Auszeit auf dem Roten Sofa: Blazenko Lackovic
Auf die Frage, wo du das Sofa gerne hin hättest, meintest Du: Es ist egal. Wir sollten bestimmen, wo das Sofa stehen soll. Hast du keine Lieblinsplätze in Flensburg?
Blazenko Lackovic: Doch! Viele! Aber es ändert sich ständig. Ich mag Flensburg sehr, bin aber im normalen Leben ein genauso spontaner Typ wie auf dem Spielfeld. Ich konnte mich für keinen bestimmten Platz entscheiden. Und ich war auch gespannt, wohin ihr das Sofa für mich hinstellt.
Wolltest du unsere Kreativität testen?
Blazenko Lackovic: Klar! (lacht) Kreativität ist sehr wichtig im Leben.
Hast Du einen Lieblinsplatz in Kroatien?
Blazenko Lackovic: Oh ja! Aber auch dort habe ich mehrere.
Zum Beispiel?
Blazenko Lackovic: In Novi Marof, wo ich meine Kindheit verbracht habe, oder in Jadranovo am Meer, wo ich jedes Jahr Urlaub mache. Diese Ecke von Kroatien ist fantastisch! Dort komme ich in den Sommermonaten immer richtig zur Ruhe. Da sitze ich stundenlang am Meer, ohne Probleme, ohne Verpflichtungen. Es ist dort so wie im Paradies. Ich liebe auch ganz viele Ecken in Zagreb, wo ich meine Frau kennen gelernt habe und mit ihr schöne Momente erlebte. Mit der Zeit habe ich eigentlich immer mehr Lieblingsplätze, weil die schöne Erinnerungen auch immer mehr werden.
Wenn Du über deine Frau sprichst, strahlt dein Gesicht richtig! Ihr habt im Sommer geheiratet. Wie war die Hochzeit?
Blazenko Lackovic: Es war einer der schönsten Tage meines Lebens! Die Trauung fand in Zagreb statt. Dort, wo ich Nikolina kennen gelernt habe.
Und wie hast Du diesen Tag persönlich erlebt?
Blazenko Lackovic: Der Tag war gleichzeitig lang und kurz. Das hört sich jetzt bestimmt verrückt an, oder?
Bei über 200 geladenen Gästen hört sich nichts verrückt an!
Blazenko Lackovic: 200 Gäste sind nicht selten bei einer kroatischen Hochzeit! Es war so toll meine ganze Familie, Freunde, Mitspieler dabei zu haben. Das Ganze dauerte mit den traditionellen „Hochzeits-Spielen“ im Vorfeld, wo die Freunde zum Bräutigam wandern und bestimmte Fragen stellen, über die kirchliche Trauung bis zum Ende der Party insgesamt 20 Stunden. An dem Tag rauschten die Ereignisse an mir vorbei. Am nächsten Morgen konnte mich gerade einmal an das „JA“ intensiv erinnern. Aber später merkte ich, wie viele Emotionen und Impressionen ich von dem Hochzeitstag in meinem Kopf und in meinem Herzen für das ganze Leben festgehalten habe.
Du hast eine sehr schöne Frau. Bist du eigentlich eifersüchtig?
Blazenko Lackovic: „Normal“ würde ich sagen. Nicht übermäßig, aber ein bisschen schon. Wenn man gar nicht eifersüchtig ist, dann hat man keine Gefühle. Es ist aber nicht Nikolinas Schönheit, was für mich das Wichtigste an ihr ist.
Sondern?
Blazenko Lackovic: Sie ist auch ein „guter Freund“. Sie hat mir in der letzten Zeit, als ich lange verletzt war, enorm viel Kraft gegeben. Ich mag auch ihre Familie sehr. Sie sind alle ganz liebe und herzliche Menschen. Und mein Lieblinsgericht, was auf Kroatisch „Sarma“ heißt, kocht sie unschlagbar lecker! Es ist fast unmöglich, Liebe zu erklären. Man kann sie nur umschreiben.
Bei deiner Hochzeit waren sehr viele Gäste. Wie viel Prozent waren Handballer?
Blazenko Lackovic: Einige konnten wegen Termine der Nationalmannschaften nicht kommen. Es waren ungefähr 30 Handballer da, die ich aus Zagreb, meiner ganz alten Jugend-Mannschaft oder aus der Nationalmannschaft kenne. Ich glaube, das müssen dann knapp fünfzehn Prozent sein.
In Kroatien hat Handball einen besonderen Stellenwert. Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft 2003 und dem Olympiasieg in Athen, seid Ihr in Deiner Heimat „unsterbliche Helden“. Wie haben die übrigen Gäste auf die Anwesenheit von so vielen Stars reagiert?
Blazenko Lackovic: Handball ist in Kroatien tatsächlich Sportart Nummer eins. Viele Kinder waren mehr an Autogrammen von ihren Idolen als an der kirchlichen Trauung interessiert. Es ist schon einigen ein bisschen komisch gewesen, Ivano Balic, Mirza Dzomba, Igor Vori oder Davor Dominikovic persönlich und so nah zu erleben. Aber diese Distanz war nur am Anfang spürbar. Spätestens als Davor Dominikovic auf der Feier gutgelaunt ein kroatisches Lied ins Mikro brüllte, waren die anfänglichen Berührungsängste vergessen. (lacht) Handball hatte an dem Abend keine Rolle gespielt, alle aßen tranken und feierten zusammen.
Du bist mit 26 Jahren bereits Weltmeister und Olympiasieger. Hat man da noch Träume?
Blazenko Lackovic: Natürlich! Die deutsche Meisterschaft und der Champions-League-Sieg fehlen doch noch! Champions League war für mich immer ein Ziel, aber nach dem verlorenen Finale in der letzten Saison gegen Kiel bin ich jetzt besonders motiviert. Das hat richtig wehgetan.
War das die größte sportliche Enttäuschung deiner Karriere?
Blazenko Lackovic: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Du kannst nicht immer gewinnen. Ich habe in Tunesien das WM- Finale verloren. Das EM-Halbfinale schon zwei Mal. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland haben wir nur ein Spiel verloren und sind trotzdem nur Fünfter geworden. Das sind alles bittere Erfahrungen. Das Finale in Kiel ging auch richtig tief. Ich war verletzt, habe trotzdem gespielt, weil ich fest daran geglaubt habe, dass wir es schaffen. Der Sieg war so nah…
Das scheint dir immer noch weh zu tun.
Blazenko Lackovic: Nein. Es war eine schmerzhafte Erfahrung, aber aus verlorenen Spielen lernt man meistens. Nach einer Niederlage wird man immer stärker! Nicht nur im Sport.







