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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Die größeren Reserven

30.08.2015 -DKB Handball-Bundesliga: 29:22 – Kampf bis in die Schlussphase

Es war kein leichtes Unterfangen, doch letztendlich revanchierte sich die SG Flensburg-Handewitt für die Niederlage im März und gewann beim Bergischen HC mit 29:22 (15:13). Damit verteidigte die SG zumindest bis Mittwoch die Spitze der DKB Handball-Bundesliga. „Das ist ein Schritt nach vorne, in der letzten Serie hätten wir so ein Spiel noch verloren“, meinte SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Wir können vollauf zufrieden sein, da wir nun zwei Punkte besser dastehen als in der letzten Saison.“ Im März hatte die SG bekanntlich in Wuppertal mit 31:36 verloren.

Jede Aufgabe ist anders. Dementsprechend nahm SG-Trainer Ljubomir Vranjes an der Aufstellung im Vergleich zum letzten Sonntag Modifikationen vor. Henrik Toft Hansen bildete diesmal von Anfang an den Mittelblock mit Tobias Karlsson. Rasmus Lauge stand ebenfalls in der Startaufstellung und hatte zusammen mit Thomas Mogensen die Vorgabe, die offensive BHC-Deckung auszuhebeln. Das gelang auf Anhieb gut. Rasmus Lauge schloss bereits in der Anfangsphase zwei Spielzüge erfolgreich ab. Die SG legte fast immer einen Treffer vor.

Henrik Toft Hansen stand in der Startaufstellung.

Die Westdeutschen hatten durchaus Wurfgewalt in ihrer zweiten Reihe. Das galt besonders für Alexander Oelze. Und auch für Alexander Hermann, der das 5:4 markierte. Es war die einzige Führung der Gastgeber im ersten Durchgang. In jener Phase hatte die SG ein wenig die Kontrolle über das Geschehen verloren, Torwart Mattias Andersson verhinderte Schlimmeres. Der Schwede parierte zudem einen Strafwurf, nachdem Holger Glandorf seine Farben mit einem wuchtigen Geschoss mit 6:7 in Front gebracht hatte. Die SG agierte nun besonders kaltschnäuzig. Abwehr und Torwart verschlossen rund zehn Minuten lang alle Schleusen. Es hieß 6:11. „Wir waren gut darauf eingestellt, dass der Gegner alles in die Waagschale werfen und bis zum Ende kämpfen würde“, sagte Co-Trainer Maik Machulla später.

Dementsprechend musste mit dem Personal 60 Minuten lang geschickt umgegangen werden. Inmitten der besten Periode blickte Ljubomir Vranjes nach vorne und setzte auf Rotation. Jim Gottfridsson erschien auf der Platte, kurz darauf auch Johan Jakobsson. Kentin Mahé mischte nun als ein Linksaußen mit, der auch Laufwege in den Rückraum und an den Kreis kannte. Der Bergische HC kam damit ordentlich zurecht und erholte sich von seinem Tief. Vor allem Alexander Oelze personifizierte die Aufholjagd und warf seine Truppe mit der Halbzeit-Sirene auf zwei Treffer heran.

Holger Glandorf agierte zielorientiert.

Gefühlt hätte die SG zur Pause höher führen müssen. Sie kehrte zur Startformation zurück, geriet aber weiter unter Druck. Mattias Andersson verhinderte zunächst den Ausgleich, aber zwei weitere Treffer von Anders Eggert brachten keine Beruhigung. Nach dem 15:17 kassierten Anders Eggert und Henrik Toft Hansen in kurzer Folge zwei Zeitstrafen. In doppelter Unterzahl war die SG über Rechtsaußen anfällig und musste den Ausgleich verdauen. Wieder vollzählig traf BHC-Kreisläufer Moritz Preuss gar zum 18:17. „Direkt nach der Halbzeit wollte die Mannschaft etwas zu viel“, analysierte Maik Machulla. „Danach hat sie sich wieder auf das konzentriert, was wir uns vorgenommen hatten.“

Joker-Qualitäten: Anders Zachariassen.

Einer blieb in dieser hektischen Phase besonders cool: Holger Glandorf. Mit einem Doppelschlag riss der Linkshänder das Ruder zum 18:19 wieder herum. Die Partie stand nun auf des Messers Schneide, war eine Sache der Nerven. Ljubomir Vranjes bekam die gelbe Karte – und kurz darauf sogar eine Zeitstrafe. War der SG Trainer am Spielfeldrand zu emotional gewesen? „Die Schiedsrichter haben den BHC zu lange im Angriff spielen lassen, das hätten sie früher pfeifen müssen“, erklärte der Coach später. „Das hat mich so aufgeregt, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben auf der Bank zwei Minuten erhalten habe.“

Die Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle glaubten schon an eine Überraschung. Doch die SG hatte noch personelle Alternativen. Anders Zachariassen, bis dahin noch gar nicht auf der Platte, tanzte durch die Bergische Abwehr und verwertete ein Anspiel von Kentin Mahé zum 20:22. Das Momentum sprach für die SG, während dem Kontrahenten die Kräfte schwanden. Die Nordlichter konnten in den letzten fünf Minuten noch etwas für das Torverhältnis tun. So waren letztendlich alle zufrieden, eine kritische Bewertung war aber nicht fehl am Platze. „Wir wissen, dass wir noch Kleinigkeiten verbessern müssen“, sagte Maik Machulla. „Das ist am Anfang einer Saison völlig normal, und wir werden konzentriert daran arbeiten.“

Jubel nach dem Schlusspfiff. Fotos: Beate Haar.

Bergischer HC – SG Flensburg-Handewitt 22:29 (13:15)
Bergischer HC: Gustavsson (13 Paraden), Rudeck (54.-56., bei einem 7m) – J. Artmann (1), Gutbrod, A. Hermann (6), Jonovski, Oelze (6/3), Preuss (4), M. Hermann (2), Gunnarsson (1/1), N. Artmann (2)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (17/1 Paraden) – Karlsson, Eggert (6/3), Glandorf (6), Mogensen (1), Svan (6), Jakobsson, Zachariassen (2), Toft Hansen (2), Gottfridsson (1), Lauge (4), Mahé (1)
Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen); Zeitstrafen: 14:8 Minuten (Preuss 4, Jonovski 4, Gutbrodt 2, Gunnarsson 2, Gustavsson 2 – Eggert 2, Mogensen 2, Toft Hansen 2, Vranjes 2); Siebenmeter: 5/4:3/3 (Gunnarsson scheitert an Andersson); Zuschauer: 2230
Spielverlauf: 0:1 (1.), 2:2 (3.), 3:4 (5.), 5:4 (7.), 5:6 (10.), 6:6 (11.), 6:11 (18.), 7:12 (21.), 9:12 (24.), 10:14 (27.), 11:15 (28.) – 14:15 (32.), 15:17 (36.), 18:17 (40.), 18:19 (42.), 19:20 (43.), 20:20 (47.), 20:22 (50.), 21:24 (54.), 22:24 (55.) 

Von: ki