Auszeit auf dem "Roten Sofa": Max Lipp
Das Sofa sollte unbedingt vor der Wikinghalle stehen. Warum?
Max Lipp: Hier hat alles für mich begonnen! Die Wikinghalle ist meine Halle. In der F-Jugend habe ich hier angefangen und bis heute spiele ich HIER am liebsten. Außerdem wohne ich in Handewitt.
Wie bist du zum Handball gekommen?
Max Lipp: Mit meinem Freund Paul Weidner bin ich mal zum Training gegangen. Wir waren noch Kinder und wollten wissen, ob Handball etwas für uns ist.
Hat dich nicht dein Vater beeinflusst?
Max Lipp: Überhaupt nicht. Zumindest nicht bewusst. Mein Vater hat zwar erfolgreich in der ersten Liga gespielt, auf Handball bin ich aber ganz allein gekommen. Na ja, wenn man von der Begleitung von meinem damals sechsjährigen Freund Paul absieht! (lacht) Aber in Norddeutschland spielt man irgendwie irgendwann automatisch Handball.
Aber nicht unbedingt auf deinem Niveau.
Max Lipp: Na ja, irgendwie muss man ja anfangen.
Du hast in der SG-F-Jugend angefangen. Wo spielst du jetzt genau?
Max Lipp: Ich spiele momentan in der A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt in der Regionalliga.
... und in der Jugend-Nationalmannschaft.
Max Lipp: Ja, da auch. (lacht)
Wie war dein Debüt im Nationaltrikot?
Max Lipp: Es war toll. Und überwältigend. Am Anfang des Jahres bekam ich meine erste Einladung vom DHB. In Freiberg haben wir gegen die Franzosen gespielt. Mein erstes Länderspiel fand in einer Dorfhalle statt. Aber es war egal! Die kleine Halle war total voll. Überall standen Leute und haben mit uns gefiebert. Den Tag werde ich nie vergessen, auch wenn wir am Ende doch verloren haben.
Ist es etwas anderes, für das eigene Land zu spielen?
Max Lipp: Ja, schon. Zunächst hörst du die Hymne. Ich hatte es fest vor, sie mitzusingen. Aber als es losging, war ich so ergriffen und überwältigt, dass meine Knie zitterten. Ich habe vielleicht drei Worte rausgekriegt.

Fotos: Christoph Schellhaus/Julius Demant
Spiele mit der Nationalmannschaft haben auch eine ganz andere Öffentlichkeit. Hast du das bereits beim ersten Mal realisiert?
Max Lipp: Als wir zu der Halle gefahren sind, meinte unser Trainer, dass wir erst nach dem Spiel Autogramme geben sollen. Auch für Fotos sollten wir erst nach dem Spiel zur Verfügung stehen. Ich dachte, er veräppelt uns. Wer sollte von uns ein Autogramm haben wollen? Vor dem Spiel habe ich mir vorgenommen, mindestens ein Tor zu machen. Daraus wurden dann neun. Das hat man mir auch erst später erzählt. Ich war so in Trance, dass ich die Zahl meiner Treffer gar nicht realisiert habe. Dann war das Spiel zu Ende. Dachte ich zumindest. Es ging nämlich alles andere los. Fotos, Autogramme schreiben, die Fragen von Journalisten beantworten. Es war wirklich aufregend! In jeder Hinsicht…
Als wir uns verabredet haben, bat ich dich, dein Nationaltrikot mitzunehmen. Du hattest mehrere, mit unterschiedlichen Nummern mit. Habt ihr keine festen Nummern?
Max Lipp: Bei der SG habe ich die Nummer 2. Das ist meine Lieblingszahl. In der Nationalmannschaft war bis zu diesem Sommer Kempa der Ausrüster. Sie kamen mit den Trikots, wir sollten uns in einer Schlange stellen, und die Jerseys wurden ausgeteilt. In der Schlange war ich der Fünfte, so bekam ich die Nummer 5. Bei den Länderspielen in Frankreich – da schon in Adidas – wurde mir ein Shirt mit der Nummer 17 zugeworfen. Also spielte ich drei Spiele in 17. Bei dem letzen Spiel durfte ich endlich aussuchen! Da habe ich mich für die 13 entschieden. Wegen Einar Holmgeirsson. Ihn mochte ich immer besonders, die Zahl gefiel mir. Die 2 wollte ich damals auch nur wegen Glenn Solberg. (lacht)
Bist du ein Fan von den beiden?
Max Lipp: Fan, weiß ich nicht. Bei Glenn Solberg war ich immer von der Spielweise fasziniert. Auch schon, als er in Nordhorn spielte. Und Einar Holmgeirsson mag ich als Mensch sehr. Wir haben uns häufiger gesehen, als er noch für die SG spielte. Er hat sich immer viel Zeit für Gespräche mit uns, jungen Spielern genommen.
…Und hast du schon selber Fans?
Max Lipp: Nicht, dass ich wüsste. Ich kenne keinen, der jetzt unbedingt in meinem Trikot in Flensburg rumlaufen würde! (lacht)
Du hast in deinem jungen Alter schon sehr viel erreicht. Wo willst du noch sportlich hin?
Max Lipp: Jetzt bin ich 16. Mit 17 dürfte ich theoretisch bei den Männern mitspielen. Das war schon immer mein Traum. Es dauert noch bestimmt lange, dass ich in der Campushalle auflaufen darf, aber es ist mein Ziel.
Vor ein paar Tagen ist das erste Handball-Internat Schleswig-Holsteins in Flensburg eröffnet worden. Die Jungs bekommen dort einen detaillierten Zeitplan, damit sie neben dem Handball auch die Schule erfolgreich schaffen. Um 6 Uhr aufstehen, um 22 Uhr gehen alle Lichter in den WGs aus. Wäre so etwas auch eine Alternative für dich?
Max Lipp: Ich bin in der Schule relativ gut. Bei dem Durchschnitt von 2,1 kann ich mich nicht beschweren. (lacht) Das Internat ist eine sehr gute Sache für die Spieler, die zum Beispiel aus Hessen oder aus der Schweiz kommen und die Chance erhalten, bei der SG zu spielen. Aber ich wohne in der „Handball-Hochburg“ Handewitt. Und ehrlich gesagt: Ich hätte nicht viel Lust, morgens im Internat vor dem Bad Schlange zu stehen.
Okay, aber ist man mit 16 schon so sortiert? Als ich so alt war, habe ich, wie meine Freunde auch, meine Zeit ganz schön „vertüddelt“. Bekommst du das hin?
Max Lipp: Ja. Klar, ich habe einen anderen Zeitplan, als viele in meinem Alter. Aber es geht. Ich habe selbst viel Zeit für meine Freundin. Ich kann mich wirklich nicht beschweren.
Und hast du neben dem Handball noch Hobbys?
Max Lipp: Seit acht Jahren spiele ich Klavier. Am liebsten klassische Musik. Dann denke ich allerdings wirklich nicht an Handball.







