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Rasmus Lauge
Grenzenlose Leidenschaft

Die gemischten Gefühle des Kapitäns

03.06.2019 -Abschied: Tobias Karlsson im Interview

500 Spiele hat Tobias Karlsson bereits für die SG Flensburg-Handewitt, zu der er 2009 wechselte, absolviert. Seit 20 Jahren spielt der 37-Jährige erstklassig – in Schweden, Norwegen und Deutschland. Nun beendet der SG Kapitän seine Karriere. Die Redaktion sprach mit ihm.

Tobias, hast du schon begriffen, dass in einem Spiel deine Karriere beendet sein wird?
Tobias Karlsson: Ich stehe vor einem großen Umbruch in meinem Leben. Noch ist es für mich schwer, die Bedeutung und das Ausmaß zu begreifen. Derzeit laufe ich mit gemischten Gefühlen herum. Zum einen freue ich mich auf das, was kommt – auf die zusätzliche Zeit mit der Familie, auf die neue Aufgabe. Andererseits weiß ich, dass ich viele Menschen und Dinge in Flensburg und Umgebung vermissen werde.

Wie sieht dein Zeitplan nach dem 9. Juni, dem letzten Spieltag, aus?
Tobias Karlsson: Wir werden gleich die Tage danach umziehen. In Karlskrona ist das Haus gebaut, das wir uns dann einrichten werden. Wir nehmen uns die Zeit, um herunterzukommen. Erst Ende August werde ich mit meinem neuen Job in der Unternehmensberatung starten.

Mit welchen Erwartungen warst du 2009 zur SG gewechselt?
Tobias Karlsson: Mir war klar, dass ich zu einem Traditionsverein komme, dessen Ziel es ist, nach einigen Jahren ohne Titel wieder an die Spitze zu gelangen. Es hat etwas gedauert, da eine neue Mannschaft aufgebaut werden musste. Von Anfang an spürte ich aber die Rückendeckung der Fans und Sponsoren sowie das familiäre Klima bei der SG.

Was fällt dir als Höhepunkte und Tiefpunkte bei der SG ein?
Tobias Karlsson: Es ist im Sport wie in der Wirtschaft oder im Privatleben: Wenn man auf zehn Jahre zurückblickt, gibt es ganz unterschiedliche Ereignisse – positive wie negative. Die VELUX EHF Champions League 2014 war unglaublich, die deutsche Meisterschaft 2015 kam aus dem Nichts. Wir mussten aber auch schwere Niederlagen verkraften.


In den ersten drei Jahren bei der SG hast du immerhin 105 Tore geworfen. Erinnerst du dich noch an die Zeit als Kreisläufer?
Tobias Karlsson: Das scheint doch irgendwie lange her zu sein. Zunächst war ich bei der zweiten Welle im linken Rückraum zu finden, dann am Kreis – und dort auch im normalen Positionsangriff. Das ist eine spannende Position, die einem viel abverlangt: Spielverständnis, physische Stärke, Timing und Torriecher. Ljubomir Vranjes vertrat dann die Auffassung, dass es für die Mannschaft besser wäre, wenn ich mich auf meine Aufgabe im Abwehrzentrum konzentrieren würde.

Jetzt machst du pro Saison gefühlt nur ein Tor. Ist ein Tor für dich etwas ganz Besonderes?
Tobias Karlsson: Da geht beim mir der Puls hoch. Ich kriege natürlich schon mit, dass die Zuschauer meine Tore besonders feiern. Ganz so fremd ist mir das Torewerfen allerdings nicht: Im Training ist das eine ganz normale Sache.

Werden wir dich nach dem 10. August, deinem Abschiedsspiel, wieder in Flensburg sehen?
Tobias Karlsson: Auf jeden Fall. Ich komme gerne zu Besuch und werde den Werdegang der Mannschaft weiterhin verfolgen. Von Karlskrona nach Flensburg sind es etwa sechs Stunden, die werde ich für die zahlreichen Freundschaften ab und an investieren.

Kannst du dir ein Comeback vorstellen?
Tobias Karlsson: Ich bin mit dem Thema durch. Mental und körperlich bin ich über eine bestimmte Grenze hinaus. Das zeigt mir, dass es die richtige Entscheidung war, nun aufzuhören. Ich kann mir aber gut vorstellen, wieder im Handballbereich tätig zu sein – dann aber eher im Management. Eine Trainer-Funktion ist für mich derzeit keine Option.

Von: ki