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#InTeam
- SG Kreisläufer Adin Faljić im Portrait

Bosnische Handball-Tradition

Seit Februar hat die SG Flensburg-Handewitt einen neuen Spieler in ihren Reihen. Adin Faljić soll bis Juni aushelfen und ist neben Benjamin Burić nun der zweite Bosnier. Nach den Anfängen in seiner Heimat und vier Jahren beim RK Zagreb hat der 25-jährige Kreisläufer erstmals in seiner Karriere den Balkan verlassen.

Die Unterkunft im hohen Norden ist sehr funktional. In der Flensburg Akademie hat Adin Faljić ein Appartement bezogen. Nur ein paar Treppenstufen abwärts befindet sich ein Fitnessstudio, nicht weit entfernt liegt die Duburghalle, in der die SG immer trainiert. „Das ist alles sehr praktisch“, sagt der Neuzugang. „Ich will mich hier voll auf Handball konzentrieren.” Besonders viel Zeit seine neue Wahlheimat zu erkunden, hatte der Bosnier noch nicht. Erste Eindrücke hat er aber bereits gewonnen. „Flensburg ist klein und niedlich“, findet Adin Faljić. „Es ist hier alles nicht so hektisch, und ich liebe das Meer.“ Als gastfreundlich und zuvorkommend hat er die Menschen kennengelernt. Das gilt ganz besonders für das Restaurant „Macedonia“, das sich rasch zum persönlichen Lieblingsort entwickelt hat. Gerichte vom Balkan und die Sprache wecken Heimatgefühle in einer Phase, in der viel Neues auf den Handballer einprasselt. Schön, dass mit Benjamin Burić ein Landsmann im Team steht. „Er ist bereit zu helfen und fragt mich auch, ob ich etwas benötige“, sagt Adin Faljić mit dankenden Worten. Im Moment unterhält er sich auf Englisch und Bosnisch. „Deutsch verstehe ich zu 75 Prozent“, verrät er. „Mit dem Sprechen wird es aber noch etwas dauern. Ich hatte Deutsch in der Schule, aber das ist inzwischen sechs Jahre her.“

Bosnische Stadt mit Handball-Tradition
Adin Faljić stammt aus Zavidovići, einer Kleinstadt im Herzen von Bosnien-Herzegowina. Die Statistik zählt knapp 40.000 Einwohner, doch viele arbeiten im Ausland. „Zu normalen Zeiten ist es eine leere Stadt“, erzählt er. „Aber zum Sommerurlaub kommen alle nach Hause.“ Im Umland gibt es viele Wälder, sodass die Holzindustrie in Zavidovići fest verankert ist. Eine große Tradition hat auch der örtliche Handball-Verein RK Krivaja, der sich seit Dekaden in der Erstklassigkeit tummelt. Von 1968 bis 1970 trainierte sogar einmal ein gewisser Vlado Stenzel das Team. Eine knappe Dekade später wurde dieser mit der DHB-Auswahl Weltmeister. „Bei uns gibt es Handball – und dann lange nichts“, sagt Adin Faljić. In Zavidovići ist der Handball das Gesprächsthema auf den Straßen. Das bestätigte auch eine Begebenheit vor anderthalb Jahrzehnten. Ein zwölfjähriger Junge war auf dem Weg von der Schule nach Hause. Auf der Terrasse eines Lokals unterhielten sich einige Männer und blicken auf ihn. Wie groß mag er sein? Er ist ja schon recht groß und kräftig, wohl bestimmt Jahrgang 1998? Der angesprochene Junge antwortete schüchtern: „Ich bin Jahrgang 2000.“ Die Männer staunten. Dann stellte sich einer vor. „Ich bin Jugendtrainer RK Krivaja“, sagte er. „Möchtest du nicht zum Handball kommen?“ Adin Faljić nahm die Einladung nicht sofort an, aber als einige Schulfreunde zum Handball wollten, kam er einfach mit. Er war etwas größer als die anderen – und stand deshalb schon damals im Abwehrzentrum und am Kreis.

Entscheidung für den RK Zagreb
Die Männer vom RK Krivaja sind derzeit Elfter in der bosnischen Liga – weit entfernt von einem europäischen Wettbewerb. Spätestens als Adin Faljić 2020 sein erstes Länderspiel bestritt, hatte er andere Ziele. Der RK Zagreb wurde auf ihn aufmerksam, doch zunächst wollte er die Schule beenden. Dann wurde Ivica Obvran in Personalunion Coach des bosnischen Nationalteams und vom RK Zagreb. Er sprach mit Adin Faljić über sein Interesse sowie über die Perspektiven und die Möglichkeiten in der kroatischen Hauptstadt. Das Angebot reizte, er musste sich aber auch einen Ruck geben. „Es war das erste Mal, dass ich so weit von zu Hause weg war und allein wohnte“, erinnert er sich. „Außerdem kam ich in eine Mannschaft mit einigen Stars. Die ersten zwei Jahre waren schwierig, dann hatte ich mich akklimatisiert.“ Und wenn mal zwei oder drei Tage frei waren, legte er die 300 Kilometer zurück, um seine Eltern, die Schwester und Freunde zu sehen. Mit dem RK Zagreb wurde Adin Faljić vier Mal kroatischer Meister. In der EHF Champions League reiste er nach Kiel, Magdeburg und Berlin. Mit der bosnischen Nationalmannschaft spielte er bei der Europameisterschaft 2024 in Mannheim.

Der Weg zur SG
Jetzt hat er eine weitere deutsche Arena, nämlich die „Hölle Nord“, bestens kennengelernt. „Bei dieser Stimmung hat man ein Gefühl, dass man gar nicht verlieren kann“, sagt der 25-Jährige. „Das Publikum ist wie ein achter Mann.“ Schnell verstand er, dass er die Nummer acht nicht bekommen kann. Deshalb trägt der Kreisläufer nun die 19 auf dem Trikot. Noch vor wenigen Monaten hätte er nicht gedacht, dass er plötzlich in der „stärksten Liga der Welt“ ankommen würde. Ende Januar meldete sich die SG in Person von Aleš Pajović. Dann entschied sich Adin Faljić ganz schnell. In Flensburg registrierte er, wie sich Zagreb aus der EHF Champions League verabschiedete, während er in der EHF European League weiter international mitmischt. „Die Mannschaft hat so viel Potenzial, wir können einen Titel gewinnen“, glaubt er. Die DAIKIN HBL hat der Kreisläufer schnell als wesentlich stärker als die Liga in Kroatien wahrgenommen. „Das ist ein Unterschied wie Boden und Himmel“, sagt er. „Vor jedem Gegner muss man Respekt haben und sich für jeden Gegner ähnlich vorbereiten – egal ob Berlin oder Leipzig.“ Bis Juni stellt sich Adin Faljić dieser Herausforderung. „Was dann kommt, sehen wir dann“, betont er. „Im Moment ist die SG mein Verein“. In jedem Fall geht es im Sommer nach Hause – nach Zavidovići.

Erstellt von ki