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Karlsson
Grenzenlose Leidenschaft

25.06.2006 -Vor 25 Jahren: 30 Sekunden vor Schluss platzte der Bundesliga-Traum

War es Walter Don, Predrag Timko oder Diethard Finkelmann – die Meinungen gehen 25 Jahren nach den dramatischen Bundesliga-Aufstiegsspielen zwischen der SG Weiche-Handewitt und den Reinickendorfer Füchsen auseinander. „Da ist uns ein Ei reingerollt“, erinnert sich der einstige SG-Regisseur Holger Thiesen. „Der Ball ging irgendwie durch die Abwehr.“ Und der damalige Trainer Wilfried Tetens sieht immer noch in roten Ziffern „59:30“ vor sich. In diesem Augenblick markierten die Berliner das 10:13 und zerstörten alle Hoffnungen der Nordlichter.
Die aus allen Nähten platzende Wikinghalle hatte am 9. Mai 1981 auf jeden Fall einen Krimi erlebt, mit dem nach dem 11:15 im Berliner Hinspiel niemand mehr gerechnet hatte. „Wir hatten damals fünf Siebenmeter nicht verwandelt“, berichtet Wilfried Tetens und urteilt im Rückblick: „Das war eigentlich schon der Verlierer.“ Die Experten waren sich einig: Die Reinickendorfer Füchse, gefördert von einem Mäzen aus der Baubranche, konnten rein nominell den stärkeren Kader aufbieten.
Dennoch war die Tour nach Berlin ein besonderes Erlebnis. So lernte man auf der Rückfahrt die Tücken des Transits durch die DDR kennen. Auf einem Rastplatz wurde plötzlich Klaus-Peter Alwardt vermisst. Der Linkshänder hatte sich zu weit vom SG-Bus entfernt und war in die Fänge der Volkspolizei geraten. Der gesamte Tross musste nun schärfste Kontrollen über sich ergehen lassen. Zwei Stunden verstrichen bis zur Weiterfahrt ins Land. Gewöhnungsbedürftig waren auch die Schlagzeilen in der Berliner Presse. „Die Reinickendorfer schlugen den brutalen Nordmeister“ hieß es beispielsweise. Oder: „Einige Weiche-Spieler haben ihre Härte mit schauspielerischen Leistungen übertüncht.“
SG-Coach Wilfried Tetens brauchte sein Team nicht mehr zu motivieren. Die Situation vor der zweiten Partie war sehr angespannt. „Schon im Kabinengang gab es halbe Schlägereien“, erinnert sich Rechtsaußen Holger Hinrichsen. Die Partie selbst war denkwürdig. In einer sehr torlosen Angelegenheit (Holger Thiesen: „Unser Torwart Nana Schmidt hielt göttlich!“) lag die SG fast ständig vorne. Zehn Minuten vor Schluss führten die Hausherren aber nur mit 10:9. Dann traf Holger Thiesen, ehe der große Auftritt von Dierk Schmäschke folgte. „Ich wurde eingewechselt und machte gleich zwei ganz wichtige Tore“, läuft dem damaligen Linksaußen auch 25 Jahre nach diesem Husarenstreich noch die Freude über das Gesicht. 13:9!
Das Ende ist bekannt: Die Berliner erzielten noch einen Treffer, die SG-Akteure sackten enttäuscht zu Boden. „Das war für mich wie ein Ko-Schlag – die Niederlage schlechthin“, berichtet der damalige Kapitän Uwe Naffin von frustrierenden Augenblicken. „Ich habe noch in der Nacht meinen Rücktritt erklärt.“ Es dauerte seine Zeit, bis ihn SG-Manager Manfred Werner vom Weitermachen überzeugt hatte. Andere hatten das bittere „Aus“ schneller verkraftet. Holger Thiesen: „Man hat noch mit den Füchsen gefeiert.“

Mit dieser Mannschaft griff die SG Weiche-Handewitt
erstmals nach den Bundesliga-Sternen.

Von: ki