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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Bundesliga: Müde Beine verursachen Krimi

Aller Anfang ist schwer! Diese Erfahrung machten zum Auftakt der Rückrunde auch die Fans der SG Flensburg-Handewitt. Mit Mühe und Not bezwang ihr Team den Tabellenelften TuS N-Lübbecke. 35:31 (17:16) hieß es am Ende. „Wir wissen, dass wir schlecht gespielt haben“, entschuldigte sich SG-Geschäftsführer Thorsten Storm bei den Zuschauern. „Heute wäre durchaus der eine oder andere Punktverlust möglich gewesen.“
Sören Stryger sah nicht nur erschöpft aus, er war es auch. „Wir sind alle kaputt, die meisten sind angeschlagen“, sagte der Kapitän nach dem Schlusspfiff. „Wir haben uns mit der letzten Kraft über den Zielstrich gerettet.“ Kein Zweifel: Alle wollten, aber so richtig konnte keiner den Schalter auf den Bundesliga-Betrieb umlegen. Am dichtesten an diesem Level schnupperte wohl Michael Knudsen. Allerdings nur 22 Minuten. Dann musste der Kreisläufer vom Spielfeld geführt werden. Die Diagnose schockierte: Muskelfaserriss – voraussichtlich sechs oder sieben Wochen Pause.
Zu diesem Zeitpunkt führte Joachim Boldsen, Anfang der Woche noch von einer Erkältung geplagt,  längst einen einsamen Kampf. Christian Berge erreichte zwar rechtzeitig zum Anpfiff die Campushalle, konnte aber ebenso wenig  mitwirken wie Glenn Solberg, den seit Mittwoch ein Magen-Darm-Virus außer Gefecht setzt. Und dann operierten die Lübbecker auch noch mit einer unbequemen 5:1-Abwehr. „Wir haben uns heute etwas ausgerechnet“, sagte TuS-Trainer Jens Pfänder. „In der Deckung haben wir lange guten Druck auf die gefährlichen Schützen der SG ausgeübt.“
Die Ostwestfalen wehrten sich mehr als tapfer, obwohl auch bei ihnen drei Stammkräfte (Friedrich, van Olphen, Fölser) fehlten. Die Gäste führten sogar nach 43 Minuten mit 24:23, inszenierten ihre Gegenstöße teilweise so, wie man es normalerweise von der SG kennt. Dazu hatten sie mit Nandor Fazekas den überragenden Keeper, der mehrfach den nicht immer konzentrierten SG-Recken aussichtsreiche Wurfgelegenheiten „wegzauberte“.

Verletzte sich ernsthaft: Michael Knudsen.

Nur einmal bauten die Lübbecker fünf schwache Minuten ein. Diese nutzte die SG, um sich auf 28:25 (49.) abzusetzen. SG-Coach Kent-Harry Andersson atmete in diesem Moment tief durch. „Ich wusste vor dem Anpfiff, dass wir für den Sieg 60 Minuten lang kämpfen müssen“, sagte der Schwede und rechnete vor, dass sein Team seit Mitte Dezember kaum noch gemeinsam trainieren konnte. „Seitdem tauchten immer nur drei bis neun Spieler in der Duburghalle auf.“
Eine gute Note verdiente sich Jan Thomas Lauritzen, der sich gleich mit vier Treffern zu Wort meldete. „Ich bin zufrieden“, sagte der Norweger. „Ich kenne aber längst noch nicht alle Spielzüge.“ Derweil zog Moderator Gerd Nielsen mit einer interessanten Kalkulation in die Pressekonferenz. Vier Tore Lauritzen, vier Tore Vorsprung – war der Neuzugang, der ausgerechnet aus Lübbecke zur SG stieß, der Matchwinner? Kent-Harry Andersson schmunzelte: „Ich muss mich noch einmal bei Jens Pfänder bedanken.“ Der TuS hatte sich Ende Dezember beim vorzeitigen Wechsel von Jan Thomas Lauritzen sehr kooperativ gezeigt.

Jan Thomas Lauritzen bot ein gutes Debüt.


SG Flensburg-Handewitt – TuS N-Lübbecke 35:31 (17:16)
SG Flensburg-Handewitt: Holpert (10 Paraden), Beutler (6 Paraden; ab 38.) - Lackovic (7/2), Nielsen, Sprem, Jensen (3), Christiansen (6), Stryger (5/2), Lijewski (5), Boldsen (1), Lauritzen (4), Knudsen (4)
TuS N-Lübbecke: Fazekas (20/2 Paraden), Grote (n.e.) - Sudzum (2), Kubes (5), Tönnesen (4), Hermann (5), Hartmann (1), Schröder (8), Olafsson (4), Greiner (2), Andryushchenko
Schiedsrichter: Ehrmann/ Künzig (Odenthal/ Karlsruhe); Zeitstrafen: 2:8 Minuten (Lackovic 2 - Kubes 4, Greiner 2, Olafsson 2); Siebenmeter: 7/4:0 (Fazekas pariert gegen Christiansen und Stryger, Stryger an die Latte); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:2 (3.), 2:2 (5.), 4:4 (8.), 4:6 (10.), 6:6 (11.), 6:9 (13.), 7:10 (14.), 10:10 (17.), 11:12 (19.), 14:12 (24.), 16:16 (29.( - 18:16 (32.), 20:18 (33.), 21:21 (38.), 23:22 (40.), 23:24 (43.), 25:24 (46.), 28:25 (49.), 30:26 (53.), 30:28 (56.), 33:31 (59.)

 


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