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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Zum Sieg gezittert

07.03.2012 -TOYOTA Bundesliga: Erster Auswärtssieg 2012 – 26:24 in Wetzlar

Die SG Flensburg-Handewitt ist mit einem blauen Auge davongekommen. In der Schlussphase rettete sie bei der HSG Wetzlar einen 26:24 (15:14)-Erfolg. Dank des ersten Auswärtssiegs 2012 bleibt die SG vor dem Nordderby am Samstag auf Tuchfühlung zum Bundesliga-Treppchen. „Es gibt Tage, an denen zählt nur eines", sagte ein erleichterter SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Und das sind zwei Punkte."

Es erinnerte ein wenig an ein Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel, was sich in der gut gefüllten Rittal-Arena bot. Mal führten die Gastgeber, mal die SG. Die Gäste gerieten schon im ersten Durchgang mehrfach in Verlegenheit, lagen nach 16 Minuten mit 6:9 im Hintertreffen. Pech hatte Michael Knudsen, der einen Schlag an den Kopf bekam und länger behandelt werden musste. Erst nach der Pause konnte der Däne wieder einsteigen.

Besonders heikel eine Situation nach knapp 20 Minuten. Bei einem Siebenmeter traf Adnan Harmandic den SG-Keeper Mattias Andersson voll im Gesicht. Der Wetzlarer wurde für diese Unsportlichkeit disqualifiziert. Die SG kam nun besser in die Partie. Der eingewechselte Petar Djordjic glich zum 11:11 (24.) aus. Am besten funktionierte aber die rechte Angriffsseite. Holger Glandorf und Lasse Svan Hansen erzielten allein im ersten Durchgang elf stolze Tore. 

Beim 12:14 hatte die SG das Blatt komplett gewendet. Wetzlars Trainer Gennadij Chalepo nahm seine Auszeit. Sein Team stimmte sich noch einmal auf die letzten Sequenzen der ersten Hälfte ein. Den Hessen gelangen in Überzahl zwei Treffer, aber einmal düpierte auch Lasse Svan Hansen die gegnerische Abwehr. Petar Djordjic, Thomas Mogensen und Holger Glandorf bildeten nach dem Seitenwechsel die SG-Rückraumachse. Diese übernahm Verantwortung: Zwei Mal Thomas Mogensen und zwischendurch Petar Djordjic besorgten das 15:18. Hinten half Mattias Andersson. Der verletzte Jacob Heinl notierte auf der Bank etliche Paraden. „Mattias hat überragend gehalten", lobte Ljubomir Vranjes.

Dann schlichen sich in der Offensiv-Abteilung zu viele Fehler ein. Wetzlar egalisierte, Lars Kaufmann kehrte kurzfristig zurück. Michael Knudsen setzte sich mit dem Rücken zum Tor durch und netzte ein. 18:19! Kurz darauf startete Thomas Mogensen zum Gegenstoß, den Holger Glandorf abschloss. Wieder eine Zwei-Tore-Führung! Aber es blieb spannend. Wetzlar antwortete zum 20:20, und Thomas Mogensen kassierte eine unberechtigte Zeitstrafe. Die überstand die SG zum Glück schadlos.

Kurz danach entdeckte Philipp Müller allerdings die Lücke in der SG-Deckung und brachte die Gastgeber beim 21:20 erstmals seit Langem wieder in Führung. Und es waren nur noch zwölf Minuten zu spielen. Lars Friedrich erhöhte weiter. Die SG wackelte wie zuletzt in Melsungen kräftig. In Überzahl markierte Petar Djordjic das 23:24. Die SG ging als das führende Team in die letzten fünf Minuten. Die begannen mit einer Hiobsbotschaft: Tobias Karlsson bekam eine unglückliche, dritte Hinausstellung aufgebrummt und brach aus der SG-Abwehr heraus.

Es war ein Drahtseilakt. Wetzlar jubelte sich zum 24:24, Holger Glandorf antwortete trocken. Georgios Chalkidis unterlief ein Missgeschick: Er sollte als siebter Feldspieler mitwirken, zog sich das Leibchen aber erst auf dem Spielfeld über. Zwei Minuten! Wetzlar reagierte nicht geschockt und holte Siebenmeter und eine Zeitstrafe gegen Lars Kaufmann heraus. Noch 50 Sekunden, als Mattias Andersson abtauchte und mit seinem linken Fuß den Wurf von Kevin Schmidt parierte. „Gegen so einen Gegner zählt jede Kleinigkeit", ärgerte sich der gesperrte ehemalige SG-Akteur Andrej Klimovets.

Die SG ließ sich mit ihrem letzten Angriff Zeit, Ljubomir Vranjes streute ein Team-Time-Out ein. Lasse Svan Hansen bewies Nervenstärke und verwandelte zum 24:26. In den letzten Sekunden bestimmten jubelnde SG-Arme die Szenerie. Stille in der Rittal-Arena, in der der Siegestanz der Nordlichter der einzige akustische Ausbrecher war. „Es war das erwartet harte und enge Spiel", bilanzierte Ljubomir Vranjes. „Aber wir haben gewonnen und können uns nun voll auf Hamburg fokussieren."

 

HSG Wetzlar – SG Flensburg-Handewitt 24:26 (14:15)
HSG Wetzlar: Marinovic (ab 27.), Weber – Schmidt (4/1), Valo (3), Jungwirth, Mraz (1), Müller (3), Chalkidis (1), Fäth (2), Harmandic (1), Friedrich (1), Kristjansson (5), Hahn (3)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson – Karlsson, Eggert (3/2), Glandorf (7), Mogensen (2), Svan Hansen (8), Djordjic (3), Mocsai, Szilagyi, Kaufmann, Knudsen (3)
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Raguhn); Zeitstrafen: 8:14 Minuten (Chalkidis 4, Müller 2, Schmidt 2 – Karlsson 6, Kaufmann 4, Mogensen 2, Knudsen 2); Rote Karten: Harmandic (20., Unsportlichkeit) und Karlsson (56. dritte Hinausstellung); Siebenmeter: 4/1:2/2 (Harmandic, Kristjansson und Schmidt scheitern an Andersson); Zuschauer: 3698
Spielverlauf: 0:1 (4.), 3:1 (7.), 3:5 (11.), 7:5 (14.), 9:6 (16.), 9:8 (19.), 11:9 (22.), 11:11 (24.), 12:12 (26.), 12:14 (29.), 13:15 (30.) – 15:16 (35.), 15:18 (37.), 18:18 (42.), 18:20 (44.), 22:20 (50.), 22:22 (52.), 23:22 (53.), 23:24 (55.), 24:24 (58.), 24:25 (59.)

Von: ki