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Was macht eigentlich?

06.03.2019 -Frode Scheie: Sein Sohn spielt für die SG

Frode Scheie ist mal wieder in Flensburg. Der Norweger mag es gerne auch mal etwas Deftiger auf dem Essensteller und besucht mit seinem Sohn Leander die Gastronomie „Hansen´s Brauerei“. Hier aß er häufiger, als er zwischen 2001 und 2003 das Gehäuse der SG Flensburg-Handewitt hütete.

Zumeist war er in Begleitung von Mannschaftskapitän Jan Fegter und Torwart-Kollege Jan Holpert, mit dem der Norweger auch mal zum Angeln ging. „Zwischen uns herrschten keine Spannungen“, erzählt Frode Scheie. „Holpi war ein verdammt starker Torwart, und wir haben uns gegenseitig respektiert.“ Der Norweger fügte sich zum Ausklang seiner Karriere in die Rolle als Schlussmann Nummer zwei.

Vater trainierte den Sohn
Heute taucht der 51-Jährige wieder häufiger in der Fördestadt auf. Sein Sohn Leander trägt seit Sommer das Trikot der SG. Ihn hatte er fünf Jahre lang in Drøbak, unweit von Oslo, trainiert. Aber im kleinen Verein ohne A-Jugend und einer nur unterklassigen Männermannschaft fehlten die Perspektiven. Auch die Situation in der Region stimmte nicht zuversichtlich. „Im Alter zwischen elf und 18 Jahren gehen bei uns 90 Prozent der Handballer verloren“, klagt Frode Scheie.

Kontakt mit der Flensburg Akademie
Also schielte der Vater nach Deutschland, suchte dort nach den besten Trainingsbedingungen für seinen Filius. Er kontaktierte Eisenach und Berlin. Auch bei der Flensburg Akademie landete eine Anfrage. Was er nicht ahnte: Ein alter Bekannte sichtete die formale E-Mail, denn Jan Holpert betreut nun die SG Nachwuchskeeper. Gleich wurde es persönlicher. Leander Scheie erhielt ein Zimmer im Internat, besucht nun die Schule im dänischen Apenrade und ist in der A-Jugend erste Wahl. Das 17-Jährige Talent sammelte aber auch schon im Junior-Team in der dritten Männer-Liga Spielpraxis.

Der TV-Experte
Senior Frode schaut zwei Mal im Monat einige Tage vorbei. „Ich komme immer mit dem Auto über die Brücken am Öresund und am Großen Belt“, schmunzelt er. „Schließlich muss ich immer ein paar Dinge für die Lieben daheim mitnehmen.“ In Deutschland ist der Alltag nun einmal günstiger als im Hochlohnland Norwegen. Aus seiner Heimat hat er die DKB Handball-Bundesliga, in der er von 1996 bis 2003 selbst spielte, fest im Blick. Über die Taktik der Bundesligisten kann Frode Scheie reichlich erzählen. „Ich sehe viele Spiele.“ Als Kommentator, muss man ergänzen. Der norwegische Sender „Viasat“ zeigt viel Handball. Nicht nur die Spiele von Elverum, sondern auch wenn Flensburg auf Skjern oder Magdeburg trifft.

DHB-Pokal 2003. Fotos: Ki

Geschäftsführer eines Golfclubs
Schon wenige Monate nach seinem Karriereende berief das norwegische Fernsehen den 124-maligen Nationalkeeper zum TV-Experten. Sein Debüt feierte er ausgerechnet beim Champions-League-Finale 2004 zwischen der SG und Celje. Seitdem hat er alle EM- und WM-Turniere bei den Frauen wie auch bei den Männern miterlebt. 30 an der Zahl. Der TV-Handball ist nur ein Nebenjob. Hauptberuflich ist Frode Scheie heute Geschäftsführer („Daglig leder“) des 2000 Mitglieder starken Golfvereins Grönmo Golfklubb. 14 Angestellte sind ihm unterstellt. Schon zu SG Zeiten hatte der Torwart seiner Golf-Passion nachgeeifert, war mit dem Teamkollegen Bogdan Wenta häufiger auf den Plätzen der Region und verbesserte sein Handicap auf sieben. Später war er sogar einige Jahre Sportchef des norwegischen Golfverbandes, der Input aus anderen Profisportarten wünschte.

Die Handball-Karriere
Die meiste Zeit seines Lebens war der Handball seine Sportart Nummer eins. Über Hameln und Nordhorn gelangte Frode Scheie nach Eisenach. Er wurde Kapitän, und befand sich in Gesprächen über einen Fünf-Jahres-Vertrag. Manager Thomas Dröge ließ allerdings einen Termin platzen. Kurz darauf bekam er vom Torwart einen Korb: „Flensburg hat sich gemeldet, darüber muss ich nachdenken.“ Schließlich zog der Profi zusammen mit seiner Ehefrau Ine Beate sowie den kleinen Kindern Leander und Othilie – die Tochter Eleah wurde später geboren – von der Wartburg in ein Haus in Handewitt. 2003 glückte mit dem DHB-Pokal sein größter Erfolg im deutschen Vereinshandball. Kurz darauf endete seine zweijährige SG Ära. Heute sitzt Frode Scheie hin und wieder auf der Tribüne der Handewitter Wikinghalle und beobachtet seinen Sohn. Als Statistik-Freak notiert er alle Paraden und Gegentreffer von Leander und entwirft daraus ein Schema.

2003: Frode Scheie mit Tochter Othilie und Johnny Jensen. 

Von: ki