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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Zweiter Heimsieg

03.09.2013 -DKB Handball-Bundesliga: 27:22 – Aufwärtstrend sichtbar

Die SG Flensburg-Handewitt hat vorgelegt. Sie besiegte am Abend die TSV Hannover-Burgdorf mit 27:22 (16:12) und übernahm zumindest vorübergehend die Spitze der DKB Handball-Bundesliga. Mit der Tabelle beschäftigte sich Ljubomir Vranjes allerdings nicht. Der SG-Trainer erfreute sich am Formanstieg. „In der ersten Hälfte war ich mit dem Angriff und der Abwehr fast hundertprozentig zufrieden", sagte er. „Und auch die zweite Halbzeit fing gut an."

Es knisterte vor Spannung in der Flens-Arena. Würde die SG diesmal über 60 Minuten überzeugender auftreten als zuletzt gegen Göppingen? In der Startaufstellung gab es keine großen Überraschungen. Nicht ganz unerwartet durfte Drasko Nenadic im linken Rückraum anfangen. Nach 65 Sekunden bedankte sich der Serbe bereits für das Vertrauen und hämmerte den Ball zum ersten Tor des Tages in die Maschen. Nach gut vier Minuten erreichte das erste Anspiel Kreisläufer Jacob Heinl, der zum 4:2 abschloss. Ein wirklich munterer Auftakt!

Ein paar Stockfehler schlichen sich allerdings in der Offensive ein. Die Hannoveraner zeigten, warum sie im letzten Jahr auf dem sechsten Rang der DKB Handball-Bundesliga landeten. Der hünenhafte Mait Patrail steuerte unbeirrt auf das SG-Gehäuse zu und warf das 6:7. Da protestierte die „Hölle Nord“ noch lautstark: Sie hatte kurz zuvor ein Foul an Jacob Heinl gesehen, der einen Pass deshalb nicht fangen konnte.

Die Gäste-Führung hatte allerdings nur kurzen Bestand. Mit einem Heber von Linksaußen sorgte Anders Eggert für das erste Kabinettstücken und das 8:7. Wenig später verhinderte Keeper Mattias Andersson mit gutem Stellungsspiel gegen Ex-SG-Kapitän Torge Johannsen einen zweiten TSV-Führungstreffer. Im Gegenzug kannte Holger Glandorf kein Erbarmen. 10:9! Inzwischen mischten Jim Gottfridsson und Michael Knudsen mit.

Die SG gewann nun Oberwasser. Während TSV-Linksaußen Lars Lehnhoff einen Siebenmeter an die Latte setzte, hatte Thomas Mogensen einen Passagier-Schein gen Gehäuse gelöst. Mit einem Durchbruch-Doppelschlag erhöhte der Däne auf 11:9. Nach dem ersten Eggert-Strafwurf, der das 12:9 brachte, nahmen die Burgdorfer ihre erste Auszeit (22.). Die SG stoppte das nicht. Erneut Thomas Mogensen war es, der den ersten Vier-Tore-Vorsprung (13:9) besorgte. Den konservierte die SG bis zur Pause – auch dank guter Blocks in der 6:0-Defensive. „Wir hatten uns viel vorgenommen", ärgerte sich TSV-Coach Christopher Nordmeyer. „Doch je länger die erste Halbzeit dauerte, desto mehr sind wir von unserer Marschroute abgewichen."

Die Mannschaften waren heiß auf den zweiten Durchgang. Sie hatten sich geschlossen schon vor dem ominösen Gong-Schlag auf dem Feld formiert. Besonders aufgeweckt war Anders Eggert, der mit einem herrlichen Dreher die Torjagd eröffnete. Der eingewechselte Martin Ziemer glänzte zwar mit einer Doppel-Parade, die SG ließ sich aber nicht mehr stoppen. Anders Eggert verwandelte einen Strafwurf, wie andere eine Schublade schließen. Lasse Svan Hansen ließ blitzschnell das 21:13 folgen. Und als die Hannoveraner es mit einem fliegenden Torwart versuchten, durfte Anders Eggert den Ball ins verwaiste Gehäuse lupfen. Die „Hölle Nord“ tobte.

Die SG-Abwehr stand gut. Fotos: N. Kirschner

Mattias Andersson parierte mehrfach, dennoch verkürzten die Niedersachsen auf 23:17. Mit einem mächtigen Unterhand-Geschoss demonstrierte Göppingen-Matchwinner Steffen Weinhold, wer Herr im Hause war. Der Vorsprung schmolz zwar, doch die SG brachte die beiden Punkte ungefährdet in den sicheren Hafen. „Am Ende haben wir besser angegriffen und verteidigt, aber da war ein Sieg bereits außerhalb des Möglichen", meinte Christopher Nordmeyer. „Wir sind noch in einem Findungsprozess, da kam die Partie in Flensburg vielleicht noch zu früh. Andererseits ist hier eine Fünf-Tore-Niederlage auch nicht ganz schlecht."

Für die SG-Fans gab es noch eine Zugabe: Mit dem 26:22 erzielte Bogdan Radivojevic sein erstes Bundesliga-Tor. Ansonsten dämpfte die letzte Viertelstunde etwas die aufkeimende Euphorie, was Ljubomir Vranjes nicht überraschte. „Ich habe allen Spielern eine Chance gegeben", erklärte er. „Man darf sich aber nicht erlauben, nur ein wenig vom Gas herunterzugehen. Hannover hat schließlich eine sehr gute Mannschaft."

Allerdings beließ es der SG-Coach bei 13 eingewechselten Akteuren. Hampus Wanne und diesmal auch Olafur Gustafsson blieben bis zum Schluss außen vor. „Ich habe meinen Spielern gesagt, dass jeder mal an der Seite sitzen wird, da wir im Moment einen großen Kader haben", teilte Ljubomir Vranjes mit. „Bei Olafur ist es zudem so, dass er etwas Zeit braucht, um über einige Dinge nachzudenken." Bald wird es neue Bewährungsproben geben. Es folgen die Auswärtsspiele in Magdeburg (Freitag), Mannheim (11. September) und Lübbecke (18. September). „Das sind drei Herausforderungen", fasste SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke knapp zusammen.

Anders Eggert glänzte nicht nur während der 60 Minuten.

 

SG Flensburg-Handewitt – TSV Hannover-Burgdorf  27:22 (16:12)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (15 Paraden), Rasmussen (bei einem 7m) – Karlsson, Nenadic (1), Eggert (6/2), Glandorf (3), Mogensen (5), Svan (4), Weinhold (2), Heinl (2), Gottfridsson (2), Radivojvic (1), Knudsen (1)
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (7 Paraden; ab 31.), Weber (4 Paraden) – Johannsen (4), Andreu (2), Patrail (5), Buschmann (2), Hykkerud (1), Lehnhoff (3), Rydergard, Szücs, Sevaljevic (3/3), Mackovsek (2)
Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg); Zeitstrafen: 10:10 Minuten (Karlsson 6, Mogensen 2, Svan 2 – Johannsen 2, Buschmann 2, Rydergard 2, Sevaljevic 2, Mackovsek 2); Rote Karte: Karlsson (53., dritte Hinausstellung); Siebenmeter: 2/2:4/3 (Lehnhoff trifft die Latte); Zuschauer: 4946
Spielverlauf: 2:1 (3.), 4:2 (5.), 4:4 (6.), 5:5 (9.), 6:7 (10.), 8:7 (13.), 10:8 (17.), 11:9 (20.), 13:9 (24.), 14:11 (26.), 15:12 (28.) – 17:12 (31.), 17:13 (34.), 22:13 (40.), 23:14 (43.), 23:17 (48.), 25:17 (50.), 25:22 (56.)

Von: ki