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Auszeit auf dem "Roten Sofa": Per Carlén

Das Sofa haben wir für dich vor das Phänomenta-Kunstobjekt gestellt. Per Carlén: Ja. Warum eigentlich?


Weil du so ein innovativer Typ bist.
Per Carlén: (lacht) Da war doch etwas mit dem Bus!?


Du hast Recht. Wir hatten am Tag des Shootings keine Möglichkeit, das Sofa zu transportieren. Sorry, wo hättest du es hingestellt?
Per Carlén: Ich mag das Schloss in Glücksburg sehr. Es ist sehr schön da. Oder in der Marienhölzung, wo die Mannschaft laufen geht. Ich mag es „grün“.


Das überrascht ein wenig. Du wohnst mitten in der Stadt!
Per Carlén: In Flensburg ja. Aber in Schweden nicht. Da haben wir ein Haus außerhalb der Stadt. Hier wohne ich allein und will gerne zu Fuß in die Restaurants gehen können. Aber eigentlich bin ich kein Stadtmensch.


Von eurem Haus in Schweden hat schon dein Sohn Oscar erzählt.
Per Carlén: Wir haben ein super Haus! Ich habe es ja auch selbst gebaut! (lacht) Ein riesengroßer Garten, wo immer Handball, Fußball und manchmal auch Golf gespielt wird. Wir haben oft Besuch. Es sind neben der Familie immer mindestens sechs, sieben Leute am Mittagstisch.


Fotos: Christoph Schellhaus/Julius Demant

Wie groß ist euer Kühlschrank?
Per Carlén: Ich habe einen Kühlraum! Der ist fünf Quadratmeter groß. Mit einem normalen Kühlschrank würden wir nicht weit kommen. (lacht) Es ist übrigens „mein“ Raum! Beim Bau des Hauses wollte ich einen Kühlraum und einen Weinkeller. Ich hatte ganz konkrete Vorstellungen. Alles andere durfte meine Frau Meka bestimmen.


Als Spieler hast du so ziemlich alles gewonnen. Weißt du auf Anhieb, wie viele Medaillen du hast?
Per Carlén: Warte mal…Zweimal Schwedischer Meister, Weltmeister, Olympiasilber…zwei Mal… (er zählt weiter)…

Wo sind denn all die Trophäen?
Per Carlén: Zuhause in Schweden. Im Safe.

Holst du sie manchmal heraus, um Oscar zu motivieren?
Per Carlén: (lacht) Er braucht so eine Motivation nicht! Er ist ein Kämpfer und motiviert sich seit seiner Kindheit selber. Meine kleine Tochter Hilda ist aus dem gleichen Holz. Sie ist mit ihren 17 Jahren eine sehr erfolgreiche Fußballerin.


War Sport bei euch wichtig? Mussten die Kinder unbedingt „irgendetwas“ machen?
Per Carlén: Meine Frau war Handball-Nationalspielerin. Ich bin auch Sportler. Wir wollten gerne, dass sich unsere Kinder bewegen. Was sie letztendlich machen, war ihre Sache. Oscar hat auch sehr erfolgreich Hockey, Tennis und Tischtennis gespielt. Für Handball hat er sich später entschieden. Man kann seine Kinder nicht zwingen. Und das wollten wir auch nie! Meine älteste Tochter interessiert sich nicht so für Sport. Sie hat ganz andere Stärken. Die liegen mehr im sozialen Bereich. Sie geht sehr offen auf Menschen zu, kann Leute unterhalten. Das finde ich auch toll. Als Vater oder Mutter muss man die Kinder in ihren Talenten unterstützen. Ihren Weg gehen sie sowieso.


Du gehörtest der erfolgreichsten schwedischen Nationalmannschaft aller Zeiten an. Hast du noch Kontakt zu den damaligen Mitspielern?
Per Carlén: Klar! Ich spreche öfter mit Magnus Wislander, Staffan Olsson oder Robert Hedin. Wir haben viele Jahre zusammen gespielt, der Kontakt bricht nie wirklich ab. Witzig ist, dass alle Trainer geworden sind. Wir können nicht ohne Handball leben. (lacht)


Erst mit 40 Jahren hast du als Spieler aufgehört. Du bist jetzt Co-Trainer, aber immer noch sehr gut in Form. Gibt es Situationen, wo du dich am liebsten selbst einwechseln möchtest? Wenn zum Beispiel das Spiel der SG nicht so läuft, wie du es gerne hättest?
Per Carlén: Nein, nicht mehr. Wenn man mit dem aktiven Sport aufhört, gibt es eine Übergangszeit von ein bis zwei Jahren. Da will man noch auf das Spielfeld laufen. Aber ich habe sofort angefangen, als Handballtrainer mit Jugendlichen zu arbeiten. Es hätte blöd ausgesehen, wenn ich zwischen 16-Jährigen rumgehüpft wäre! (lacht)


Als Spieler warst du ein Star. Kaum ein anderer deiner Generation wurde so oft abgelichtet oder interviewt wie du. Nach der aktiven Karriere lässt das Medien-Interesse in den meisten Fällen nach. Die Fans finden auch irgendwann neue Idole. Ist das eine Umstellung, die dir schwer gefallen ist?
Per Carlén: Meine aktive Karriere wurde von den Medien sehr aufmerksam verfolgt. Viele Interviews habe ich gegeben. Es gab auch immer irgendwelche Foto-Shootings, Fernsehen, Radio oder Zeitungen. Für mich ging es immer um die Mannschaft und um unseren Sport, den Handball. Eine gesteigerte Aufmerksamkeit ist auch immer eine Chance! Dieses öffentliche Interesse habe ich aber nie für mich persönlich gebraucht. Ich muss sagen, dass das Beste am Karriere-Ende ist, dass der „Rummel“ um die eigene Person aufhört!

Bei deinem Steckbrief wundern sich viele Menschen.
Per Carlén: Wieso?

Na ja: Am liebsten hörst du schwedische Troubadouren-Musik oder Songs von Motörhead. Als Hobby nennst du Gartenarbeit und deine Harley. Deine Lieblinsgetränke sind Bier und Milch… Passt nicht wirklich zusammen.
Per Carlén: Hmm… Findest du mich schizophren? (lacht)


Nein!!! Dein Geschmack bewegt sich auf einer extremen Breite!
Per Carlén: Der Drummer von Motörhead ist ein sehr guter Freund von mir! Ich mag viele Sachen, und die sind vielleicht gegensätzlich. Aber ich bin ein Mensch, der sich nicht einengen lässt. Und ich will mich vor nichts verschließen. Auch mit 48 Jahren will ich noch jeden Tag etwas Neues lernen. So ist meine Persönlichkeit. Außerdem nennt man mich immer noch „Mister 100 Prozent“! (lacht)

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