6/1 Paraden), Holpert (7/2 Paraden) – Solberg (3), Lackovic (4), Sprem (1), Jensen (1), Christiansen (3/2), Boldsen (3), Lauritzen (4), Knudsen (6), Heilmann
Schiedsrichter: Geipel/ Helbig (Steuden/Raguhn); Zeitstrafen: 4:0 Minuten (Zerbe 2, Jicha 2); Siebenmeter: 8/5:4/2 (Baur scheitert an Holpert und Beutler, Geirsson an Holpert - Christiansen über das Tor, Lichtlein hält gegen Lackovic); Zuschauer: 4950 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (1.), 2:1 (3.), 3:4 (8.), 6:5 (13.), 8:8 (18.), 11:8 (19.), 12:11 (24.), 15:11 (27.), 17:12 (29.) - 18:15 (32.), 20:15 (33.), 21:16 (37.), 23:18 (44.), 23:22 (48.), 24:23 (49.), 25:24 (52.), 30:24 (58.)

 

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