Simon Hennig ist ein sehr gutes Beispiel für Vereinstreue. Das lupenreine Nordlicht kennt nur Funktionswechsel. Schon als Kind gehörte der heute 34-Jährige der SG Flensburg-Handewitt an. Sehr früh schlug er eine Trainerlaufbahn ein und unterstützt seit dem letzten Sommer den Chefcoach Aleš Pajović. Damit setzt die SG erstmals auf einen Trainer aus „dem eigenen Stall“.
Simon, wann beginnt für dich die Vorbereitung auf ein Spiel?
Simon Hennig: Das ist sehr unterschiedlich und richtet sich nach unserem Kalender. Wenn wir zwei Spiele innerhalb von 48 Stunden haben, ist es sogar so, dass ich mit der Video-Analyse der zweiten Partie zuerst beginne und relevante Szenen zusammenstelle. Dann kümmere ich mich durchgängig um das erste Spiel und wechsle nach Abschluss zurück zum zweiten Spiel. Im Januar habe ich mir zudem noch einmal alle unsere Hinspiele angeschaut und die entsprechenden Szenen herausgesucht – für die Rückspiele.
Wie kann man sich den Austausch mit Aleš Pajović vorstellen? Ist er ein richtiger Chef oder habt ihr auch häufiger Diskussionen?
Simon Hennig: Von Pajo habe ich ein großes Vertrauen, wie ich meine Arbeit mache und was ich beachte. Da gibt es keine Einschränkungen. Wir sprechen dann über die Taktik, wobei auch Ljubomir Vranjes als Sportlicher Leiter dabei ist. Ich sehe mich in einer beratenden Funktion. Pajo hat Fragen, wie ich etwas sehe. Außerdem bringe ich taktische Ideen ein. Letztendlich ist es aber Pajo, der entscheidet, was wir machen und es so auch mit der Mannschaft kommuniziert.
Wie ist eure Aufgabenverteilung beim Training?
Simon Hennig: Oft haben wir nur ein Training pro Spiel. Das ist dann sehr taktisch ausgeprägt. Ich achte darauf, dass wir Angriff und Abwehr entsprechend dem Profil des Gegners steuern. Wenn mir etwas im Ganzen auffällt, rede ich mit Pajo. Mit einzelnen Spielern spreche ich individuell.
Wie ist bei dir der normale Tagesablauf bei einem Heimspiel?
Simon Hennig: Ich starte ruhig, betätige mich selbst etwas körperlich – sei es im Kraftraum oder auf dem Fahrrad. Manchmal habe ich auch Termine. Zwei bis drei Stunden nehme ich mir Zeit, um mir noch einmal Videos vom Gegner anzuschauen, um so alles in das Kurzzeit-Gedächtnis zu packen und möglichst viele Spielzüge zu kennen. Zwei Stunden vor dem Anpfiff bin ich in der GP JOULE Arena. Mit Pajo gehe ich noch einmal die Taktik durch. Ich gehe zur technischen Besprechung, achte auf den Zeitplan unserer Mannschaft und spreche bei Bedarf kurz mit einigen Spielern. Wenn dann die das Licht ausgeht, gehe ich ganz entspannt zu meinem Platz.
Und was machst du die 60 Minuten auf der Bank?
Simon Hennig: Ich beobachte unser Angriffskonzept und rede viel mit Blaž Blagotinšek, da er am häufigsten von allen Spielern zwischen Spielfeld und Bank wechselt. Es geht um Details. Wenn Pajo etwas wissen möchte, kommt er zu mir. Ich halte auch den Kontakt mit dem Kampfgericht. In der Pause tauschen wir Trainer uns mit Ljubo aus – direkt vor der Team-Besprechung.
Wie ist es nach dem Spiel: Bist du dann mit der Analyse beschäftigt oder blickst du schon auf die nächste Aufgabe?
Simon Hennig: Ich analysiere jedes Spiel. Wenn die Zeit zu knapp ist, gehe ich auch schon mal direkt weiter zum nächsten Spiel und mache dann später eine doppelte Auswertung. In der DAIKIN HBL ist damit auch eine Bewertung der Schiedsrichter verbunden. Die fällt meistens besser aus als zuvor in der Halle, wo Emotionen und auch die Reaktionen der Zuschauer eine Rolle spielen. In Deutschland haben wir wirklich ein hohes Niveau bei den Schiedsrichtern.


