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"Auszeit" auf dem roten Sofa: Kent-Harry Andersson

Das Sofa sollte vor deinem Haus stehen…
Kent-Harry Andersson: Klar! In Beverly Hills…

…also Handewitt.
Kent-Harry Andersson: Ja. Seit fünf Jahren wohne ich hier. Für mich ist Handewitt super. Es ist ruhig, grün und nicht weit von Flensburg. Ich habe auch nette Nachbarn.

Das sind doch Johnny und Alex!
Kent-Harry Andersson: (lacht) Natürlich!

Du hast mit der Namensgebung eine echte Welle ausgelöst. Alle Spieler nennen Handewitt inzwischen Beverly Hills.
Kent-Harry Andersson: Die Jungs wollen da auch wohnen. Aber es gibt nicht mehr viele Häuser zu mieten. Unser Beverly Hills ist eben exklusiv! (lacht)

Die meisten Trainer in der Bundesliga blicken auf eine beachtliche Karriere als Spieler zurück. Von dir weißt man wenig…
Kent-Harry Andersson: Ich habe in Schweden in der ersten Liga gespielt. Ich hatte eine gute Technik und auch ein gutes Auge für das Spiel, aber meine Physis war nicht hundertprozentig. Deswegen müssen unsere Spieler so viel Zeit im Kraftraum verbringen. Physische Stärke ist sehr wichtig. Relativ jung hatte ich eine Knieverletzung. Kreuzband-Operationen waren in den 70-er Jahren noch etwas komplizierter. Für mich bedeutete das damals das Ende meiner Karriere.


Foto: Christoph Schellhaus

Wann war das?
Kent-Harry Andersson: Oh. Vielleicht 1977? Ich habe das vergessen. Oder vielleicht verdrängt. Nach meiner aktiven Zeit wollte ich erst einmal drei Jahre nichts mit Handball zu tun haben. Erst danach wurde ich Trainer.

Auf welcher Position hast du gespielt?
Kent-Harry Andersson: Ich war Spielmacher.

Ist man als „Regisseur“ prädestiniert für eine spätere Trainerkarriere? Mit Markus Baur, Christian Berge, Ljubomir Vranjes oder Stefan Lövgren gibt es viele Beispiele.
Kent-Harry Andersson: Das ist bestimmt ein Vorteil. Als Playmaker muss man das ganze Spiel im Auge haben. Die Umstellung ist nicht groß, wenn man als Trainer anfängt. Torhüter zum Beispiel, denken total anders.

Für viele Spieler bist du der „Papi“. Warum ist das so?
Kent-Harry Andersson: Ich denke, wegen meines Alters. Ich kann froh sein, dass sie mich nicht „Opi“ nennen! (lacht)

Hat das nicht mehr mit deiner Art zu tun? Du bist nicht der Trainer, der herumschreit und die Spieler runtermacht. Du tätschelst mehr die Köpfe – wie ein Papi eben.
Kent-Harry Andersson: Ich muss die Mannschaft führen. Das setzt für mich eine gute Kommunikation mit den Spielern voraus. Wenn ich herumbrüllen würde, würden mich die Spieler hinter meinem Rücken auslachen. Vertrauen muss man aufbauen. Und Autorität kann man nicht erzwingen.

Am Anfang jeder Saison wirst du von Journalisten gefragt, welche Mannschaften besonders stark sein werden. Jedes Jahr nennst du nach dem THW auch Nordhorn. Überhaupt machst du einen sehr glücklichen Eindruck, wenn es um Nordhorn geht. Kannst du bitte diese „Liebe“ erklären?
Kent-Harry Andersson: In Nordhorn habe ich sechs Jahre gearbeitet. Es war eine sehr schöne Zeit! Mit dem Manager und dem jetzigen Trainer bin ich immer noch sehr gut befreundet. Wir telefonieren sehr oft. Kaum ein Verein hat so eine familiäre Atmosphäre, wie sie in der Grafschaft Bentheim existiert. Es ist jedes Mal sehr schön, gegen Nordhorn zu spielen, auch wenn die Spiele schwer sind. Und wenn wir gegen sie gewinnen, sind es die schönsten zwei Punkte für mich! (lacht)

Wenn die Mannschaft unterwegs ist, bist du entweder mit der Video-Analyse beschäftigt oder du liest. Du hast schon ein Buch in der Hand, wenn der Mannschaftsbus um die Ecke kommt.
Kent-Harry Andersson: (lacht) Ich lese sehr gerne und auch viel. Mit dem Bus hast du Recht. Wir sind aber immer sehr lange unterwegs, und wir müssen versuchen die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Wie viele Bücher liest du im Jahr?
Kent-Harry Andersson: Oh, das ist eine schwere Frage! Sehr viele, denke ich.

Und was?
Kent-Harry Andersson: Alles. Romane, Bücher über Sportpsychologie, Mentalcoaching, Biografien…

Nach dem Spiel in Magdeburg hast du bei der Pressekonferenz Stefan Kretzschmar gebeten, sein Buch für dich zu signieren. Es war eine lustige Situation.
Kent-Harry Andersson: Ich bin nach Magdeburg gefahren mit dem Buch im Gepäck. Ich wollte gerne, dass Kretzsche mir etwas hineinschreibt. Bei der Pressekonferenz saßen wir dann nebeneinander.

Hast du das Buch auch gelesen?
Kent-Harry Andersson: Natürlich! Und es hat mir gut gefallen. Sehr interessant fand ich die Passagen über die DDR. Die Liebesgeschichten im Buch fand ich weniger spannend. (lacht)

Obwohl du dir bestimmt viele Liebesgeschichten anhören musstest, als Vater von zwei Töchter…
Kent-Harry Andersson: Ich bin Trainer einer Mannschaft, zuhause herrscht bei uns aber Frauen-Power. Aber gerade das finde ich super! Mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern spreche ich ganz selten über Handball. Dafür ist auch die Zeit zu kostbar. Meine „Kleinen“ sind inzwischen erwachsen. Felicia lebt in Malmö, Paulina studiert Hotelmanagement und ist momentan in Marbella.

Wo verbringt ihr Weihnachten?
Kent-Harry Andersson: In Handewitt. Auch wenn meine Töchter inzwischen erwachsene Frauen sind, Heiligabend sind wir immer zusammen. Das ist mir sehr wichtig.

Und hast du ein Geschenkwunsch?
Kent-Harry Andersson: Das habe ich mir gerade selbst gekauft. (lacht) Ein Handy. Wenn ich mir etwas selbst kaufe, dann kriege ich, was ich will. Und die zwei Punkte gegen Kiel wären auch ein gutes Weihnachtsgeschenk! Diese zwei Punkte sind vielleicht noch ein bisschen schöner als die gegen Nordhorn!

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