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Das Portrait der Woche

03.04.2019 -Gøran Søgard Johannessen: Amazonas, Kochen und Musik

Gøran Søgard Johannessen ist auf dem Weg einer der besten Handballer Europas zu werden. Der 24-Jährige ist aber niemand, der nur schmalspurig an seinen Sport denkt, sondern pflegt auch andere Interessen.

Stavanger zählt zu den Handball-Wiegen Norwegens. Gøran Søgard Johannessen begann dort bereits im zarten Alter von sechs Jahren, und zwar beim kleinen Klub Forus og Gausel IL. Seine erste Trainerin war seine Mutter und entscheidend für die ersten Schritte einer zunächst zarten Karriere. „Ich wollte eigentlich nur Fußball spielen, aber meine Mutter war eine leidenschaftliche Handballerin und wollte unbedingt, dass ich auch ihren Sport ausprobiere – heute muss ich mich bei ihr bedanken.“ Er macht das, indem er bei der SG mit dem Schriftzug „Søgard“, dem Familiennamen seiner Mutter, aufläuft. Dieser wird aufgrund eines Fehlers in seinem Pass als zweiter Vorname geführt, sodass auf den offiziellen Spielberichten von Welt- oder Europameisterschaften immer nur „Gøran Johannessen“ auftaucht.

„Der Blaue Planet“
Der junge Norweger blieb dem Handball treu, galt aber lange nicht als ausgewiesenes Talent – wohl auch weil er teilweise ganz andere Interessen hatte. Zum Beispiel die Geographie: Filme wie „Der Blaue Planet“ faszinierten den Jungen, der alle Hauptstädte und Fahnen der Welt kannte. Noch heute ist es für Gøran Søgard Johannessen kein Problem, selbst die Nationalflaggen so exotischer Länder wie Kiribati zu beschreiben. Und schon jetzt weiß er: „Wenn ich mal 35 Jahre alt bin und kein Handball mehr spielen werde, dann möchte ich am liebsten die ganze Welt bereisen.“ Den Anfang sollen die Regenwälder des Amazonas und Vietnam machen.

Drei Jahre in Dänemark
Mit 21 Jahren beriet sich der Handballer mit seinem Berater über seinen weiteren sportlichen Werdegang. Viking Stavanger fehlte das Geld für große Sprünge, während Gøran Søgard Johannessen internationale Ambitionen hegte. Drei Jahre in Dänemark, um sich dort für die Bundesliga oder Frankreich zu empfehlen – so lautete die Marschroute. Der Zufall wollte es, dass in seinem fünften Länderspiel Norwegen auf Dänemark traf. Etliche Vereinsmanager saßen auf der Tribüne, Gøran Søgard Johannessen erhielt mehrere Einladungen. „Bei GOG hatte ich das beste Bauchgefühl“, erinnerte er sich. „In Odense hatte ich dann auch zwei richtig gute Jahre.“ Im Herbst 2017 landete eine Anfrage der SG auf dem Tisch. Der Profi berichtet: „Die Alternativen waren klar: ein weitere Saison bei GOG oder nach Flensburg. Hätte ich nein gesagt, dann hätte ich vielleicht drei oder fünf Jahre warten müssen, bis die SG wieder einen Spielmacher suchen würde.“ Seine Entscheidung ist bekannt. Nun lebt er in einer überschaubaren Stadt, die mit seinem Hafen durchaus an Stavanger erinnert.

Starke Dynamik: Gøran Søgard Johannessen.

Englische Musik der 80er Jahre
Gøran Søgard Johannessen frühstückt gerne im „Roten Hof“ mit einigen Teamkameraden, besucht das „Café Isa“ in der Norderstraße, schätzt aber vor allem die Zeit in seiner Innenstadt-Wohnung. Er hat einen Plattenspieler und eine Vorliebe für englische Musik der 80er Jahre. „The Smiths“ oder „The Cure“ zählen zu den Favoriten. „Ich stehe mehr auf Bands und richtige Instrumente“, sagt der 24-Jährige. „In der heutigen Musik steckt zu viel Elektronik, und auf der Bühne stehen nur noch DJs.“ Während die Songs laufen, ist Gøran Søgard Johannessen oft in der Küche. Einst hatte er eine Kochschule besucht, dachte daran, einmal in Restaurants feine Gerichte zuzubereiten. Die Handball-Karriere machte einen Strich durch diese Rechnung, aber die Gourmetküche blieb ein treues Hobby. Manchmal verwöhnt er die Familie.

Der Pechvogel des letzten Jahres
Inzwischen ist das Pech der Hinrunde vergessen. Im Juli, kaum in Flensburg eingetroffen, musste Gøran Søgard Johannessen wegen einer Blessur am Sprunggelenk unters Messer, brach sich zusätzlich bei einem Autounfall die Nase. „Ausgerechnet, als es darum ging in das komplexe System von Maik Machulla zu kommen“, zuckt der Norweger noch immer ungläubig mit der Schulter. „Die anderen spielen und trainieren, man selbst schaut nur zu – das war schwer für den Kopf.“ Früher als erwartet, Mitte Oktober, kehrte Gøran Søgard Johannessen auf das Spielfeld zurück. Nach sechs Wochen das nächste Missgeschick: ein Daumenbruch. „Da dachte ich“, so der Handballer, „dass ich zehn Spiele mit der SG und die Weltmeisterschaft verpasse.“ Doch rechtzeitig zum Großturnier sprang der Spielmacher auf den norwegischen WM-Zug auf und gewann Silber.

Von: ki