Das letzte Training, das letzte Spiel mit der SG Flensburg-Handewitt – für Johannes Golla liegt nun alles in der Vergangenheit. Der 28-Jährige war acht Jahre im hohen Norden, davon vier als Kapitän der Mannschaft. Ab Juli wird der Kreisläufer ein Spieler der MT Melsungen sein. Zum Abschied sprach die Redaktion mit ihm.
Johannes, kannst du dich noch an deine ersten Tage in Flensburg erinnern? An die erste Vorbereitung? An das erste Heimspiel?
Johannes Golla: In letzter Zeit habe ich öfter an die Anfänge gedacht. Wie der Umzug, wie das erste Training und die ersten Spiele waren. Da waren unheimlich viele Eindrücke auf einen eingeprasselt. Meine Frau und ich wurden mit offenen Armen empfangen. Es wurde uns leicht gemacht, uns einzuleben. Die Atmosphäre bei den Heimspielen lernte ich beim Jacob Cement Cup kennen. Das erste richtige Heimspiel war dann gegen Göppingen. Ich bekam einige Spielanteile, was gar nicht selbstverständlich war. Ich nahm so viele positive Eindrücke und Selbstvertrauen mit aus dieser Partie.
Deine erste Saison war phänomenal. Die SG wurde in der Serie 2018/19 mit nur vier Minuspunkten Meister. Du selbst hast eine erstaunliche Entwicklung genommen und wurdest Leistungsträger und Nationalspieler. Wie erklärst du dir diesen rasanten Aufstieg im Nachhinein?
Johannes Golla: Es ging alles schneller, als man erwarten konnte. Wir hatten damals einige neue Spieler auf entscheidenden Positionen, konnten aber den Flow aus der ersten Meister-Saison mitnehmen und gewannen schnell Selbstvertrauen. Zu Hause spürten wir, was alles mit unseren Fans im Rücken möglich ist. Ich habe mir damals die Einsatzzeiten am Kreis und in der Abwehr mit Simon Hald und Anders Zachariassen geteilt. Ich bekam schnell Vertrauen geschenkt.
Was waren für dich die Höhepunkte?
Johannes Golla: Auf jeden Fall jeder Titel. Daneben die Derbys, die zu Hause waren und einen sehr dramatischen Verlauf hatten, aber einen positiven Ausgang hatten. Die Derbys waren oft wegweisende Spiele mit besonders vielen Emotionen. Die Atmosphäre bei den Heimspielen wird aber generell in meinem Kopf bleiben. 60 Minuten lang haben alle gemeinsam Gas gegeben, und danach hat man viel miteinander gesprochen.
Wie fällt deine persönliche Acht-Jahres-Bilanz aus?
Johannes Golla: Sportlich wie menschlich war es eine sehr prägende Zeit. Meine Frau und ich sind uns einig, dass wir hier oben erwachsen geworden sind. Wir haben geheiratet, unsere Kinder kamen zur Welt, und sind eine Familie geworden. Diese acht Jahre in Flensburg sind bislang der bedeutendste Teil in unserem Leben. Abgesehen von den sportlichen Misserfolgen, die es auch gab, war es eine tolle Zeit. Kurzum: Flensburg, die SG und ich – das hat einfach gematcht.


