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24.06.2010 -Das "Rote Sofa": Handball-Stars plaudern über Persönliches

Das „Rote Sofa“ ist eine Rubrik im Hallen-Magazin KONTER. Handball-Stars verraten Zita Newerla, was sie auf und außerhalb des Spielfeldes beschäftigt, bewegt, motiviert, nervt, zum Weinen oder zum Lachen bringt.  
(Ein Gespräch aus der Rückrunde)


Folge 45: Daniel Stephan
Die Liste der Trophäen aus deiner aktiven Karriere ist lang. Als Spieler des TBV Lemgo hast du mit deinem Team mehrmals die Meisterschale und den DHB-Pokal auf dem Rathausplatz in die Menge halten können. Mit der deutschen Nationalmannschaft hast du etliche Medaillen gewonnen. Auch persönlich bist du mehrfach ausgezeichnet worden, dreimal warst du „Handballer des Jahres" in Deutschland, 1998 kürte man dich sogar zum Welthandballer. Wie viel Platz hat Handball heute noch in deinem Leben?
Daniel Stephan: Als Spieler stand für mich Handball ganz klar als Nummer eins im Vordergrund, aber auch heute bin ich diesem Sport verschrieben!  Als Sport1-Experte war ich in der Bundesliga-Hinrunde elf Mal in elf verschiedenen Hallen im Einsatz. Das macht einfach nur Spaß. In der Regionalliga trainiere ich zwar immer noch fleißig mit, aber auch Abschalten kann ich ganz gut mit Krafttraining oder Laufen...

Du schaltest mit Sport vom Sport ab?
Daniel Stephan: Ja, das mache ich manchmal. Aber nicht nur. Oft gehe ich essen oder treffe Freunde.


Mehrere „große“ Spieler deiner Generation arbeiten für unterschiedlichen TV-Sendern als Experten. Wenn du deine Freunde Stefan Kretzschmar, Frank von Behren oder Markus Baur hörst, bewertest du sie in ihrer neuen Funktion?
Daniel Stephan: Klar, höre ich mir an, was sie erzählen. Aber es findet keine Bewertung, geschweige denn Konkurrenz, unter uns statt. Über Versprecher lache ich mich allerdings immer schlapp! Am häufigsten über meine eigenen. (lacht)

Was war dein peinlichster Versprecher?
Daniel Stephan: Das weiß ich nicht mehr so genau. Ganz peinlich fand ich, als ich die Außenspieler des HSV mal ganz groß loben wollte und mir der Name von Hans Lindberg einfach nicht einfiel...

Seit über elf Jahren bist du für das DSF – inzwischen Sport1– im Einsatz. Du bist im Handball so etwas wie der Prototyp eines TV-Handball-Experten. Wenn das dein größter Fauxpas ist, dass dir der Name mal nicht einfiel...
Daniel Stephan: Du, das war mir ganz schön peinlich!


Stefan Kretzschmar ließ mal als Experte ein Spruch über seinen Kumpel Christian Zeitz los. Er hätte paar Kilos zu viel. Alle Zuschauer fanden es witzig außer Christian Zeitz. Du kennst viele Spieler auch persönlich sehr gut. Gibt es als Experte Tabus?
Daniel Stephan: Natürlich! Private Deutungen versuche ich immer zu vermeiden. Die halte ich auch für überflüssig. Obwohl ich mit vielen Spielern befreundet bin und sicherlich viele Sachen über meine Freunde auch weiß, meine ich, bis jetzt noch keine Grenze überschritten zu haben.

Wer sind für dich – als Experte – die drei größte Persönlichkeiten des deutschen Handballs?
Daniel Stephan: Auf der ersten Stelle steht ganz klar Heiner Brand. Er war nicht nur als Spieler erfolgreich, er hat als Nationaltrainer die deutsche Handballkultur maßgeblich mitgestaltet. Auch Stefan Kretzschmar ist so eine Figur. Er hat mit seinem Image unseren Sport auch außerhalb der Handballhallen bekannt gemacht. Als dritten würde ich Jo Deckarm nennen. Er ist ein großer Sportler mit einem bewegenden Schicksal, einfach ein unglaublicher Kämpfer! 

Du bist trotz Karriere-Ende ein sehr begehrter Spieler bei Abschieds- und Benefizspielen. Kannst du dir ein Comeback a la Xepkin vorstellen?
Daniel Stephan: Lustiger Weise bekomme ich immer wieder Angebote als Spieler. Aber die Zeiten sind für mich vorbei. Ich freue mich, dass ich mich auf der „Platte“ würdig, mit einer guten Abschluss-Saison verabschieden konnte. Ich war Sportlicher Leiter eines Teams,  ab diesem Sommer mache ich meine A-Lizenz als Trainer, aber auch Verbandsarbeit fände ich interessant. Ich glaube, meine Zukunft werde ich nicht in kurzen Hosen gestalten. (lacht)

Da fällt mir ein lustiges Gespräch zwischen Markus Baur und dir ein. Ihr habt kürzlich verglichen, wer wie viele Kilos zunahm, was an Muskeln inzwischen abgebaut wurde? Geht es bei solchen Gesprächen um Kondition oder um Eitelkeit?
Daniel Stephan: Wir ziehen uns einfach gerne auf! Es ist immer lustig, dem anderen noch einen mitgeben zu können, worüber er sich ärgert. (lacht) Aber ich denke, wir beide wollen in erster Linie wegen der Kondition beim Sport gut aussehen.

Seit Januar hast du eine eigene Homepage. Dort sagst du, deine Schwäche wäre „Aufgaben aufzuschieben“. Was schiebst du aktuell vor dir hin?
Daniel Stephan: Auf meiner Homepage erfahren die Fans viele private Dinge über mich. Das „Aufschieben“ stimmt auch. (lacht) Allerdings sind es kleine und eher unwesentliche Dinge, die ich vor mir hinschiebe, wie zum Beispiel den Müll runter tragen...  Letztens dachte ich: Ah, den Rasen kann ich auch nächste Woche mähen, der läuft doch nicht weg...


Auf deiner Internetseite erzählst du auch über Rituale. Du sollst als Letzter die Kabine verlassen haben. „Blacky“ Schwarzer hatte doch die gleiche Marotte. Habt ihr euch darum geprügelt, während ihr zusammen gespielt habt? Wer war denn nun der Letzte?
Daniel Stephan: Es war ein gemeinsames Ritual von uns. Das haben wir sowohl bei der Nationalmannschaft, als auch während der gemeinsamen Zeit in Lemgo so gemacht. Es waren immerhin sechs Jahre. Solche gemeinsame Rituale, wie als Gespann aus der Kabine zu kommen, geben einem Kraft und Sicherheit. Daran erinnere ich mich noch gerne zurück!

Kommentatoren dürfen nicht parteiisch sein. Dürfen es Experten?
Daniel Stephan: Auf gar keinen Fall! Man hat immer Sympathien für Mannschaften, die allerdings beim Zuschauer nicht rüber kommen dürfen. Das wäre auch den Fans gegenüber nicht fair. Außerdem ist Einseitigkeit total langweilig!

Okay. Und wenn du privat vor dem Fernsehen sitzt? Für welche Mannschaft schlägt dein Herz?
Daniel Stephan: Für den 1.FC Köln! (lacht) Und damit habe ich es schon schwer genug!

Ich habe nur noch eine Frage.
Daniel Stephan: Und die wäre?

Stimmt es, dass du auf Schlager stehst?
Daniel Stephan: Natürlich höre ich auch andere Musik. Aber auch mit Schlagern kann man sehr viel Spaß haben. Das kannst du mir glauben!

  

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Von: Zita Newerla