Der Legenden-Check

- Lasse Svan testet die LIQUI MOLY HBL

14 Jahre spielte Lasse Svan für die SG Flensburg-Handewitt und war ein Gesicht der LIQUI MOLY HBL. Im Juni beendete der dänische Rechtsaußen seine Karriere und erlebte einen ungewöhnlichen Urlaub. „Ich konnte Dinge machen, die früher nicht möglich waren, da ich trainieren musste“, erzählt der 39-Jährige. Seine Nähe zum Handball hat er indes nicht verloren und machte für die SG den Legenden-Check.

Der Meister-Kandidat
Mit der EHF Champions League kommt auf den SC Magdeburg eine neue Herausforderung zu, aber ich lege mich fest: Die Meisterschaft muss keine Eintagsfliege bleiben. Beeindruckt hat mich die Stabilität. Früher war der SCM oft gut gestartet, doch dann verloren sie plötzlich Punkte gegen Gegner, wo man es gar nicht für möglich gehalten hätte. Viel wurde von Omar Ingi Magnusson und den anderen Rückraumspielern gesprochen, die Magdeburger sind aber auf allen Positionen sehr stark. Lediglich im Tor sehe ich ein Fragezeichen: Ich weiß, wie wichtig Jannick Green für eine Mannschaft sein kann. Damit meine ich nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch die Bedeutung für das Teamgefüge.

Die Mitfavoriten
Die letzten beiden Jahre hatte die SG von der Qualität her den besten Kader überhaupt in den 14 Jahren, die ich dabei war. Das große Verletzungspech stoppte uns. Jetzt sieht es wieder besser aus. Vielleicht ist mein Blick nach den 14 Jahren verfärbt, aber ich sehe die SG als einen der Top-Favoriten. Die Füchse Berlin verpflichteten zwar nur drei Spieler, aber alle drei werden ihren neuen Klub voranbringen. Am besten kenne ich natürlich Mathias Gidsel, mit dem ich zuletzt in der dänischen Nationalmannschaft zusammenspielte.

Die Europa-Anwärter
Beim THW Kiel gibt es zwei große Fragezeichen – und die heißen Sander Sagosen und Hendrik Pekeler. Beide sind Weltklasse, sie sind Führungsspieler und kennen das Spielsystem aus dem Effeff. Doch beide müssen die gesamte Hinrunde ersetzt werden. Deshalb sind die Kieler derzeit kein Top-Favorit. Frisch Auf Göppingen ist traditionell zu Hause sehr stark. Das wird wieder für den vorderen Bereich in der Tabelle reichen. Der SC DHfK Leipzig hat den Glauben an die eigene Stärke und kämpft. Das mag man mögen oder auch nicht, aber die Mannschaft bringt viel auf die Platte. Bei den Rhein-Neckar Löwen müssen sie eine katastrophale Saison verdauen. Und mit Andy Schmid ging der Kopf der Mannschaft verloren. Dennoch glaube ich, dass es wieder aufwärtsgeht und sogar ein Platz im nächsten Europapokal möglich ist.

Die Mitläufer
David Mandic, Ivan Martinovic, Agustín Casado und Aidenas Malasinskas – das sind ja wieder alles tolle Spieler, die die MT Melsungen da holt. An der sportlichen Qualität mangelte es auch in der Vergangenheit nicht. Mein Eindruck ist es, dass es in Melsungen an der nötigen Kultur fehlt. Mit Branko Vujovic und Uladsislau Kulesch konnte die TSV Hannover-Burgdorf zwei Rückraumasse verpflichten, die schon für Kielce in der EHF Champions League spielten. Besonders freut es mich, dass Marius Steinhauser nun endlich die Nummer eins auf Rechtsaußen ist. Wenn bei den Spielern vom HC Erlangen alles passt, dann können sie jedem Gegner eine offene Partie liefern – und dann verfügen sie auch über gute Möglichkeiten, die Favoriten zu schlagen. Bei der HSG Wetzlar hatte man schon häufiger das Gefühl, dass der Verein mitten in einem Umbruch steckt – und dann lief es doch schneller als gedacht. Auch jetzt ist die Fluktuation groß. Dennoch glaube ich, dass sie in Hessen ein gutes Gefühl besitzen, wie sie eine Mannschaft gut zusammenstellen. In der letzten Saison schaffte der HSV Hamburg souverän den Klassenerhalt, nun sollte es einen Schritt vorwärtsgehen. Es gibt zwar einige Abgänge, aber die qualitativen Verluste scheinen mir überschaubar. Beim TBV Lemgo Lippe müssen sie in der nächsten Saison kleinere Brötchen backen. Peter Johannesson, Jonathan Carlsbogard und Bjarki Mar Elisson sind nicht mehr dabei. Dieses Trio trug oft die ganze Mannschaft. 
Dem Bergischen HC ging viel Kompetenz verloren. Unter den Neuzugängen sehe ich durchaus einige interessante Spieler. Das macht Hoffnung, dass der BHC weiterhin von einer starken Defensive leben kann.

Die Kellerkinder
Silvio Heinevetter bringt eine neue Qualität ins Tor, auch Oscar Bergendahl ist ein kluger Schachzug – dennoch glaube ich nicht, dass sich der TVB Stuttgart viel weiter von den Abstiegsrängen entfernt als zuletzt. Ich denke, dass der VfL Gummersbach von den beiden Aufsteigern die besseren Chancen auf den Klassenerhalt hat. Gudjon Valur Sigurdsson macht dort als Trainer einen guten Job. Die Neuzugänge haben alle einen Namen. Ich kann mir gut vorstellen, dass GWD Minden absteigt. Die Neuzugänge sagen mir nichts. Aus langjähriger Beobachtung weiß ich, dass von zwei Aufsteigern eigentlich immer wieder einer sofort absteigt. Ich kann nicht erkennen, dass der ASV Hamm-Westfalen zwei andere Teams hinter sich lassen kann. Die Mannschaft ist doch ziemlich unbekannt.