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#InTeam
- Das steckt hinter den persönlichen Zahlen

Die Rückennummern

Vor dem Anpfiff zelebrieren die Fans der SG Flensburg-Handewitt die Aufstellung ihrer Mannschaft. Es geht die Reihe durch: zuerst die Rückennummer, dann der Spielername. Handelt es sich bei den Zahlen nur um schlichte Ziffern oder steckt mehr dahinter? Die Redaktion hat die Spieler befragt. Hier das Ergebnis.

Wie kommt Lasse Møller zur recht hohen 64? Das wird sich schon so manch einer gefragt haben. Die Antwort betont die Bedeutung, die die Familie für ihn hat. Sein Vater hatte als Torwart die 16, sein Bruder wählte als Linksaußen die 32, und das SG Rückraumass verdoppelte noch einmal und läuft seither mit der 64 auf. Familiäre Beweggründe haben auch andere SG Akteure. „Die 17 habe ich von meinem Vater, die hat er ewig getragen und ich habe sie von kleinauf übernommen“, verrät Marko Grgic. Domen Novak setzt nun auf die 63, da sein kleiner Sohn am 6. März geboren wurde. Der jüngere Bruder von Patrick Volz hat seinen Geburtstag an einem 28. des Monats. Auch ein schöner Anlass für eine Rückennummer.

Kontanten und Wechselbeziehungen
Für manche Spieler ist die persönliche Zahl fast schon ein Ritual. So kennt man Simon Pytlick nur mit der 2. „Als ich einst zu GOG kam, war ich der größte Junge und mir passte nur das Trikot mit der Nummer 2“, erzählt das Rückraumass mit einem Schmunzeln. Daran sollte sich auch in Flensburg nichts ändern. „Ich wäre natürlich trotzdem gewechselt“, schmunzelt Simon Pytlick. Mit ihm kam 2023 Lukas Jørgensen zur SG. Er war im Januar zuvor erstmals Weltmeister mit Dänemark geworden – mit der 25. Die Freude war beim Kreisläufer groß, dass „seine“ 25 bei der SG noch frei war. Es gibt auch eine Gruppe – eine kleine wohlgemerkt – die nicht so viel mit ihrer Rückennummer am Hut haben. Zum Beispiel: Aksel Horgen. Der norwegische Rechtsaußen spielte schon mit der 2, der 3, der 22 oder der 25 und bei der SG mit der 27. „Vielleicht ist das ja nun meine Nummer auch für die weitere Zukunft“, lächelt der Norweger. Emil Jakobsen sieht es ähnlich, obwohl man ihn seit Jahren nur mit der 31 sieht. „Die hat man mir damals bei GOG gegeben, weil sie noch frei war – und ich habe sie immer behalten“, sagt der Linksaußen.

Von der 16 zur 20
Die Rückennummer wird normalerweise nicht freiwillig gewechselt. Anders war es bei Kevin Møller. Er hütete von 2014 bis 2018 das SG Gehäuse mit der Nummer 16. In jener Zeit debütierte er in der dänischen Nationalmannschaft – mit der 20. Als der Keeper 2021 von Barcelona zurückkehrte, dachte er sich: „Warum sollte ich zwei verschiedene Nummern haben?“ Die Entscheidung fiel für die 20. „Die passte besser, da ich am 20. Juni Geburtstag habe und ich mein erstes Länderspiel an meinem Geburtstag hatte“, erklärt Kevin Møller.

Das „Legenden-Gesetz“
Vom Verein gibt es bei der Wahl der richtigen Nummer zwei Vorgaben: Sie muss frei sein – und sie darf keine der SG Legenden getragen haben. Dabei war einmal nicht aufgepasst worden. 2007 kam der bullige Keeper Dane Sijan als Nachfolger von Jan Holpert zur SG und trug wie die Torhüter-Legende die 12. Glück brachte dieser „Schnitzer“ nicht. Nach nur einer Saison verließ der Serbe wieder die SG. Seither wird das „Legenden-Gesetz“ penibel beachtet. Benjamin Buric war mit der 12 groß geworden, wechselte bei der SG dann zur klassischen Torwart-Nummer: die 1. Blaž Blagotinšek hatte sogar doppeltes „Pech“. Bei seiner letzten Station in Göppingen trug er die 21, im slowenischen Nationalteam setzt er auf die 3. Doch bei der SG stehen beide Zahlen wegen Jacob Heinl und Tobias Karlsson unter Legenden-Schutz. Und die 31 aus Veszprém hatte bereits Emil Jakobsen. Also entschied sich der Kreisläufer für die 43. „Der 4. März ist der Geburtstag meiner Tochter“, verrät Blaž Blagotinšek. Niclas Kirkeløkke veränderte sich wegen Tobias Karlsson von der 3 auf die 5. „Die Zahl hat jetzt keine Bedeutung, sieht aber ganz gut aus“, findet der Linkshänder. Positionskollege Kent Robin Tønnesen hatte früher die 15 oder die 5. Beides ging bei der SG nicht – wegen Lars Christiansen und Niclas Kirkeløkke. Also stieg der Norweger auf die 23 um.

Die Sache mit dem achten Mann
Eine weitere Nummer, die nicht mehr vergeben wird, ist die 8. Sie ist dem „Achten Mann“, dem Publikum, gewidmet. Das erfuhr Johannes Golla sehr hautnah, als er sich 2018 der SG anschloss. Bei der MT Melsungen hatte er nämlich die 8 getragen. „Mir wurde ganz schnell klargemacht, dass die Acht für die Zuschauer reserviert ist“, schmunzelt der Kapitän. Und als er daran dachte, wie einst sein Vater die 3 zu nehmen, lief ihm Tobias Karlsson über den Weg. Da es einstellig sein sollte, wurde es also die 4. Johannes Golla gewöhnte sich so gut an diese Ziffer, dass er sie in die DHB-Auswahl mitnahm.

Die 94 ist ein Rekord
Die Regularien lassen alle Nummern zwischen 1 und 99 zu. Die höchste jeweils im Gebrauch befindliche Rückennummer war die 94 des damaligen Nachwuchskeepers Christopher Rudeck. An der zweiten Stelle steht bereits die 77, die aktuell Luca Witzke genommen hat. „Die 7 ist meine Lieblingszahl, die auch mein Papa früher beim Handball immer getragen hat und die ich bislang die gesamte Karriere hatte“, erzählt der Spielmacher. Doch da gibt es bei der SG natürlich Anders Eggert. So ist die 77 in diesem Fall also als Doppel-Sieben zu lesen. Einer Zahlen-Kollision war Thilo Knutzen frühzeitig ausgewichen. Er hatte nämlich einst auch die 7, entschied sich mit seinem Wechsel zur SG in der A-Jugend für die 34. „Ich war damals ein großer Fan von Aron Palmarsson und habe mir viele Highlight-Videos von ihm angesehen“, erzählt der Youngster. „Ich entschied mich dann für die 34, da drei plus vier ja auch sieben ist.“

Erstellt von ki