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#InTeam
- Das Interview der Woche: Kevin Møller

„Die SG ist mein Herzensverein“

Kurz vor dem Ende seiner Zeit bei der SG Flensburg-Handewitt erschien Kevin Møller für ein Interview. Der Torwart holte sich einen Kaffee und war bereit für ein Gespräch. Es ging um neun Jahre bei seinem „Herzensverein“ und einen Blick voraus.

Kevin, wann wurde dir erstmals bewusst, dass die Zeit mit der SG sehr bald zu Ende gehen würde?
Kevin Møller: Als wir vom Viertelfinale der EHF European League in Hannover nach Hause fuhren, wurde es mir sehr bewusst, dass es dem Ende zugeht. Die Reflexion des Tages zeigte, dass wir ein großes Ziel erreicht hatten. Als ich dann daran dachte, dass ich nur noch wenige Spiele mit der SG habe, bekam ich im Bus ein Herzklopfen.

Nach der Sommerpause wirst du das Tor von GOG hüten. Was hat den Ausschlag für diesen Wechsel gegeben?
Kevin Møller: Das war eine Entscheidung für die Familie. Es hatte sich die Möglichkeit für einen Wechsel ergeben, meine Frau und ich haben sehr lange darüber gesprochen. Es war eine schwere Entscheidung und sie fühlt sich auch immer noch so an, aber der Zeitpunkt war der richtige.

Ist der Umzug schon geplant?
Kevin Møller: Noch nicht genau. Es ist noch etwas Zeit, da es erst Ende Juni losgehen wird. Das Ziel steht aber schon fest: Wir haben ein Haus in Svendborg gekauft.

Wird GOG in der nächsten Saison eine starke Mannschaft haben?
Kevin Møller: Ich gehe davon aus, dass GOG den Abstand zu Aalborg verkürzen wird. Der Stamm der Mannschaft bleibt, einige Neuverpflichtungen sind vielversprechend. Dazu hat GOG immer einige junge Spieler, die noch nicht so erfahren sind, dann aber einen Entwicklungssprung machen.

GOG wird in der nächsten Serie in der EHF European League spielen...
Kevin Møller: Hoffentlich kommt GOG in dieselbe Gruppe wie die SG. Das wäre für mich persönlich der absolute Hammer.

Das wäre wirklich klasse. Wird man dich auch ohne ein solches Europapokal-Highlight häufiger in Flensburg sehen?
Kevin Møller: Ich hoffe doch sehr, dass ich Zeit genug habe, um bei den Spielen vorbeizuschauen und ein Teil des achten Mannes zu sein. So ähnlich wie früher. Als ich bei der kleinen Feier in Hannover im Fan-Block einen Schal von 1997 gesichtet habe, musste ich daran denken, dass ich mit genau dieser Europapokal-Edition als kleiner Junge in der Fördehalle mit der SG gefiebert hatte.

Werfen wir noch einmal einen Blick zurück: Kannst du dich an deinen ersten Tag bei der SG im Sommer 2014 erinnern?
Kevin Møller: Ja, ganz genau. Wir haben uns am Abend vor dem ersten Trainingstag bei Ljubomir Vranjes zu Hause getroffen. Wir grillten, und es lief das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Plötzlich stand ich im Zimmer mit vielen Weltklasse-Spielern, die fast alle gerade die EHF Champions League gewonnen und ihren Höhepunkt der Karriere erreicht hatten. Unter all diesen Handball-Legenden fühlte ich mich wie das kleine Kind.

Welches war dein erstes Spiel für die SG?
Kevin Møller: Das erste war ein Testspiel in der Wikinghalle gegen Mors-Thy. Auf der anderen Seite stand Dane Sijan im Tor, ich durfte 30 Minuten ran. An das erste Heimspiel in der „Hölle Nord“ habe ich keine Erinnerung mehr. Ich war höchstens ganz kurz im Spiel. Ich kann mich noch an das erste Auswärtsspiel in Magdeburg erinnern. Ich kam in der zweiten Hälfte, um Mattias Andersson zu entlasten, hatte keinen guten Lauf und wurde bald wieder ausgewechselt.

Der Höhepunkt der ersten vier Jahre war sicherlich die Meisterschaft 2018…
Kevin Møller: Aus sportlicher Sicht bestimmt die Meisterschaft und der DHB-Pokal 2015. Es gab aber auch viele schöne Dinge in dieser coolen Mannschaft abseits des Spielfeldes. Der Umgang miteinander war immer sehr respektvoll. Es muss in meiner zweiten Saison gewesen sein, in der ich kaum Spielanteile hatte und ich einmal die Kabine wohl mit keinem glücklichen Gesicht verlassen hatte. Zumindest kam Thomas Mogensen hinter mir hergelaufen und wollte wissen, ob bei mir alles gut ist. Dieses Beispiel ist vielleicht etwas atypisch, zeigt aber wie die SG Familie tickt.

Du hast deine SG Karriere für drei Jahre beim FC Barcelona unterbrochen. Wie bewertest du diese Phase im Rückblick?
Kevin Møller: Auch aus heutiger Sicht sehe ich den Wechsel als richtige Entscheidung und bereue nichts. Beim FC Barcelona habe ich viel gelernt und die EHF Champions League gewonnen. Ich wäre nicht derselbe Kevin, wenn ich seit 2014 immer für die SG gespielt hätte. Ich denke nicht darüber nach, dass ich drei Jahre nicht bei der SG war. Ich bin sehr stolz, dass ich insgesamt neun Jahre für meinen Herzensverein spielen durfte.

Wir haben viel über schöne Erinnerungen gesprochen. Gab es auch einen Tiefpunkt?
Kevin Møller: Wir haben Final Fours verpasst, Endspiele im DHB-Pokal verloren und Meisterschaften verkackt. Letztendlich ist es aber so, dass auch Tiefs eine Mannschaft weiterbringen. Tiefs gehören wie Hochs nun einmal zum Sport dazu.

Wen oder was wirst du am meisten vermissen?
Kevin Møller: Da ist in erster Linie, die ganze Atmosphäre um den Verein herum. Es ist ein Familien-Gefühl. Ich werde nicht mehr zum Training der SG kommen und auch nicht mehr die Emotionen erleben, wenn man als Teil der Heimmannschaft in die „Hölle Nord“ einläuft.

Erstellt von ki