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Grenzenlose Leidenschaft

Kraftakt zur Mittagsstunde

20.05.2018 -DKB Handball-Bundesliga: 24:23 – die SG strapazierte die Nerven

Überraschung am Sonntagnachmittag: Die SG Flensburg-Handewitt sprang mit dem knappen 24:23 (12:10)-Erfolg über GWD Minden an die Spitze der DKB Handball-Bundesliga. Die Nordlichter profitierten dabei vom Ausrutscher des Spitzenreiters und deutschen Meisters. Die Rhein-Neckar Löwen kamen in Erlangen nicht über ein 25:25-Remis hinaus und liegen damit bei einem Spiel Rückstand einen Zähler hinter der SG. „Wir spielen um die deutsche Meisterschaft“, sagte SG Trainer Maik Machulla. „Heute war ich allerdings nur mit den Punkten und der Moral der Mannschaft einverstanden, die Art und Weise unserer Vorstellung beeindruckten mich nicht.“  Sein GWD-Kollege Frank Carstens konnte sich auch nicht freuen: „Schade, dass wir nicht für unsere Leistung belohnt wurden. Die Kompaktheit in der Abwehr und die taktische Disziplin waren sehr gut.“

Mit stehenden Ovationen wurde die SG von den Zuschauern begrüßt. Der Derby-Sieg lag zwar schon zehn Tage zurück, war aber natürlich noch ein Thema in der FLENS-ARENA. Diesmal kam die SG nicht so gut aus den Startlöchern wie in Kiel und lagen prompt mit 2:4 zurück. Der GWD-Rückraum präsentierte individuelle Klasse, zog seine Angriffe in die Länge und deutete an, beim Spitzenklub etwas reißen zu wollen. „Die Aufgabe in Flensburg ist immer etwas Besonderes, denn hier steht einer der prominentesten Handball-Tempel Deutschlands“, erklärte Frank Carstens. „Das nötigte meinen Spielern Respekt ab, der sich auf dem Spielfeld in die richtige Einstellung verwandelte.“

Mattias Andersson brachte die FLENS-ARENA zum Jubeln.

Die SG musste sich mühen: Hampus Wanne setzte seine ersten beiden Strafwürfe in die Maschen, Rasmus Lauge düste dynamisch zum 5:5. Die erste Führung lag in der Luft: Hampus Wanne scheiterte mit seinem dritten Siebenmeter allerdings an Kim Sonne. Im nächsten Angriff die nächste Chance: Lasse Svan konnte den guten GWD-Keeper nicht überwinden, dafür aber Henrik Toft Hansen im Nachwurf. Die Fehlerzahl der Mindener hatte sich erhöht, Mattias Andersson konnte sich in seinem vorletzten Heimspiel mehrfach auszeichnen. Die Gäste nahmen ihr erstes Team-Timeout. Die SG indes schien die Regie zu übernehmen. Hampus Wanne lochte vom linken Flügel ein, Rasmus Lauge schloss eine zweite Welle ab. 8:6! Doch zwei ärgerliche Ballverluste bescherten den erneuten Ausgleich.

Nun war auch Maik Machulla mit der grünen Karte zur Hand. Thomas Mogensen hatte mit Jim Gottfridsson und Magnus Rød zwei neue Nebenleute im Rückraum. Der junge Norweger markierte sogleich das 10:8, musste aber auch den erneuten Gleichstand verdauen. „Wir hatten eine gute Taktik“, lobte Mindens Sportchef Frank von Behren. „Es war aber kein schönes Spiel für die Zuschauer, die knurrten und murrten.“ Zwei feine Aktionen von Jim Gottfridsson und eine konsequente Arbeit der 6:0-Deckung brachten die knappe Halbzeitführung ein. Ein positives Fazit mochte Maik Machulla aber nicht ziehen. „Wir hatten Schwierigkeiten, die richtige Aggressivität zu finden“, sagte er. „Minden hat das Tempo sehr gut verschleppt, und ihr Torwart Kim Sonne hielt fantastisch.“

Rasmus Lauge war mit sechs Treffern bester Schütze.

Der Wiederbeginn machte Mut. Ein weiterer Treffer von Rasmus Lauge und ein gehaltener Siebenmeter durch Mattias Andersson sorgen gleich für kräftig Stimmung unter dem Hallendach. Dann aber wieder einige Unaufmerksamkeiten, die die Mindener in die Partie zurückbrachten. Die SG musste für die beiden Punkte richtig ackern. Chancen ergaben sich zum Glück genug. Holger Glandorf schloss einen Konter aus neun Metern ab. Henrik Toft Hansen kam vom Kreis zum Zuge. 17:14 – war das der entscheidende Vorsprung? Nein, die Mindener waren einfach nicht abzuschütteln. Beim 19:19 zehn Minuten vor Schluss war noch alles offen. „In der zweiten Hälfte sollten uns strukturierte Angriffe und mehr Sicherheit weiterbringen“, meine Maik Machulla. „Letztendlich war es aber eine zähe Angelegenheit bis zum Schluss.“ 

Thomas Mogensen: Kommunikation mit den Zuschauern.

Die Zuschauer stützten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Kurzzeit-Kreisläufer Rasmus Lauge brachte die SG wieder in Führung, dann parierte Mattias Andersson den nächsten Wurf. Jim Gottfridsson nahm sich ein Herz aus der zweiten Reihe. 21:19! Aber selbst als Thomas Mogensen noch einen draufpackte, war das Spiel nicht entschieden. Die Grün-Weißen rückten der SG nochmals auf die Pelle. Beim 23:22 düste Jim Gottfridsson durch die Deckung. Tor – und nur noch 55 Sekunden! Das war es. Erst mit dem Schlusspfiff gelang Christoffer Rambo der Endstand. Per Siebenmeter! Da hatte die „Hölle Nord“ bereits erleichtert durchgeatmet. „Vielleicht war es meinen Spielern, die einen Drei-Tages-Rhythmus gewohnt sind, mit zehn Tagen eine zu lange Pause“, rätselte Maik Machulla. SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke gab zu, dass er „zwischendurch etwas zitterte“ und sagte in der Pressekonferenz: „Man merkt, dass wir am Ende einer langen und intensiven Saison stehen. Die letzten beide Spiele wollen wir vernünftig über die Bühne bringen.“ In Lübbecke (27. Mai) und gegen Göppingen (3. Juni) könnte es sogar um den Titel gehen, wenn die Rhein-Neckar Löwen ein weiteres Mal patzen.

Jim Gottfridsson setzte den letzten SG Treffer. Fotos: Ki

SG Flensburg-Handewitt – GWD Minden  24:23 (12:10)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (15/1 Paraden) – Karlsson, Glandorf (1), Mogensen (1), Svan (3), Wanne (5/2), Toft Hansen (3), Gottfridsson (4), Lauge (6), Rød (1)
GWD Minden: Sonne (13/1 Paraden) – Doder (2), Rambo (5/2), Gullerud (4), Südmeier, Michalczik (4), Pusica (2), Cederholm, Mansson (1), Korte, Zvizej (3/1), Kister, Staar (2)
Schiedsrichter: Kilp/Maier (Oberursel/Steinbach); Zeitstrafen: 0:4 Minuten (Rambo 4); Siebenmeter: 3/2:4/3 (Wanne scheitert an Sonne – Andersson hält gegen Zvizej); Zuschauer: 6257
Spielverlauf: 0:1 (1), 2:2 (3.), 2:4 (4.), 4:4 (10.), 6:5 (14.), 8:6 (17.), 8:8 (20.), 10:8 (23.), 10:10 (26.) – 13:10 (31.), 13:13 (36.), 14:14 (38.), 17:14 (41.), 18:15 (43.), 19:16 (46.), 19:19 (50.), 22:19 (55.), 22:21 (57.), 24:22 (60.)

 

Von: ki