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"Auszeit" auf dem roten Sofa: Christian Schwarzer

Du bist einer der erfolgreichsten Handballspieler. In diesem Jahr wirst du 40. Als Feldspieler schaffen das nur wenige, so lange in der ersten Liga mitzumischen! Mir fällt da auch nur Bogdan Wenta ein. Wie geht das? Und wie geht es dir?
Christian Schwarzer: Mir geht es sehr, sehr gut! Und Handball macht noch viel Spaß. Dass ich so lange spielen kann, habe ich einfach dem Umstand zu verdanken, dass ich mich – bis auf einmal in Spanien – nicht schwer verletzt habe. Die Gesundheit ist ein großer Baustein, um auf diesem Niveau so lange spielen zu können. Und die Kondition ist wichtig. Ich bin ein disziplinierter Mensch, auch im Urlaub habe ich immer trainiert – obwohl das natürlich nicht viel Spaß gemacht hat.

Laut Wikipedia hast du 319 Länderspiele absolviert.
Christian Schwarzer: Das müsste ungefähr hinkommen…

Weißt du, wie oft du insgesamt die kurzen Hosen an hattest?
Christian Schwarzer: Keine Ahnung. (lacht) Wenn ich diese Saison zu Ende spiele, müsste ich ziemlich genau auf 600 Bundesliga-Spiele kommen. Da hat man noch nicht die Champions-League-Spiele und andere europäische Wettbewerbe mitgezählt. Es waren einige.

Das klingt so, als hättest du dein halbes Leben auf dem Spielfeld verbracht.
Christian Schwarzer: Ich denke, es war mehr, als mein halbes Leben. Mit dem Profisport habe ich mit 17 Jahren angefangen. Und wie du sagst, in diesem Jahr werde ich 40.


Gibt es bei all den Wettbewerben und Begegnungen ein ganz besonderes Spiel? Eins, an das du dich am liebsten erinnerst?
Christian Schwarzer: Ja. An das Viertelfinale gegen Spanien in 2004 in Athen. Da hat unser deutsches Team nach doppelter Verlängerung und Siebenmeterwerfen gewonnen. Auch heute denke ich, dass so ein Spiel nie wieder geben wird! Es war einfach Wahnsinn.
Foto: Julius Demant

Eigentlich dachte ich, du würdest jetzt die WM in Deutschland nennen.
Christian Schwarzer: Also das waren auch ganz nette Spiele. (lacht) Aber das Viertelfinale in Athen ist an Spannung nicht zu toppen.

Was machst du in der nächsten Saison?
Christian Schwarzer: Mit dem Profisport ist jetzt Schluss. Ich werde Jugendkoordinator beim DHB. Etwas Ähnliches werde ich auch für den Saarländischen Handballbund machen. Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, macht mir am meisten Spaß. Und Erfahrung auf dem Gebiet habe ich auch schon in den letzten Jahren bei meinen Handball-Camps gesammelt. Ich muss allerdings meine Trainerscheine noch machen.

Aber die schaffst du doch mit Links, oder?
Christian Schwarzer: Nur weil man ein guter Spieler ist, ist man nicht automatisch ein guter Trainer. Wir werden sehen. Auf jeden Fall freue ich mich ab dem Sommer darauf, endlich aus dem „Trott“ der Bundesliga heraus zu sein. Auch auf die Zeit mit meiner Familie.

Apropos Familie: Wenn man dich sieht, sind deine Frau und dein Sohn sehr oft in der Nähe. In der Öffentlichkeit tauchen sie aber selten auf. Auch auf deiner Homepage muss man nach deinem Privatleben richtig suchen!
Christian Schwarzer: Meine Frau hat es nicht so gerne. Sie möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen. Und um ehrlich zu sein,, finde ich das auch besser so. Sportlich kann man mich immer alles fragen, aber meine Privatsphäre ist und bleibt privat. Meine Familie ist mir am wichtigsten, und die möchte ich auch beschützen.

Ich darf dich sportlich wirklich alles fragen?
Christian Schwarzer: Ja. Leg los!

Was machst du alles vor einem Spiel?
Christian Schwarzer: Ich mache viele Sachen. Inzwischen sind meine Rituale auch außerhalb der Kabine bekannt und tragen zur allgemeinen Belustigung bei. Das wolltest du doch wissen, oder? Meine Mannschaftskollegen ziehen mich auch oft damit auf, es ist mir aber egal. Fünf bis sieben Sachen müssen vor einem Spiel immer wieder gleich ablaufen. Ich habe viele Jahre erfolgreich gespielt und bin gesund geblieben. An meinen Ritualen halte ich bis zum Ende meiner Karriere fest!

Ich habe gehört, du willst zum Beispiel immer als Letzter aus der Kabine kommen… Das soll eine deiner „Macken“ sein.
Christian Schwarzer: Das stimmt. Das hat aber auch einen Sinn! Ich rufe immer ganz laut hinein, damit auch alle draußen sind. So wird niemand in der Kabine eingesperrt.

Kam so etwas Mal vor?
Christian Schwarzer: Ja. Zwei Mal sogar. Einmal im Verein, einmal sogar in der Nationalmannschaft. In der Halbzeit wurde ein Betreuer in der Kabine „vergessen“. Aber in der Halbzeit bin ich ja auch nicht der Letzte, der hinausgeht. (lacht)

Musste der Betreuer die zweite Hälfte  in der Kabine verbringen oder hat man ihn befreit?
Christian Schwarzer: Wir haben ihn erst nach dem Spiel gefunden. Es ist niemandem aufgefallen, dass jemand fehlt.

Bitter…
Christian Schwarzer: So im Nachhinein ist es auch lustig.

Nur richtig große Spieler „bekommen“ ein Abschiedsspiel. Deines findet am 7. Juni statt. Seit „Holpi´s letzten Mal“ wissen wir in Flensburg, dass so ein Spiel ein großes Event ist. Es wird gelacht, gefeiert, gedankt, geweint… Welche Erwartungen hast du an den Tag?
Christian Schwarzer: Ich denke, es wird ein sehr persönliches Abschiedsspiel, da ich alles allein organisiere. Einige Leute helfen zwar, aber ich wollte keine Profis oder eine Agentur einschalten. Ich habe viele ehemalige Weggefährten aus allen Zeiten eingeladen. Es freut mich sehr, dass auch so viele kommen. Es wird bestimmt toll, mit allen Freunden zusammen in der Halle zu stehen. Außerdem freue ich mich auf die gemütlichen Stunden nach dem Spiel. Es wird ein runder Abschluss meiner Karriere.

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