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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Tolle Revanche in Kassel

11.05.2016 -DKB Handball-Bundesliga: 32:25 – die SG stürmt auf Rang zwei

Der Abend war ganz nach dem Geschmack der SG Flensburg-Handewitt: Zum einen revanchierte sie sich für die Hinspiel-Niederlage und behauptete sich bei der MT Melsungen mit 32:25 (19:14). Dann schoben sich die Nordlichter in der DKB Handball-Bundesliga auf den zweiten Rang, da der THW Kiel beim SC Magdeburg mit 28:29 verlor, und sicherte sich damit endgültig das Ticket für die nächste VELUX EHF Champions League. „Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, sagte ein hochzufriedener SG Coach Ljubomir Vranjes. „Nach 54 Pflichtspielen war das eine sehr gute Leistung bei einem schweren Gegner.“

Der zuletzt lädierte Oberschenkel behinderte ihn nicht mehr: Holger Glandorf suchte in der Anfangsphase die Lücken in der Melsunger Deckung und fand sie beim 1:1 erstmals. Neben ihm standen zunächst Thomas Mogensen und Jim Gottfridsson im Rückraum. Mattias Andersson kam gut in die Partie. Aus seiner dritten Parade zündete ein Gegenstoß, den Kentin Mahé zum 2:3 abschloss. Der Franzose besetzte zunächst die Linksaußen-Position. Die SG begann gut, manchmal fehlte aber das eiskalte Vollstrecken – gerade in Überzahl-Situationen. So freuten sich die Heim-Fans in der Rothenbachhalle, die sich aufgrund der Wärme als „heißes Pflaster“ entpuppte, zunächst häufiger über einen Melsunger Vorsprung. Gerade Momir Rnic kam wiederholt zum Wurf und markierte auch das 7:6. Einen guten Drang gen Gehäuse hatte Thomas Mogensen, der für den postwendenden Gleichstand sorgte. Mattias Andersson hielt, Holger Glandorf donnerte durch die MT-Defensive und verwandelte zum 7:8. Beide Spitzen-Teams drückten kräftig auf die Tube, schenkten sich nichts, sodass sich zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen entwickelte.

Thomas Mogensen war sehr zielstrebig.

Die SG präsentierte sich sehr variabel: Jim Gottfridsson und der eingewechselte Johan Jakobsson trafen. Kresimir Kozina ackerte gegen seinen kroatischen Nationalauswahl-Kollegen Marino Maric und schuf die Lücke für Thomas Mogensen, der zum 9:11 einlochte. MT-Coach Michael Roth versammelte seine Mannschaft für eine kurze taktische Besprechung an der Seitenlinie. Die Wende blieb allerdings aus. Nach etwas mehr als 20 Minuten feierte Mattias Andersson ein kleines Jubiläum: Parade Nummer zehn. Mit diesem Rückhalt verwunderte es nicht, dass die SG ihren Vorsprung bis zur Pause ausbaute. Lasse Svan überwand Rene Villadsen von Rechtsaußen. Ein abgefälschter Ball von Johan Jakobsson schlug zum 11:15 ein. Kurz vor der Halbzeit parierte Mattias Andersson einen Siebenmeter von Johannes Sellin. Seine Vorderleute legten weiter nach: Mit einem stolzen 14:19 ging es in die Kabine. „Flensburg war sehr flink auf den Beinen“, analysierte Michael Roth später. „Dadurch haben wir viele Zweikämpfe verloren. Wir haben uns wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten.“

Auf Linksaußen: Kentin Mahé. Fotos: Beate Haar

Der Wiederbeginn war von munterer Natur. Die SG bewahrte ihr Polster und lag nun in der Blitz-Tabelle an zweiter Stelle, da die THW-Niederlage zwischenzeitlich besiegelt war. Doch die SG musste sich auf ihre Partie konzentrieren, was ihr mit Bravur gelang. Als Lasse Svan mit feiner Finte auf 18:24 erhöhte hatte, versuchte Michael Roth mit einem Team-Timeout gegenzusteuern. Die SG war aber nicht mehr zu stoppen. Phasenweise lief es wie im Rausch, während die Hausherren immer mehr ihre Linie verloren oder an Mattias Andersson scheiterten. „Er war der beste Keeper auf dem Feld und hat uns den Zahn gezogen“, erkannte Michael Roth. Holger Glandorf traf zum 19:28. Mit einer so deutlichen Führung hatte wohl niemand gerechnet. 

Damit war der Elan der SG nicht erloschen. Petar Djordjic hämmerte den Ball zum 20:30 in die Maschen. Kurz vor dem Schlusspfiff sangen die mitgereisten Fans: „Einmal Flensburg, immer Flensburg!“ Ist vielleicht doch noch die Meisterschaft drin? „Unser Thema lautete in den letzten Tagen: Sicherung des Champions-League-Platzes“, antwortete Ljubomir Vranjes. „Mehr haben wir nach wie vor nicht selbst in der Hand, und die Rhein-Neckar Löwen haben wohl nur noch eine schwere Aufgabe, und zwar in Wetzlar.“ Für die SG rückt nun das 88. Landesderby in den Fokus, das am Sonntag um 17.30 angepfiffen wird. „Wir fahren mit viel Selbstvertrauen nach Kiel“, sagte SG Kapitän Tobias Karlsson in Kassel. „Aber nach der Niederlage in Magdeburg wird der THW besonders motiviert sein.“

Bester Schütze: Lasse Svan mit sieben Toren.

MT Melsungen – SG Flensburg-Handewitt 25:32 (14:19)
MT Melsungen: Villadsen (9 Paraden), Paske (2 Paraden, ab 51.) – Maric (6), Rnic (6), Sellin (1), Forstbauer, Hildebrand (1), P. Müller (2), M. Müller (3), Schneider (2), Danner, Boomhouwer (2), Fahlgren (1), Vuckovic (1)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (22/2 Paraden), Møller (1 Parade, ab 51.) – Karlsson, Eggert (4/4), Glandorf (3), Mogensen (5), Svan (7), Djordjic (1), Jakobsson (3), Toft Hansen (1), Gottfridsson (4), Mahé (3), Radivojevic (1), Kozina
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg); Zeitstrafen: 10:16 Minuten (Sellin 4, M. Müller 2, Danner 2, Boomhouwer 2 – Karlsson 4, Kozina 4, Jakobsson 4, Glandorf 2, Mogensen 2); Siebenmeter: 2/0:4/4 (Sellin und Rnic scheitern an Andersson); Zuschauer: 4300
Spielverlauf: 1:0 (1.), 2:1 (3.), 2:3 (4.), 4:3 (6.), 5:5 (8.), 7:6 (12.), 7:8 (14.), 9:9 (17.), 9:11 (19.), 10:13 (22.), 11:15 (25.), 13:16 (27.), 13:19 (30.) – 15:19 (32.), 16:20 (34.), 17:21 (35.), 18:22 (36.), 18:25 (40.), 19:26 (42.), 19:28 (44.), 20:30 (51.), 22:30 (55.), 23:32 (58.) 

Von: ki