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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Es fehlte die Kraft

16.02.2014 -DKB Handball-Bundesliga: 26:27 – zu viele Personalsorgen

Die SG Flensburg-Handewitt muss in der DKB Handball-Bundesliga weiterhin auf den ersten Sieg im Jahr 2014 warten. Bei der TSV Hannover-Burgdorf gab es eine 26:27 (18:16)-Niederlage, nachdem sich zuvor die Personallage bei der SG dramatisch zugespitzt hatte. „Die zahlreichen Ausfälle konnten wir zunächst noch wegstecken", meinte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Doch in der zweiten Hälfte fehlte uns dann die Kraft."

Gut 4000 Zuschauer sorgten für eine stolze Kulisse bei diesem Nordduell. Und die meisten wunderten sich: Wo steckte denn Mattias Andersson? Der Weltklasse-Torhüter laborierte an einem Magen-Darm-Virus und hatte die Reise erst gar nicht angetreten. Dafür rückte Youngster Christopher Rudeck in den Kader, und Sören Rasmussen fing an. Die erste Formation im Rückraum bildeten Thomas Mogensen, Jim Gottfridsson und Steffen Weinhold. Die Negativ-Überraschung: Dieses Trio musste über die volle Distanz, da Holger Glandorf (Leiste) zum Zuschauen gezwungen war und Neuzugang Goran Bogunovic in dieser kniffligen Situation noch nicht sein Debüt feiern sollte. Zu allem Überfluss war Michael Knudsen (Rücken) nur ein Mini-Einsatz möglich.

Auf der anderen Seite setzte zunächst besonders Linkshänder Runar Karason der SG-Deckung zu, wo Jacob Heinl und Tobias Karlsson im Mittelblock standen. Dennoch übernahm die SG schnell das Kommando. Anders Eggert flitzte von Linksaußen zum 1:2, der ersten SG-Führung. Mit seinem ersten Siebenmeter sorgte der Däne für das 3:5. Frühzeitig war ein kleines Pölsterchen entstanden. Das sah auch TSV-Coach Christopher Nordmeyer, nahm beim 6:9 ein Team-Time-Out, wechselte die Torhüter und ließ mit zwei Kreisläufern operieren. 

Auf die ungewohnte niedersächsische Angriffs-Konstellation reagierte Ljubomir Vranjes mit einem eigenen taktischen Winkelzug: Anders Eggert oder Jim Gottfridsson agierten als vorgezogene Spitzen, um den TSV-Spielfluss zu stören. Die Hausherren holten nicht auf. Nach knapp zehn Minuten kehrten die Hannoveraner zu einem konventionellen System zurück und verloren sofort den Ball. Lasse Svan konterte zum 11:14. Insgesamt handelte sich die SG aber zu viele Gegentore ein. Knapp vier Minuten vor der Pause schickte Ljubomir Vranjes den jungen Schlussmann Christopher Rudeck ins Rennen. Und der hielt unmittelbar vor der Pause einen Strafwurf von Lars Lehnhoff.  

Mit Wiederbeginn stand der routinierte Sören Rasmussen wieder im Gehäuse und parierte sofort Würfe von Mait Patrail und Runar Karason. Anders Eggert hatte das 16:20 auf der Hand, scheiterte aber an Nikolai Weber. Als sich ein paar technische Fehler und überhastete Würfe einschlichen, wurde es wieder eng. Ausgerechnet der ehemalige SG-Akteur Torge Johannsen glich zum 20:20 aus. Die Partie kippte nun völlig. Direkt nachdem Mait Patrail das 23:21 erzielt hatte, legte Ljubomir Vranjes die grüne Karte auf den Kampfrichtertisch. 

In der kurzen Unterbrechung bat der Schwede um mehr Geduld bei den Offensiv-Bemühungen. Die SG löste nun einige Angriffe über die Außenpositionen, wo Lasse Svan und Anders Eggert sehr gefährlich wirbelten. Dagegen erlaubten sich die Burgdorfer nun ein paar überflüssige Fehler. Lasse Svan erzielte den 24:24-Ausgleich. Es entwickelte sich eine dramatische Angelegenheit, in der beide Teams bisweilen den Überblick verloren. 

Die Kulisse trieb die Niedersachsen nach vorne, die zahlreichen SG-Fans drückten ihrer Mannschaft die Daumen. Satte zwölf Minuten blieb die SG ohne Erfolgserlebnis. So war am Maschsee natürlich kein Blumentopf zu gewinnen. Als Juan Andreu am Kreis zum 27:24 durchbrach, bewegte sich das Spiel unweigerlich auf eine Vorentscheidung zu. „Unter diesem schwierigen Umständen muss ich unsere Mannschaft loben", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke, „dass sie bis zum Schluss gekämpft hat." Hannovers Kollege Benjamin Chatton äußerte sich hochzufrieden: „Das war ein gutes Spiel und ein großer Kampf von uns. Daraus können wir Kraft für die nächsten schweren Aufgaben ziehen.“

Thomas Mogensen: harter Kampf in Hannover.
Fotos: Beate Haar.


TSV Hannover-Burgdorf – SG Flensburg-Handewitt 27:26 (16:18)
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (1 Parade), Weber (10 Paraden, ab 12.) – Johannsen (3), Andreu (1), Patrail (4), Hykkerud (1), Lehnhoff (2), Rydergard, Szücs (3), Sevaljevic (8/2), Ferrer, Karason (4), Pollex (1)
SG Flensburg-Handewitt: Rasmussen (8 Paraden), Rudeck (1/1 Parade, 27.-30.) – Karlsson, Eggert (11/4), Mogensen (5), Svan (5), Weinhold (3), Heinl (1), Gottfridsson (1), Knudsen
Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen); Zeitstrafen: 6:4 Minuten (Johannsen 4, Patrail 2 – Heinl 2, Knudsen 2); Siebenmeter: 3/2:4/4 (Lehnhoff scheitert an Rudeck); Zuschauer: 4097 (ausverkauft)
Spielverlauf: 1:0 (2.), 1:2 (3.), 3:3 (5.), 3:5 (6.), 5:6 (8.), 6:9 (12.), 8:9 (15.), 8:11 (16.), 10:11 (18.), 11:12 (20.), 11:14 (21.), 12:15 (23.), 14:15 (25.), 15:17 (27.) – 16:19 (32.), 18:19 (35.), 19:20 (36.), 20:21 (38.), 23:21 (41.), 23:23 (43.), 24:24 (45.), 25:24 (49.), 27:24 (57.)

Von: ki